Angst und Unsicherheit im Libanon
Schwester Annie Demerjian und ihr Team sind in Beirut unterwegs, um Menschen in Not beizustehen.(Foto: Markus Jonas)
Die Unsicherheit ist allgegenwärtig. Obwohl der Waffenstillstand im Libanon verlängert wurde, bleibt die Lage für viele Menschen unberechenbar. "Nichts ist klar. Totale Verwirrung", beschreibt Hilfskoordinatorin Rima Abi Karam die Situation in Beirut.
Der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn reagiert darauf mit weiterer Unterstützung: 20.000 Euro aus Spenden wurden im April an die Ordensgemeinschaft "Sisters of Jesus and Mary" überwiesen. Bereits kurz nach Ausbruch der Kämpfe hatte die Caritas im März 25.000 Euro bereitgestellt - diese Mittel waren innerhalb weniger Wochen vollständig aufgebraucht. "Wir reagieren damit auf die großen humanitären Nöte, von denen unsere Partner im Libanon berichten", sagt Nadine Mersch, die für die Auslandshilfe beim Diözesan-Caritasverband zuständig ist. Schon seit zehn Jahren werden die von Schwester Annie Demerjian geführten Hilfeteams in Syrien und im Libanon unterstützt. "Die Hilfe der Sisters of Jesus and Mary im Libanon ist unverzichtbar", sagt der Ratsvorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn, Dr. Thomas Witt. Er hatte bereits 2016 im Rahmen seiner damaligen Aufgabe als Flüchtlingsbeauftragter den Kontakt zu Schwester Annie und ihren Teams hergestellt - und war beim jüngsten Kriegsausbruch mit einem Caritas-Mitarbeiter vor Ort. Am 1. März mussten sie Beirut überstürzt verlassen, einen Tag, bevor die ersten Bomben auch Beirut erreichten.
Vor Ort leisten die Schwestern seit Beginn der Eskalation unmittelbare Hilfe. Sie versorgen Geflüchtete mit dem Nötigsten: Lebensmittel, Hygieneartikel, Matratzen oder Decken. Auch an Kinder wird gedacht - mit Malbüchern und Beschäftigungsmaterial. Rund 1.400 Menschen konnten so bislang versorgt werden. "Wir gehen zu den Menschen - auf die Straße, in die Unterkünfte, überall dorthin, wo sie sind", sagt Rima Abi Karam.
Die Not ist groß. Viele Familien sind aus dem Süden des Landes geflohen und leben nun beengt bei Verwandten oder in provisorischen Unterkünften - in Schulen, Kirchen oder Zelten. Besonders betroffen sind christliche Gemeinden nahe der Grenze zu Israel. Rückkehr in die Heimat bleibt für viele kaum möglich: zerstörte Infrastruktur und unsichere Sicherheitslagen verhindern eine dauerhafte Heimkehr.
Wie dramatisch die Situation ist, zeigt die Geschichte von Charbel Doro. Der 56-Jährige floh mit seiner Familie aus der Küstenstadt Tyros. Für neun Menschen trägt er die Verantwortung - darunter Enkelkinder und eine hochbetagte Schwiegermutter. "Man nimmt nur das mit, was man tragen kann", berichtet er. Als er später zurückkehrte, war sein Haus zerstört. "Da war nichts mehr, nur noch ein Trümmerhaufen."
Für die Caritas im Erzbistum Paderborn ist die Hilfe dort daher ureigenster Auftrag. "Wir tun alles, um den Schwestern und ihrem Team auch weiterhin zur Seite stehen zu können", betont Thomas Witt.
Doch die Lage bleibt fragil. Über Beirut kreisen wieder Drohnen, berichtet Rima Abi Karam. Jederzeit kann die Gewalt erneut eskalieren. Befürchtet wird auch ein Bürgerkrieg, wenn die libanesische Regierung gegen die schiitische Hisboallah vorgeht. Für die Menschen vor Ort bedeutet das vor allem: ein Leben in ständiger Unsicherheit - und die Hoffnung, dass Hilfe weiter ankommt.
Info
Der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn bittet um Spenden für die Nothilfe: Konto: DE48 3706 0193 1050 0000 08 bei der Pax-Bank für Kirche und Caritas. Stichwort: Naher Osten