Sozialcourage

Altenhilfe

„Einfach immer da“

Alte Frau faltet in Anwesenheit von Präsenzkraft ServiettePräsenzkraft Anke Klein hat Reinhilde Tratz gezeigt, wie sie selbst Servietten falten kann. Foto: Peter Esser

Sorgfältig faltet die 80-jährige Reinhilde Tratz in einer Wohnküche des Caritas-Seniorenheimes St. Elisabeth Gaimersheim  Papierservietten. Wie das am besten geht, hat ihr die 54-jährige Anke Klein gezeigt. Da die alte Dame das so gut kann, macht sie sich für das Mittagessen nützlich. Es ist ein Beispiel dafür, worauf es Caritas-Seniorenheimen im Bistum Eichstätt ankommt: Alle im Haus sollen möglichst viel miteinander tun und die alten Menschen möglichst wenig bloß versorgt werden. Ein Stock höher spielt der 78-jährige Willibald Schreiber mit der 62-jährigen Edith Ostermeier Mühle. „Sie ist die gute Seele. Sie ist einfach immer da“, meint der im Rollstuhl sitzende Senior über seine Mitspielerin. Einfach immer da sein für pflegebedürftige Menschen  – das ist die Hauptaufgabe von Anke Klein und Edith Ostermeier. Treffend kommt das in dem Begriff für ihren Beruf „Präsenzkraft“ zum Ausdruck.

Anke Klein arbeitet in diesem relativ neuen  Beruf bereits seit zweieinhalb Jahren. Früher war sie eine geprüfte Sekretärin und  Außenmitarbeiterin einer Metallfirma. Als sie arbeitslos wurde, engagierte sie sich ehrenamtlich im Seniorenheim Gaimersheim. Dort wie anderswo wurden bald Mitarbeitende benötigt, die als „Bindeglied“ zwischen dem Pflegepersonal und der Hauswirtschaft für Entlastung sorgen. Den Fachkräften in diesen Bereichen nehmen die Präsenzkräfte nun einfache Tätigkeiten ab. Sie sorgen damit für mehr Zufriedenheit und Ruhe bei Bewohnern wie Mitarbeitenden. „Für mich tragen die Präsenzkräfte auch wesentlich zu gesunder Mitarbeiterführung bei“, meint die Leiterin des Seniorenheimes, Irene Stiegler. Vor allem dienen sie aber dem Wohl der alten Menschen.

Bereits mehrere Bewohnerinnen und Bewohner "reaktiviert"

Alter Mann und Präsenzkraft spielen MühleWillibald Schreiber ist froh, dass Edith Ostermeier „einfach immer da“ ist.Foto: Peter Esser

Wie Reinhilde Tratz haben Anke Klein und Edith Ostermeier bereits mehrere Bewohnerinnen und Bewohner „reaktiviert“: Diese tragen nun zum Beispiel selbst ihre Teller nach dem Essen zurück oder holen sich selbst Wasserflaschen auf dem Tresen in den Wohnküchen. Dementsprechend angetan zeigen sich die Angehörigen der Senioren von den Präsenzkräften, die auch oft deren Ansprechpartner sind. Dass die Heimkosten für alle Bewohner aufgrund ihres ergänzenden Dienstes etwas höher ausfallen – die Arbeit der Präsenzkräfte wird aus dem allgemeinen Pflegesatz finanziert – nehmen die Betroffenen Irene Stiegler zufolge gerne in Kauf.

Sieben Präsenzkräfte sind mittlerweile in dem Caritas-Seniorenheim engagiert – alle in Teilzeit zwischen 15 und 30 Stunden. Vor allem Menschen mittleren Alters nach der „Familienphase“ bietet dieser Beruf die Chance zur Neuorientierung wie Anke Klein oder auch zur Veränderung aus gesundheitlichen Gründen: So war Edith Ostermeier im Haus bereits vorher als Pflegehelferin tätig. Da sie Rückenbeschwerden hatte, sah sie im Berufsbild Präsenzkraft eine Alternative. Jetzt genießt sie es, „einer vielseitigen Tätigkeit nachgehen zu können“, bevor sie in den Ruhestand geht. „Wer fürsorglich ist, Geduld sowie Humor hat, Teamplayer ist und auch die Schönheiten des Alters, durchaus auch der Demenz sieht, für den ist Präsenzkraft ein geeigneter Beruf“, erklärt Irene Stiegler. Dafür wünscht sie sich übrigens auch Männer, „damit die Männer bei uns spezieller betreut werden können“.

Vielfältige Aufgaben

  • Alltagsgestaltung von Senioren nach individuellen Bedürfnissen mit Angeboten wie Singen, Musizieren, Vorlesen und Gymnastik 
  •  Gespräche über Alltägliches, Biographie und Sorgen führen
  • Servieren und Vorbereiten von Mahlzeiten und Getränken und Aktivieren der Senioren zur Mitarbeit in der Wohnküche
  • Mithilfe bei der Essenseingabe bei Bewohnern ohne Schluckbeschwerden
  • Kleine Raumpflege

Je nach Charakter des Seniorenheimes gibt es unterschiedliche Modelle für Aufgaben von Präsenzkräften. Besonders vielseitig sind sie in sogenannten Hausgemeinschaften eingesetzt: Dort beziehen die Präsenzkräfte die Bewohner noch intensiver in den Tagesablauf ein,   indem sie mit ihnen etwa auch Vor- oder Nachspeisen zubereiten.

Präsenzkräfte erhalten bei der Caritas einen Brutto-Stundenlohn zwischen 11,30 und 12,30 Euro sowie eine Betriebsrente.

Sozialcourage

Engagement fördern

Türen öffnen gegen Einsamkeit

Gemeinsam Zeit verbringen ist die beste Medizin für Menschen, die selbst nicht mehr mobil und unternehmungstüchtig sind. In Osnabrück bieten freiwillig Engagierte Kontakt, Unterhaltung und Gemeinschaft vor allem Senioren: Das „Türöffner“-Projekt bringt allen Beteiligten etwas. mehr

Organisation von Ehrenamt

Gut vorbereitet ins Engagement einsteigen

Die Initiative „Türöffner“ in Osnabrück bringt Freiwillige mit vorwiegend alten Menschen in Kontakt. So entstehen Freundschaften, die für beide Seiten erfüllend sind. Die Organisatorinnen des Projekts sind umsichtig, erfahren und geduldig. Und sie haben Erfolg. mehr