Sozialcourage

Interview

Mit Kindern über Terror sprechen

 

Frustrierter Junge sitzt auf einem Skateboard"Tut man so, als gäbe es weder Gefahren noch Gewalt, bringt man Kinder in eine schwierige Situation."basexxx - Fotolia

Kann man Kinderseelen schützen, indem man schlimme Geschehnisse von ihnen fernhält?

Nein. Kinder wissen, dass die Welt kein sicherer Ort ist. Sie hören Nachrichten im Radio, sie erfahren, wenn in ihrer Stadt oder aus ihrer Schule jemand verunglückt ist. Man kann schlimme Geschehnisse nicht auf Dauer von Kindern fernhalten. Tut man so, als gäbe es weder Gefahren noch Gewalt, bringt man Kinder in eine schwierige Situation: Sie spüren, dass das nicht stimmt, und haben gleichzeitig den Eindruck, man dürfe nicht darüber sprechen.

Raten Sie Eltern und Lehrern also, mit Kindern über Terroranschläge und Gewalt zu sprechen?

Genau. Wenn Eltern oder Pädagogen ehrlich über das sprechen, was passiert, haben sie in der Hand, was bei den Kindern ankommt. Wichtig ist, bei der Wahrheit zu bleiben, also nichts zu verharmlosen oder zu beschönigen - aber auch nicht zu dramatisieren. Es gab Eltern, die ihren Kindern nach den Anschlägen in Paris sagten, solche Anschläge könnten in Deutschland niemals passieren. Kurz danach wurde in Hannover das Stadion geräumt. So verlieren Kinder das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Eltern. Wenn sich die Kinder ihre Informationen aus dem Internet besorgen, sind sie häufig mit einer Mischung aus Wahrheit, Übertreibung und Fantasie konfrontiert. Das führt zu Ängsten.

Porträt einer Frau im HochformatAnke Precht ist Psychologin und Mental-Trainerin. Anke Precht / Oliver Volke

Was hilft darüber hinaus, um Kinder zu beruhigen?

Ängste sind in Ordnung, wenn sie Kindern helfen, wachsam zu sein. Wüssten sie nicht, dass es auch schlechte Menschen gibt, würden sie mit jedem x-Beliebigen mitgehen, der sie zu einem Eis einlädt. Kinder können eine glückliche Kindheit haben, auch wenn sie wissen, es gibt keine absolute Sicherheit.

Wie gut sind Schulen auf Amokläufe vorbereitet?

Jede Schule hat einen Sicherheitsbeauftragten, der wiederum mit der zuständigen Polizeidienststelle vor Ort in Kontakt ist. Diese begeht die Schule und erarbeitet einen Plan für die richtige Reaktion bei einem Amoklauf.

Wie erkennt man, ob Schüler professionelle Hilfe brauchen?

Das ist schwierig. In vielen Fällen bemerkt man, dass ein Kind in Not ist, wenn es sich in kurzer Zeit in seiner Persönlichkeit und seinem Sozialverhalten stark verändert. Verschwinden die Auffälligkeiten nach einem halben Jahr nicht von selbst, ist professionelle Hilfe angesagt. Wenn Kinder starke Probleme entwickeln, erfahren es oft die Mitschüler viel schneller als Eltern oder Pädagogen. Vor Amokläufen oder Suizidversuchen verändert sich häufig die Kommunikation in den sozialen Netzwerken, es gibt Andeutungen oder sogar direkte Ankündigungen. Jugendliche sollten ermutigt werden, solche Informationen weiterzugeben. 

Links

Ratgeber

Kinder und Jugendliche

Krisen überstehen

Gut zu wissen

Angebote der Caritas

Beratung für Kinder und Jugendliche

Sozialcourage

Haushaltshilfen

Ein Ort zum Abladen und Auftanken

Mit Hilfe von osteuropäischen Haushaltshilfen ermöglichen sich immer mehr Pflegebedürftige und deren Angehörige die Chance auf die Pflege zu Hause. Doch die meist polnischen und bulgarischen Frauen sind häufig isoliert und haben wenig Kontakte. In einem Projekt in Markdorf organisieren Ehrenamtliche regelmäßige Austauschtreffen. mehr

Caritas24

Pflegekräfte, Angehörige und Haushaltshilfe arbeiten Hand in Hand

Rupert Niewiadomski leitet die Katholische Sozialstation Freiburg. Sie arbeitet mit dem Projekt Caritas24 zusammen, das versucht, Pflegebedürftigen bezahlbare und legal beschäftigte Haushaltshilfen zu vermitteln und dazu mit der polnischen Caritas kooperiert. Er berichtet von sehr guten Erfahrungen. mehr