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Als Familienpatin spürt man direkt, was man tut

Portät Frau auf FußballplatzIm Sportverein zu Hause: Christa Weiß hat jede Menge Erfahrung als Coach.Cira Moro

Luca ist Lewandowski. „Dann bin ich Neuer im Tor", nimmt Christa die Spieleröffnung an. Dieses Mal akzeptiert der Erstklässler die Rollenverteilung und der Ball fliegt durch die Luft, Luca rennt und ackert. Christa Weiß ist Familienpatin und war Lehrerin für Sport und Deutsch an Grund- und Hauptschulen. Die 62-Jährige aus Dotternhausen hat viele Jahre Erfahrung im ehrenamtlichen Engagement. Neben der Schule war sie 20 Jahre lang Vorsitzende im Sportverein, gründete eine Jazztanzgruppe, und das Kinderturnen machte sie auch. Dann wurde sie krank, und es dauerte fünf Monate bis zur Genesung und Frühpensionierung.

Lieber keine Schwäche zeigen

Für Luca ist sie nicht die Tante oder die Oma, sie ist die Christa. Er und seine beiden Geschwister halten die Mama schwer auf Trab. Der Papa schafft von früh bis spät und hat oft Abendtermine. Nach der Geburt der Jüngsten hat Lucas Mutter gemerkt, dass sie die Familienarbeit samt Kindern nicht mehr einfach schafft und wegsteckt. „Sie hat sich mit großem Einsatz im Dorf integriert und kommt doch von weit her. Eine Oma ist nicht greifbar. Vor den anderen Müttern will man es nicht zeigen, dass es einem schlechtgeht, man will eine starke Frau sein, die alles im Griff hat”, so sieht es Christa Weiß.

In Albstadt koordiniert Anne Tulke die Einsätze der ehrenamtlichen Familienpaten für die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau. Die unterstützen werdende Mütter oder Familien mit Kindern von null bis drei und entlasten durch regelmäßige Besuche mit Spaß und Spiel für die Kinder auch deren gestresste Eltern. Christa Weiß fährt mittwochnachmittags ins Nachbardorf zu Luca und seinen Geschwistern. „Jetzt musst du auch mit mir was machen, mit den anderen hast du schon genug Zeit verbracht", ruft Luca, wenn er von der Schule heimkommt. Dann also hoch ins Zimmer oder noch lieber in den Garten, auf den Spielplatz. „Luca ist ein aufgewecktes Kind, er weiß viel über Autos, Fußball, den Beruf des Vaters. Er rechnet hervorragend. Der geht seinen Weg", schätzt die erfahrene Pädagogin Weiß ihn ein.

Wenn sie ihn nach den „Hausis” fragt, hat er sie schon gemacht. Aber die familiäre Situation hat auch den Sechsjährigen unter Druck gesetzt. „Er will immer recht haben. Muss immer Lewandowski sein, lässt nicht gelten, was ich sage. Er schummelt. Oder wird jähzornig” – wie neulich, als Christa den Torhüter Sven Ulreich spielte: Den gäbe es ja gar nicht, brüllte da der Luca und fing an zu toben. „Aber das wird dann wieder geradegerückt", sagt Christa Weiß, auch Disziplinlosigkeiten sind ihr nichts Neues. „Konsequenz schadet nicht, auch nicht den beiden Kleineren."

Ohne Plan und schön spontan

Der Abschied abends ist schon ein Ritual: Alle vier, Mama und Kinder stehen in der Tür und winken. Und Christa Weiß hupt zweimal kurz. Nach ihrer Pensionierung hat sie nachgedacht. „Man kann ja immer viel machen, Sport treiben, lesen." Sie dachte auch an Tafel oder Kleiderkammer, aber dann kam sie zu Anne Tulke und wurde Familienpatin. Wie geht es ihr dabei? „Ich freue mich auf die Stunden schon vorher. Jedes Mal ist es eine neue Herausforderung. Oft werde ich überrumpelt – wenn sie bei Sonnenschein im Zimmer spielen wollen. Es bringt nichts, wenn man sich einen Plan macht. Was ich sonst nicht sein kann, hier gelingt’s: spontan sein, etwas zulassen. Ich mache Erfahrungen, die ich mit meiner Tochter nicht gemacht habe."

Bald steht wieder ein Dreiergespräch an, Familienpatin, Koordinatorin und Mutter. Anne Tulke schaut dann, wie sich die Begleitung entwickelt. Lucas Familie wird Christa Weiß noch eine Zeit lang brauchen. Was sie dabei an Kompetenz noch nicht mitbringt, wird ihr bei Monatstreffen der Familienpaten durch Schulungen und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch weitergegeben. Ihr Fazit als Familienpatin: „Da spürt man direkt, was man tut."

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