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Unternehmen

Gemeinsam lässt sich mehr bewegen

Strategische und langfristige Partnerschaften zwischen der Caritas und Unternehmen sind - noch - relativ selten. Häufig beschränkt sich die Zusammenarbeit zwischen Caritas und Wirtschaft auf die Unterstützung einzelner Aktionen mit Geld- und Sachleistungen oder Mitarbeiterfreistellung. Einen neuen Weg hat der Diözesan-Caritasverband (DiCV) Rottenburg-Stuttgart beschritten. Im Kompetenzfeld Corporate Social Responsibility (CSR) wird seit zehn Jahren eine Unternehmenspartnerschaft mit dem Autobauer Hyundai gepflegt - vom DiCV initiiert und stellvertretend für den Deutschen Caritasverband verantwortet, werden Projekt­inhalte bundesweit umgesetzt.

Nach der Kooperation der Caritas mit der Hyundai Motor Deutschland GmbH initiierte die Caritas in Kooperation mit dem Ministerium für Finanzen und ­Wirtschaft Baden-Württemberg den "Mittelstandstandspreis für soziale Verantwortung - Leistung, Engagement, Anerkennung". Mit ihm zeichnen das Land und die Caritas gesellschaftlich engagierte Unternehmen aus. Mehr als 1000 Kooperationsprojekte wurden im Laufe von acht Jahren von kleinen und mittleren Unternehmen des Bundeslandes eingereicht.

Doch zurück zu Hyundai: Entstanden ist die Partnerschaft mit Hyundai 2004 im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006. Mit einem bundesweiten Straßenfußballturnier für Achtung und Toleranz wurde der Grundstein für diese Kooperation gelegt. Bereits im ersten Projekt "Kick it" gelang es, die Interessen des WM-Sponsors Hyundai und der Caritas unter einen Hut zu bringen. Miteinander wurden unterschiedliche Kulturen thematisiert. Gleichzeitig konnte Hyundai für die noch junge Unternehmensmarke werben und die Caritas vor Ort neue Zielgruppen ansprechen.

Zivilgesellschaft gestalten

Zu den strategischen Zielen des DiCV gehört es, für Solidarität mit Menschen in besonderen Lebenslagen einzutreten. Deswegen setzt sich der Verband für ein solidarisches Handeln ein, das sich auch an privatwirtschaftliche Unternehmen richtet. Gemeinsam soll die Zivilgesellschaft mitgestaltet werden. Die Caritas bringt als bundesweit tätiger Verband trotz dezentralem Aufbau gute Voraussetzungen für eine Unternehmenspartnerschaft mit: Solidaritätsstiftung ist Bestandteil des verbandlichen Selbstverständnisses.

Für ein Unternehmen ist es wichtig, im Zeichen europäischer Richtlinien zu CSR und Nachhaltigkeit und der nationalen CSR-Strategie der Bundesregierung über die gesetzlichen Anforderungen hinaus Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch der Blick auf das Gemeinwesen und das Engagement für die Menschen am Unternehmensstandort. Freiwilliges gesellschaftliches Engagement ist für das Unternehmen eine lohnende Investition, da es positive Auswirkungen auf die Marke, die Attraktivität als Arbeitgeber, die Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Unternehmen und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit hat. Entscheidend sind dabei die strategische Ausrichtung des Engagements sowie dessen Verknüpfung mit dem Kerngeschäft. Beides konnte im Verlauf der Kooperation verwirklicht werden.

Verknüpfung mit dem ­Kerngeschäft

Grundlage einer CSR-Kooperation mit einem Unternehmen ist die Verknüpfung des Engagements mit dem Kerngeschäft der beiden Partner. Dieses Verständnis hat sich nach der Erfahrung einiger Jahre der Zusammenarbeit entwickelt. Die CSR-Kooperation mit Hyundai schaffte nicht nur eine Win-win-Situation, die sich aus kommunikativen und werblichen Maßnahmen ergab, sondern ihr Nutzen liegt bis heute in der gegenseitigen Stärkung des jeweiligen Kerngeschäftes. Die Partnerschaft verfolgt nicht nur die sozialen, sondern auch betriebswirtschaftliche Ziele der Beteiligten.

Erfolgsfaktoren für CSR

Das Beispiel der Partnerschaft mit Hyundai kann eine Vorlage dafür liefern, wie CSR-Kooperationen gelingen können. Wichtigster Faktor ist die Haltung gegenüber dem jeweiligen Partner: die Zusammenarbeit auf Augenhöhe, das Verständnis für die Ziele des anderen ebenso wie für die Entscheidungswege und -prozesse. Ebenso wichtig ist es, den Partner nicht auf eine Funktion als Geldgeber oder Bittsteller zu reduzieren.

Neben diesen weichen Faktoren gibt es darüber hinaus harte Rahmenbedingungen: Um CSR-Kooperationen initiieren und durchführen zu können, braucht es  Ressourcen. Der DiCV Rottenburg-Stuttgart hat mit einer Vollzeitstelle vor 14 Jahren die Voraussetzung für ein kontinuierliches und professionelles Arbeiten in diesem Bereich geschaffen. Unter dem Motto "Gemeinsam mehr bewegen" verwirklichten Hyundai und die Caritas seit 2004 mehr als 50 Projekte und erreichten damit über 100.000 Menschen. Im Fokus der Aktivitäten stand und steht die Bildung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien. Zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements entstand in Kooperation mit der Zeitschrift "Sozialcourage" der Fonds "Sozial couragiert", der bundesweit jährlich 40-mal 1000 Euro auslobt, um Ehrenamtliche in ihrer Arbeit zu würdigen und zu unterstützen.

Weil es eine CSR-Kooperation ist, ­beinhaltet die Partnerschaft nicht nur Aktivitäten im sozialen Bereich, sie umfasst ebenfalls die unternehmerischen Verantwortungsbereiche Ökonomie und Ökologie. So haben die Caritas und ihre Mitglieder bundesweit die Möglichkeit, unter dem Motto "Ökologisch - aber sicher" an Spritspar- und Fahrsicherheitstrainings teilzunehmen. Hyundai stellt außerdem bundesweit Kleinbusse zur Verfügung, die für Bildungsmaßnahmen kostenlos ge­nutzt werden können. Hyundai gewährt außerdem attraktive Sonderkonditionen für die Anschaffung von Fahrzeugen.

Gleiche Maßstäbe für alle Partner

Die Maßstäbe, die an das soziale, ökologische und ökonomische Wirtschaften von Unternehmen angelegt werden, gelten im Umkehrschluss auch für die Caritas. Ein "Sozialunternehmen" wie die Caritas sieht sich im Zusammenhang mit Unternehmenskooperationen zwangsläufig mit den gleichen Fragen konfrontiert wie andere Unternehmen auch. Fragestellungen, die im Bereich des sozialen Engagements, des nachhaltigen und ökologisch schonenden Umgangs mit Ressourcen und des verantwortungsvollen Umgangs mit Mitarbeitern auftauchen, betreffen immer beide Partner und verlangen selbstkritische Reflexion, bieten jedoch auch hier die Chance zur Weiterentwicklung.

Für die Caritas waren die zehn Jahre Partnerschaft ein nachhaltig wirkender Lernprozess. Zusammengefasst sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren einer Kooperation das Verständnis für unterschiedliche Unternehmenskulturen sowie die Bereitstellung von notwendigen Ressourcen auf beiden Seiten. Gleichzeitig bedarf es der Verankerung innerhalb der Organisationen, das heißt der Information und Beteiligung aller Führungsebenen sowie einer Kultur des Vertrauens. Der Weg vom klassischen Sponsoring, das auf Leistung und Gegenleistung beruht, hin zu einer strategischen CSR-Partnerschaft ist für alle Beteiligen eine kontinuierliche Herausforderung. Aber eine, die sich im Sinne der Stiftung von Solidarität in der Gesellschaft lohnt.