Über Umwege zum Ziel
Henri Schlang ist glücklich über seinen Weg ins Berufsleben. (Foto: Rebecca Borgmeier)
Hagen. Der Bildschirm flimmert, Zahlen und Codezeilen füllen den Monitor. Für Henri Schlang ist dieser Arbeitsplatz heute Alltag. Ein fester Job, ein eingespieltes Team, klare Aufgaben. Dass er einmal hier landen würde, war lange nicht absehbar. Nach dem Schulabschluss im Jahr 2017 stand der damals junge Mann zunächst vor einer Entscheidung, die sich im Nachhinein als Umweg herausstellen sollte.
Henri begann eine Ausbildung in der Industrie - ein vermeintlich sicherer Weg. Doch schon nach kurzer Zeit wurde ihm klar, dass dieser Beruf nicht zu ihm passte. "Ich habe gemerkt, dass ich mich dort nicht wiederfinde", sagt er. Der Abbruch der Ausbildung brachte Unsicherheit mit sich.
Eine erste neue Perspektive eröffnete sich über die Agentur für Arbeit. Henri entschied sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Caritas Hagen und arbeitete in der St.-Laurentius-Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Dieses Jahr wurde für ihn zu einer wichtigen Orientierungsphase. Er nutzte die Zeit, um den schulischen Teil seines Fachabiturs nachzuholen und herauszufinden, wo seine Interessen und Stärken wirklich liegen. Vor allem aber erlebte er erstmals, wie wertvoll Unterstützung und Vertrauen sein können.
Im Anschluss daran nahm Henri an einer berufsvorbereitenden Maßnahme beim Caritasverband Hagen teil: "Hier wurde mein Weg weiter konkretisiert. Im Rahmen eines längeren Praktikums in der EDV-Abteilung bei der Caritas konnte ich praktisch überzeugen." Und das nicht allein durch fachliches Interesse, sondern durch Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Engagement. Eigenschaften, die im Alltag oft mehr zählen als gute Zeugnisnoten.
Es folgte die Ausbildung zum Fachinformatiker beim Caritasverband Hagen. Durch gezielte Begleitung, fachliche Unterstützung und die enge Zusammenarbeit mit Ausbildern und dem Team der beruflichen Eingliederung entwickelte sich Henri kontinuierlich weiter. Seine Leistungen waren so überzeugend, dass er die Ausbildung verkürzen konnte. Heute hat er sein Ziel erreicht: "Ich bin fest im Berufsleben angekommen und stolz auf meinen Arbeitsvertrag bei der Caritas."
Gleichzeitig ist es ihm ein Anliegen, seine Geschichte zu erzählen. Er möchte zeigen, dass ein geradliniger Lebenslauf keine Voraussetzung für Erfolg ist. "Man kann es auch schaffen, wenn die Noten nicht perfekt sind - wichtig ist die richtige Unterstützung und jemand, der an einen glaubt." Davon ist auch sein Ausbilder Stefan Hoffmann überzeugt. Nicht nur gute fachliche Leistungen seien wichtig, sagt er: "Es muss auch von den sozialen Kompetenzen passen." Motivation, Verlässlichkeit und Teamfähigkeit seien entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Ausbildung - Eigenschaften, die Henri von Beginn an mitgebracht habe.
In der Behindertenhilfe wie auch in der beruflichen Eingliederung sei der Ansatz: genau hinsehen, Potenziale erkennen und Wege eröffnen, die wirklich passen. Henris Weg zeigt, wie wichtig diese Haltung ist - und dass sich Türen öffnen, wenn man bereit ist, Chancen zu schaffen.