Ein Zuhause schenken
Wenn Elisabeth Fortas morgens ins St. Michaelshaus in Minden kommt, bringt sie Zeit und Aufmerksamkeit. Sie möchte den Bewohnerinnen und Bewohnern Geborgenheit vermitteln - ein Gefühl von Zuhause. Die 44-Jährige ist nicht nur als Betreuungskraft und im sozialen Dienst des Altenheims tätig. Seit 2023 arbeitet sie zudem als seelsorgliche Begleiterin im St. Michaelshaus der katholischen Domgemeinde.
Elisabeth Fortas engagiert sich als seelsorgliche Begleiterin im Altenheim St. Michaelshaus in Minden. (Foto: Markus Jonas)
"Für mich ist es wichtig, für die Menschen hier da zu sein, weil es für viele ja der letzte Hafen ist", erklärt sie. "Ihnen beizustehen in ihren Anliegen und auch auf ihrer letzten Reise bei ihnen zu sein, das ist mein Wunsch." Im Winter 2023 schloss sie eine Qualifikation zur seelsorglichen Begleitung beim Caritasverband für das Erzbistum Paderborn ab. Die Weiterbildung hat ihr auch persönlich viel gebracht. "Durch die Ausbildung habe ich erst mal mich selbst besser kennengelernt", erzählt sie. "Das ist ganz wichtig, um etwas weitergeben zu können oder auch vieles aushalten zu können. Man muss mit sich selbst im Reinen sein, um Tränen, Kummer und Leid anderer wirklich mittragen zu können."
Ihre Doppelrolle im sozialen Dienst und in der Seelsorge macht es möglich, nah dran zu sein an den Lebensgeschichten der 70 Bewohnerinnen und Bewohner. Sie kennt ihre Sorgen, Erinnerungen, Schmerzpunkte. "Wenn jemand trauert, einen Todestag hat oder einsam ist, merke ich das sofort", sagt sie. Dann reicht manchmal ein Strauß Flieder, der alte Erinnerungen wachruft, oder ein Anruf bei den entfremdeten Kindern eines Bewohners - Elisabeth Fortas möchte Brücken bauen, wo Mauern gewachsen sind. Gerade in Zeiten der Demenz kann es leicht zu Verletzungen oder Missverständnissen bei Angehörigen kommen. "Das belastet dann die Beziehungen, wenn die Angehörigen damit nicht umgehen können", sagt Elisabeth Fortas. Sie versucht dann zu vermitteln und Verständnis für die Krankheit und den Erkrankten zu wecken.
Besonders wichtig ist ihr die Sterbebegleitung. Wenn ein Mensch im Haus stirbt, will sie da sein. Die letzte Hand halten. "Niemand soll allein sterben müssen", sagt sie. Und wenn Bewohner etwa in der letzten Phase ins Krankenhaus müssen, versucht sie, diese auch dort zu besuchen. "Die erkennen mich dann, auch die demenziell Veränderten. Gerade die brauchen das ja. Die sind sonst verloren im Krankenhaus", sagt Elisabeth Fortas. Auch geistliche Bedürfnisse der Bewohner nimmt sie in den Blick. Katholische Bewohner begleitet sie, wenn gewünscht, bis zur Krankensalbung, bei evangelischen sorgt sie für den Kontakt zum Pastor - "das klappt zum Glück immer gut", sagt sie.
Ihre Arbeit ist geprägt von ihrem christlichen Glauben. Wenn sie die Krankenkommunion in die Zimmer zu den Bewohnern bringt, die nicht mehr in die Altenheim-Kapelle gehen können, oder wenn sie auch mal einen Wortgottesdienst leitet, tue sie dies mit "sehr, sehr großer Ehrfurcht", wie sie betont. Und sie hört zu. Wenn alte Ängste auftauchen, versucht sie zu helfen und die innere Last zu nehmen. "Ich bin glücklich. Und ich bin dankbar, dass ich diese Arbeit machen darf", sagt sie bewegt und schluckt. Die Bewohner nennen sie die "Seele des Hauses". Wer ihr begegnet, versteht schnell, warum.