Sozialcourage

Arbeiten bei der Caritas

"Unterwegs zur Einheit"

Rita Lehmann in ihrem BüroNach 20 Jahren bei der Caritas in Görlitz
kehrt Rita Lehmann in ihre Heimat zurück.
Raphael Schmidt

Wie kam es dazu, dass Sie vor 20 Jahren in das Bistum Görlitz kamen und blieben?

Damals kam ich direkt vom Religionspädagogikstudium, hatte zuvor in Hoyerswerda ein Praktikum in der Krankenhausseelsorge und in der Kita absolviert und habe in dieser Zeit entschieden, dass es an der Zeit ist, mich hier im Bistum Görlitz weiter einzubringen. Beim Katholikentag 1994 in Dresden war ich zum ersten Mal in den neuen Bundesländern und fasziniert von der Freundlichkeit, von der Gastfreundschaft und Offenheit der Menschen. Das Thema lautete damals übrigens: "Unterwegs zur Einheit". In der Stadt waren die Spuren der DDR noch zu sehen, jedoch zu spüren, dass sich die Städte im Osten Deutschlands in den nächsten Jahren an Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart… anpassen werden. Da kam die Idee, ich möchte für eine Zeit hier leben, bevor dieser Anpassungsprozess passiert ist.

Was haben Sie zunächst in Hoyerswerda, dann in Görlitz im Laufe der vielen Bereiche erlebt?

In Hoyerswerda hat mich der Zusammenhalt sowohl im Team im Kinderhaus als auch in der Nachbarschaft fasziniert. Ich hatte unglaublich schnell Kontakt in der Pfarrgemeinde und in der Nachbarschaft.

Sie haben Ihre Arbeit in Görlitz begonnen mit der Leitung der Schule und des Wohnheimes mit verschiedenen Veränderungen. Wie ging es Ihnen, als die Schule geschlossen wurde?

Die Schließung der Einjährigen Berufsfachschule für Gesundheit und Pflege war ein längerer Prozess über mehrere Jahre. Die Schülerzahlen gingen zurück. Die Frage, ob und wie es mit der Schule weitergeht, stand ja immer wieder. Von daher war es kein abrupter Abschluss. Der Caritasverband hatte im letzten Schuljahr zeitig entschieden, dass es nicht weitergehen wird mit der Schule. So hatten die Mitarbeiter die Möglichkeit, das Schuljahr gut zu Ende zu bringen und wir konnten uns mit neuen Ideen und neuen Gedanken im Bereich Jugendberufshilfe auf den Weg machen.

Von 2002 bis 2005 waren Sie Koordinatorin des Xenos-Projektes "Dem Fremden begegnen - Jüdisches Leben in der Lausitz" am Standort Görlitz. Was konnten Sie dabei bewegen?

Das war ein Projekt für junge Menschen in der Arbeitslosigkeit, die über das Projekt, über das Forschen am jüdischen Leben Bildungsangebote mit an die Hand bekommen haben, zum einen, um diese Forschung und die Öffentlichkeitarbeit und die ganzen Medienprodukte auf den Weg zu bringen, aber gleichzeitig damit auch qualifiziert wurden für die Aufnahme einer Ausbildung oder einer Arbeit. Es war ein sehr spannendes Projekt. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben auf dem jüdischen Friedhof die Grabsteine fotografiert, dokumentiert, die Schriften aufgeschrieben und den ersten Friedhofsplan des jüdischen Friedhofes erstellt. Gleichzeitig haben sie sich mit der jüdischen Geschichte in der Stadt und der jüdischen Kultur beschäftigt und haben dazu beispielsweise Friedhofsführungen vorbereitet. Es war sehr spannend zu sehen, wie junge Menschen an so einer Aufgabe wachsen, sich auf so eine Aufgabe einlassen.

Sie waren langjährig ehrenamtlich und seit 2012 hauptamtlich in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung tätig. Wo lagen da die Hauptschwerpunkte?

Von 2006 an war ich in der Beratungsstelle der Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Görlitz ehrenamtliche Mitarbeiterin und als Barbara Hupe in Rente ging, habe ich die Stelle übernommen und über die Jahre Paare und Menschen in Krisensituationen begleitet. In der Regel kommen Paare an Übergängen, zum Beispiel rund um die Geburt, wenn sich das Familiensystem verändert. Dann ist Einschulung ein Thema, die Pubertät und wenn die Kinder aus dem Haus gehen und das Haus leer wird. Viele Paare stehen dann vor der Herausforderung sich noch einmal neu miteinander auseinanderzusetzen und sich zu finden. Durch die Familiengründung gerät die Paarbeziehung in vielen Familien in den Hintergrund. Es ist notwendig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass Eltern nicht nur Eltern sind, sondern auch ihre Paarbeziehung weiter pflegen.

Kommen wir zum Projekt Cari-fé. Auffällig sind die Schaufenster ohne Gardinen, durch die Passanten sehen können, was darin geschieht. Welches Konzept steht hinter Cari-fé?

Cari-fé entstammt der Schwangerschaftsberatung und Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Als wir in die konzeptionelle Arbeit mit dem Cari-fé gegangen sind, war es uns ganz wichtig, einen niederschwelligen offenen Treff mitten in der Stadt zu haben. Also einen Treff, den junge Familien gut erreichen können, einen Treff, in dem eine Vermischung von Familien aus unterschiedlichen Schichten passiert, damit Familien miteinander in Kontakt kommen, im Miteinander kreativ sein und sich gegenseitig unterstützen und stärken können. Es war uns ganz wichtig, nicht einen Treff einzurichten und die Woche mit Angeboten von Sozialpädagogen für Eltern durchzutakten, sondern den Eltern Raum anzubieten, Angebote zu entwickeln und zu gestalten.

Thomas Pöschke verabschiedet sich von Rita Lehmann.
Wie Thomas Pöschke, Mitarbeiter des Betreuten
Jugendwohnens in der Görlitzer Blumenstraße,
verabschiedeten sich viele von Rita Lehmann und
dankten ihr für ihr großes Engagement.
Raphael Schmidt

Wie war das mit dem Projekt Dia-LOGin?

Wir haben festgestellt, dass sich zum einen mehr Ausbildungs-Abbrecher an der Schule bewerben, deren Biografien brüchig sind. An dieser Stelle kamen wir als Schule an eine Grenze. Ziel oder Bildungsauftrag war es, junge Menschen auf eine Prüfung vorzubereiten und zum Abschluss zu führen. Das wurde mit den Jahren immer schwieriger. Diese Situation haben wir analysiert und sind dabei auf ein Projekt des Deutschen Caritasverbandes gestoßen, das Cari-Via heißt. Wir haben es angepasst an unsere Gegebenheiten vor Ort, haben Kooperationspartner gefunden, die Jugendlichen vermittelt und gleichzeitig Praktika angeboten haben. Das Wichtigste war die sehr engmaschige Begleitung durch Sozialpädagogen.

Sie waren an vielen Projekten beteiligt, welche hätten Sie gern weitergeführt?

Ich gehe davon aus, dass der Caritasverband dafür sorgen wird, dass auch jetzt die Dinge, die im Aufbau begriffen sind, in eine gute Hand gehen und auf einem guten Weg weiterlaufen. Es ist so ein bisschen, wie ein Kind ausziehen zu lassen. Ich rede immer von meinen "Kindern". Es ist irgendwann die Zeit, loszulassen.

Jetzt lassen Sie los, gehen weg aus dem Bistum Görlitz - zurück in Ihre Heimat. Was muss aus Ihrer Sicht hier im Osten in der Kirche, bei der Caritas, anders gemacht werden, um Kirche und Caritas zukunftsfähig zu machen?

Als ich in Görlitz angefangen hatte, gab es eine Bistumswallfahrt unter dem Motto "Miteinander auf dem Weg - Not sehen und handeln". Ich glaube, dass das der wichtigste Auftrag für Caritas, der Leitsatz der Caritas ist: Not sehen und handeln, das heißt meines Erachtens auf die Nöte der Menschen eingehen. Es gilt, erst einmal zuhören, wie die Menschen ihre Not beschreiben, mit auszuhalten, nicht zu schnell aktiv werden, sondern erst einmal da zu sein. Im Evangelium wird immer wieder Mahl gehalten. Jesus setzt sich mit den Menschen, die am Rande sind, an einen Tisch und hält Mahl. Für mich ist das Mahlhalten immer ein Zeichen für das miteinander teilen. Wie wir Essen miteinander teilen, so teilen wir auch unsere Leben miteinander. Wenn ich verstanden habe, was der andere wirklich braucht, bin ich in der Lage, auch zu handeln. Das ist der Auftrag, den ich für die Kirche, also für Christen, sehe. Es ist immer wieder wichtig, sich mit der Frage zu konfrontieren: Wo lebst du Evangelium? Nicht, wo liest du Evangelium oder wo sprichst du darüber, sondern: Wo leben wir als Kirch

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