Sozialcourage

Jubiläum

100 Jahre jung geblieben

Auf dem Bild sitzen mehrere Geistliche, der Bischof steht am MikrofonCaritas muss Anwalt für bedürftige Menschen sein, betonte Bischof Felix Genn in seiner Predigt im Pontifikalamt.Harald Westbeld

Das Finale des Festakts der anderen Art fasste die vergangenen 100 Jahre der Caritas in der Diözese Münster zusammen: Mit „Wind of Change“ begeisterten Realschüler aus Herten die 500 Gäste im Stadttheater Münster. Wandel hat die soziale Arbeit in Beratungsstellen, Krankenhäusern, Altenheimen, Behinderteneinrichtungen über die Jahrzehnte bestimmt. Der Diözesancaritasverband Münster ließ bei seinem Jubiläum keinen Zweifel daran, wie lebendig er geblieben ist. Es fehlten die Festrede und Grußworte der Honoratioren. Zu Wort kamen Mitarbeiterinnen aus Pflegeeinrichtungen und Flüchtlingsarbeit im Gespräch mit Moderatorin Gisela Steinhauer. Das Kabarett-Duo Harald Funke und Jochen Rüther hielt der Caritas den Spiegel vor und youngcaritas Herten stellte Arbeitsfelder tänzerisch vor.

Zuvor hatte Bischof Dr. Felix Genn die Bedeutung der Caritas für die katholische Kirche im Pontifikalamt

Auf dem Bild tanzen mehrere Leute, einer davon im Rollstuhl.Getanzte Caritas beim Festakt der anderen Art - youngcaritas aus Herten.Harald Westbeld

gewürdigt. Die 100 Jahre seien gefüllt vom „Liebeswerk unzähliger Menschen“. Die 16 Lebensbilder in der Festschrift hätten ihm vor Augen geführt, „welche Kraft Menschen investiert haben, um Menschen zu bewegen und sich bewegen zu lassen von der Not der Menschen.“

Gegen den Strich bürsten

„Ich bin überzeugt, dass alles, was aus Liebe geschieht, nicht verloren sein kann“, sagte Genn in seiner Predigt. Caritas heiße „Gott ist die Liebe“. Das sei ein hoher Anspruch und damit auch eine Verpflichtung. Caritas müsse auch Anwalt sein gegenüber Politik und Gesellschaft und wenn notwendig gegen den Strich bürsten. Immer wieder habe sie neue Felder der Not entdeckt. Sie helfe „unabhängig von Religion und Herkunft, sondern weil es ein Mensch ist, der von Gott geliebt wird,“

Auf dem Bild stehen drei Männer in einer Runde"Gipfeltreffen" in lockerer Runde nach dem Festakt im Stadttheater Münster: (von links) Gerrit Schulte (Vorsitzender Diözesancaritasverband Osnabrück), Burkhard Schröders, (Diözesancaritasdirektor Aachen), und Dr. Peter Neher, (Präsident des Deutschen Caritasverbandes).Harald Westbeld

betonte Genn. Keinen Zweifel ließ der Bischof an der Stellung dieser organisierten Form der Nächstenliebe: „Caritasverband ist Kirche“. Sie gehe mit Christus an die Ränder.

Entstanden ist die verbandliche Caritas aus der großen Not des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Daran erinnerte der Vorsitzende des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher, der das Pontifikalamt konzelebrierte. Der Erste Weltkrieg habe die Notwendigkeit noch einmal verschärft, die vielen nebeneinander bestehenden Hilfen neu zu organisieren.

Nicht anderen überlassen

Durch die Gründung diözesaner Caritasverbände wie 1916 in Münster „konnten sich langfristig professionelle, verlässliche und tragfähige Strukturen um Gottes und der Menschen Willen bilden“, sagte Neher. Wie geholfen werde, sei unterschiedlich und habe sich immer wieder gewandelt. Caritas sei dabei keine „Art Wolfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte,“ so Neher, „sondern sie ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst“. Dabei brauche es alle Ebenen, um wirksam soziale Hilfen leisten zu können: vor Ort, in der Diözese, im Land und bundesweit.

Und zudem das Zusammenspiel zwischen der Caritas und der Politik, wie in einer der Talkrunden des sich anschließenden „Festakts“ zwischen der NRW-Familienministerin Christina Kampmann und Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann deutlich wurde: Kampmann freute sich, dass es gelungen sei, ab August mehr Geld für die Kitas bereitzustellen und kündigte an, in die Erarbeitung des neuen

Eine Moderatorin mit Mikrofon unterhält sich mit einem MannTalkrunde mit Ministerin - Moderatorin Gisela Steinhauer spricht mit Christina Kampmann und Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann über Tageseinrichtungen für Kinder.Jürgen Stadtkowitz

Gesetzes, dass das Kinderbildungsgesetz ablösen soll, Erzieherinnen einzubeziehen. Kessmann sah das mehr an Geld als einen „richtigen, aber nicht ausreichenden Schritt“ an. Bei gleichen Rahmenbedingungen müssten immer neue Anforderungen im Alltag der Tageseinrichtungen umgesetzt werden. Dazu müssten die Erzieherinnen auch die Chance bekommen. Notwendig seien neue Formen der Finanzierung, bei der der Bund neu und die Kommunen wieder verstärkt eingebunden werden müssten.

Dass der Alltag sozialer Arbeit nicht immer ganz einfach ist, wurde sowohl in kurzen Einspielfilmen aus verschiedenen Arbeitsfeldern wie auch in den kurzen Gesprächsrunden deutlich. Der enge Rahmen, den die Finanzierung nicht nur bei den Kitas sondern vor allem auch in der Pflege setzt, muss ausgeglichen werden durch besonderes Engagement haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter. Dass sie dies mitbringen, daran ließen die Einblicke in die lebendige Caritas vor Ort keinen Zweifel.

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