Sozialcourage

Ehrenamt

Mit Zeit, Herz und Erfrischungstüchern

Eva-Maria BaranowskiEva-Maria BaranowskiWalter Wetzler

Die Erfrischungstücher mit Zitronenduft dürfen natürlich nie fehlen, genauso wenig wie die Brillenputztücher. Die hat sie in ihrer kleinen hellgelben Lederhandtasche jeden Dienstag dabei. "Ein freiwilliges Mitbringsel" nennt sie das. "Alles packen die Leute fürs Krankenhaus ein, nur das Brillenputztuch fehlt. Das finden die Kranken immer toll", erzählt Eva-Maria Baranowski und lächelt.
Vor 26 Jahren hat sich die pensionierte Schulleiterin für das Engagement beim Krankenbesuchsdienst entschieden. Ein Zeitungsbericht über anstehende Umstrukturierungen im Krankenhauswesen hat sie aufhorchen lassen: Von Minutenkontingenten für Behandlungen und Pflege war darin die Rede. Und dass nun Ehrenamtliche ausgebildet werden sollten, die Kranke besuchen, um sich mit ihnen zu unterhalten, um ihnen ein offenes Ohr zu schenken – all das, wofür dem Krankenhauspersonal künftig die Zeit fehlen würde. Unter dem Bericht war eine Annonce für solch einen Ausbildungskurs geschaltet. "Meldeste dich mal an", dachte sich die heute 84-Jährige.

„Geld zu verschenken haste nicht, aber Zeit”

"Du gehst bald in Pension - Geld zu verschenken haste nicht, aber Zeit", dieser Gedanke habe sie angetrieben, sagt Eva-Maria Baranowski und dass für diese Aufgabe die Motivation wichtig sei, darüber solle man vorher sorgfältig nachdenken. Das betont auch Renate Hansmann. Sie leitet den Besuchsdienst im Sankt Gertrauden-Krankenhaus, der vom Berliner Diözesanverband der Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) getragen wird. Wer sich für das Ehrenamt interessiert, trifft sich zu einem ersten Gespräch mit ihr.

Renate HansmannRenate HansmannWalter Wetzler

Nicht immer würden Antrieb und Erwartungen passen, "doch wer sich auf den Ausbildungskurs einlässt, bleibt", zeigt Renate Hansmanns Erfahrung. Drei Tages- und zehn Abendveranstaltungen umfasst dieser verpflichtende Kurs, der beispielsweise vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) angeboten wird. Neben den Themen Krankheit, Leid und Alter, befassen sich die Teilnehmer mit rechtlichen Fragen und lernen, wie sie in ein Gespräch einsteigen können.

„Es ist jedes Mal eine Premiere”

Das Familienfoto auf dem Nachttisch oder einfach das Wetter können so ein Einstieg sein. Die Erfahrung haben auch die Mitglieder der Besuchsgruppe im Sankt Gertrauden-Krankenhaus gemacht. 15 Frauen und ein Mann sind es derzeit. Jeder besucht mindestens einmal wöchentlich seine ihm zugeteilte Station, geht in die Zimmer und setzt sich dort ans Bett, wo jemand dankbar für ein offenes Ohr ist. Nicht immer geht es in den Gesprächen um Krankheit und Sorgen, sondern auch um die neuesten Haarfrisuren oder Modetrends.

"Es ist jedes Mal eine Premiere", berichtet Eva-Maria Baranowski, das mache die Tätigkeit sehr interessant. Außerdem bekomme man das Echo. "Ich merke, die Menschen sind froh geworden, während ich bei ihnen war. Das Gesicht hat sich belebt. Das ist befriedigend." Sie teilt sich die Station mit einer anderen Ehrenamtlichen. "Der Austausch hinterher ist wichtig!" Das passiert aber nicht im Krankenhaus, sondern bei einer Tasse Kaffee beim Bäcker um die Ecke. Auf den räumlichen Abstand legt sie wert. Sensibel und humorvoll muss man für diesen Dienst sein, sagt die 84-Jährige. Und eine christliche Einstellung haben. Bevor sie auf Station geht, besucht sie die Krankenhauskapelle und betet für die Kranken. "Das erzähle ich denen aber nicht. Wenn einer zu mir sagt: ‚Beten sie mal für mich‘, sage ich denen immer: ‚Mache ich, Sie müssen aber auch selbst beten.‘"

Erfrischend für die Patienten ist vor allem das Plaudern mit den Besuchern, aber auch über ein Erfrischungstuch Erfrischend für die Patienten ist vor allem das Plaudern mit den Besuchern, aber auch über ein Erfrischungstuch freuen sich viele. Walter Wetzler

Doch die immer kürzeren Liegezeiten wirken sich auch auf die Besuche der Ehrenamtlichen aus. Vertrauen zu den Patienten aufzubauen ist nicht mehr so leicht. Früher wurden sie schon mal gebeten, einen Seelsorger oder Anwalt zu vermitteln, ohne dass die Angehörigen davon erfahren sollten. "Der Patient erzählte einem seine Geschichte". Für so etwas bleibe heutzutage keine Zeit. Und dennoch trifft Eva-Maria Baranowski immer wieder auf alte Bekannte. Gerade kommt sie von einem Mann, der bereits vor einem viertel Jahr im Sankt Gertrauden-Krankenhaus lag und sich bereits damals über das Erfrischungstuch und heute über das Wiedersehen freute.

Weitere Informationen
über den Ausbildungskurs für den Krankenbesuchsdienst vom KDFB gibt es unter Telefon 030 / 301 027 22 oder per Mail heike.neubrand@kdfb-berlin.de.

Kontakt

Elzbieta Stolarczyk
Caritas-Konferenzen Deutschlands Diözesanverband Berlin e.V.
Geschäftsführung
Telefon 030 / 6 66 33-1277 / -1278
E-Mail: e.stolarczyk@caritas-berlin.de

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