Sozialcourage

Arbeit mit Demenzkranken

Mit Gesang und Massage die Menschen noch erreichen

Langsam versucht Eva-Maria Schneider die verkrampfte Hand der alten Frau zu lösen. Sie streicht ihr über den Arm, versucht sie mit Berührungen und Gesang zu erreichen. "Milka kam früher oft zu unseren Sängerrunden", erzählt die Leiterin des Sozialen Dienstes im Heringsdorfer Seniorenheim Stella Maris auf Usedom. Jetzt ist dies nicht mehr möglich. Die Altersdemenz und andere Erkrankungen machen ihr ein Aufstehen unmöglich. "Wir haben hier 63 vollstationär zu Pflegende und zwei Senioren in Kurzzeitpflege. Davon sind zirka 46 dement", berichtet Eva-Maria Schneider weiter. Jeden Mittwoch und Freitag geht sie deshalb ihre Runde durch das Seniorenheim der Caritas-Altenhilfe. Indem sie singt, Gitarre spielt und gleichzeitig die Bewohner liebevoll massiert, versucht die gelernte Ergotherapeutin diese zu erreichen.

 

Mit ihrem Gitarrenspiel berührt Eva-Maria Schneider demenzkranke MenschenMit ihrem Gitarrenspiel erreicht Eva-Maria Schneider viele demenzkranke Bewohner.Anja Goritzka

Doch nicht nur mittwochs kümmert sie sich mit ihren Mitarbeitern und 18 Ehrenamtlichen um die Senioren des Heims an der Ostsee. "Montags Vormittag und freitags ist Sturzprävention und am Montagnachmittag unsere Singe-Runde mit über 30 Leuten, dienstags sind immer unsere Feste und Ausflüge. Da feiern wir auch einmal im Monat die Geburtstage. Im November und Februar gibt es auch je ein Musikschulkonzert. Abends bieten wir dann einen Lese- und Klavierabend", erzählt sie weiter. Zusätzlich gehen dienstags und donnerstags die jeweiligen Seelsorger durch die Zimmer derjenigen, die nicht mehr aufstehen können. Montags hingegen besuchen ihre drei Mitarbeiter, die über den Paragraphen 87B des Sozialgesetzbuches angestellt sind, die Bewohner mit erhöhtem Betreuungs- und Aktivierungsbedarf, die an Demenz erkrankten. Durch Musik, Massage und Vorlesen versuchen sie diese zu erreichen und ihnen den Alltag angenehmer zu gestalten. Die Ehrenamtlichen indes organisieren oft die Fahrten und Feste. Zusätzlich ist hier auch die Hausmeisterstelle im Seniorenzentrum angesiedelt. "Seit kurzem unterstützt mich noch eine zusätzliche Kraft im Rahmen des Bundesfreiwilligen Dienstes", so Eva-Maria Schneider weiter.

Die Schaffung von Freizeitangeboten und sozialen Kontakten sei für die pflegenden ausgebildeten Krankenschwestern in ihrem Alltag mit den Senioren selten zu erfüllen. Das ist dann die Aufgabe des Sozialen Dienstes. Die Kommunikation zwischen Pflegepersonal und dem Sozialen Dienst funktioniere meist ganz gut, so die Leiterin des Dienstes. Dies sei auch enorm wichtig, damit sie und ihre Mitarbeiter wissen, welche Vorlieben der jeweilige Bewohner habe. Ein Höhepunkt im Alltag der Bewohner sei zudem der Altennachmittag, der einmal im Quartal zusammen mit der evangelischen Pastorin vor Ort organisiert wird. "Jetzt im Herbst wird es um das Thema Apfel gehen. Dafür muss ich nachher noch einen Apfelbaum bauen", so die Eva-Maria Schneider.

Doch nun sind erst einmal die anderen bettlägerigen Bewohner an der Reihe: In jedem Zimmer nimmt sie sich nun mindestens fünfzehn Minuten Zeit, singt, redet mit den Menschen, massiert sie, gibt ihnen Sinnesanregungen. Gerne würde sie sich mehr Zeit dafür nehmen, doch ihr Arbeitsalltag und auch der Alltag der Bewohner ist eng getaktet. "Wir müssen das jetzt so machen. Es gibt ja gleich Mittag für die Bewohner", entschuldigt sie sich. Dass diese Zuwendung den Senioren jedoch trotzdem gut tut, sehen wir an kleinen Gesten: Milka hatte versucht zu lächeln, als Eva-Maria Schneider ihr etwas vorsang und eine andere Frau, die immer sehr unruhig mitunter schreiend im Bett liegt, wurde plötzlich ruhiger, ihre Geräusche wurden leiser, fast entspannt.  

 

Sozialcourage

Demenz

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