Sozialcourage

Flüchtlingspatenschaften

Kulturen gemeinsam erkunden

"Ein großes Geben und Nehmen", so beschreibt Bettina Lehnes die Patenschaft, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Patrick vor neun Monaten für ein syrisches Brüderpaar im südbadischen Waldkirch übernommen hat. "Als wir über die Lokalzeitung erfahren hatten, dass in einer Sporthalle in unserer Nachbarschaft Flüchtlinge untergebracht werden sollten, haben wir uns entschlossen, am Tag nach deren Ankunft einfach einmal Hallo zu sagen", erinnert sich Patrick Lehnes.

Aus dem "Hallo" entwickelte sich rasch ein intensives Gespräch zwischen Abdulateef* und den Lehnes. "Er war einer der wenigen, die gut Englisch sprechen konnten – genauso wie auf deutscher Seite wir." Heute, neun Monate später, ist der Faden nicht abgerissen. Ganz im Gegenteil: "Wir haben seitdem viel zusammen unternommen, waren im Museum in der Schweiz, haben Konzerte besucht und auch gemeinsam Weihnachten verbracht", so Bettina Lehnes. Zuletzt haben sich die Paten dafür eingesetzt, dass Abdulateefs kleiner Bruder Yassim ebenfalls nach Waldkirch kommen konnte. "Er wohnt jetzt bei uns zu Hause in meinem ehemaligen Arbeitszimmer", erklärt Bettina Lehnes.

Freizeit mit anderen teilen

Beide Seiten lernen voneinander: "Für uns war es total interessant, aus erster Hand zu erfahren, wie die Deutschen ticken, welche kulturellen Feinheiten es gibt und wie hier alles funktioniert", sagt Abdulateef. Auch das Ehepaar Lehnes sieht die Patenschaft als Bereicherung. "Wir opfern ja nicht unsere Freizeit, sondern teilen sie einfach mit anderen", sagt Patrick Lehnes. "Seit der Übernahme der Patenschaft haben wir neue Perspektiven aufgezeigt bekommen und konnten unsere Vorurteile peu à peu abbauen."

Die Patenschaft trägt bei zur gelingenden Integration. "Ob bei der Vermittlung eines Praktikums, beim Behördengang oder einfach nur durch den direkten Austausch in Gesprächen – man kommt sich einfach näher, kann vieles unbürokratischer angehen und versteht einander besser", so Bettina Lehnes.

Heimat finden im Tandem

Porträt einer Frau im HochformatMan kommt sich näher und versteht sich besser, findet Bettina Lehnes.Martin Herceg

Abdulateef würde sich wünschen, dass noch mehr Deutsche eine Patenschaft für einen Flüchtling übernehmen: "Nur wenn man sich kennenlernt und miteinander und nicht übereinander redet, kann man auch zusammenwachsen – durch den Zusammenhalt mit meinen Paten habe ich eine Heimat für mein neues Leben hier in Deutschland gefunden und neuen Mut geschöpft." So will der 26-Jährige, der in Damaskus bereits Chemie studierte, bald an einer deutschen Hochschule das Studium abschließen – auch sein Bruder Yassim will bald wieder an die Uni. "Ohne die Unterstützung von Bettina und Patrick weiß ich nicht, ob wir unsere Ziele noch immer so im Blick hätten – es hilft schon gehörig, dass sie uns immer wieder motivieren, zum Deutschkurs zu gehen, die Sprache zu lernen und zu sprechen", sagt Abdulateef.

Hilfe, wenn das Tandem sie braucht

1900 neue Patenschaften zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen aufbauen bis zum Jahresende: Das ist das Ziel, das sich die Caritas mit der Teilnahme am Projekt "Menschen stärken Menschen" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gesetzt hat. Die Caritas ist an 25 Projektstandorte verteilt in Deutschland als Vermittler tätig. In Emmendingen ist Sozialarbeiterin Monique Tucholski vom Caritasverband des Landkreises zuständig. "Bei Konflikten oder bürokratischen Problemen können sich beide Partner des Tandems immer an uns wenden", sagt Tucholski, die mit ihrem Team bereits mehr als 30 Patenschaften vermitteln konnte. "Da wir im Landkreis bereits die Sozialberatung für Flüchtlinge machen und auch mit der Vermittlung von Ehrenamtlichen Erfahrung haben, finden wir immer wieder Menschen in beiden Reihen, die gut zueinander passen."


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Auch Lust bekommen, eine Patenschaft einzugehen? Alle Infos zum Projekt "Menschen stärken Menschen" und zu den weiteren Patenschaftsprojekten der Caritas in Deutschland unter:

www.caritas.de/menschenstaerkenmenschen

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