Sozialcourage

Erzbistum Paderborn

Balsam für die Seele

Unterstützen Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe (hinten von links): Anne Bartholome, Helga Gotthard, Elisabeth Völse sowie (vorn von links) Norbert Haack und Dorothee Schulte.Unterstützen Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe (hinten von links): Anne Bartholome, Helga Gotthard, Elisabeth Völse sowie (vorn von links) Norbert Haack und Dorothee Schulte.(Foto: Markus Jonas)

"Was die Ehrenamtlichen geleistet haben, ist enorm." Wolfgang Koch ist beeindruckt, was Engagierte der Caritas-Konferenzen angesichts der vielen Flüchtlinge auf sich genommen haben. "In kurzer Zeit haben sie auf viele Anforderungen reagiert." Inzwischen haben alle Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf. Die Grundbedürfnisse sind erfüllt. Doch die Anforderungen an die Helfer sind eher noch gewachsen: eine Wohnung suchen, Arbeit besorgen, Integration leisten. Viele Helfer fühlen sich überfordert. "Manche werfen auch das Handtuch." Als Coach hilft Wolfgang Koch, dass Ehrenamtliche sich nicht über Gebühr engagieren. "Manchmal muss man Nein sagen können."

Seit fast drei Jahren laufen die Supervisions-Kurse für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe. Mit Erfolg. "Es ist ein wichtiges Angebot unseres Verbandes", erklärt Helga Gotthard, Vorsitzende der Caritas-Konferenzen (CKD) im Erzbistum Paderborn, die die vom Flüchtlingsfonds des Erzbistums finanzierten Kurse organisieren. Man wolle deutlich machen, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen wahrgenommen und wertgeschätzt werde. Denn: "Ehrenamtliche nehmen oftmals mit viel Herzblut Anteil am Leben der Menschen", hat Elisabeth Völse von der Geschäftsstelle der CKDs im Erzbistum beobachtet. Viele Flüchtlinge hätten ergreifende Schicksale und traumatische Erfahrungen hinter sich. Ihre Berichte seien oft schwer auszuhalten. Ebenso, wenn persönliche Beziehungen aufgrund von Abschiebungen "bei Nacht und Nebel" plötzlich abbrechen. In den Coaching-Kursen kann darüber gesprochen und das Gehörte und Erlebte verarbeitet werden. 

Wie aufreibend die Hilfe für Flüchtlinge sein kann, hat Norbert Haack, Leiter der CKD-Region Iserlohn, auch erlebt. Mit einer Projektgruppe hat er acht Eritreer begleitet, die zunächst in einem Pfarrhaus lebten. Als immer mehr von ihnen als Flüchtlinge anerkannt wurden und in Wohnungen umzogen, zeigten sich "massive Alltagsprobleme". Diese entzündeten sich an scheinbaren Banalitäten, etwa der Frage, wie sauber das Treppenhaus sein muss und wer es putzt. "Und bei allen Problemen waren wir Ansprechpartner", erklärt Norbert Haack. "Irgendwann war klar: Das wächst uns wohl über den Kopf." Dankbar nahm Norbert Haack deshalb das Coaching-Angebot für seine Region an. "Der Austauschbedarf war sehr groß", sagt auch Dorothee Schulte, CKD-Regionalleiterin Rüthen. Auch und gerade über Enttäuschungen oder gar Anfeindungen von Menschen, die die Hilfe für Flüchtlinge ablehnen. Oder auch über Behörden, die das Engagement gern annehmen, solange es ihnen Arbeit abnimmt. "Die aber Abstand nehmen, wenn der Finger in die Wunde gelegt wird", kritisiert Dorothee Schulte. "Da fühlt man sich manchmal von Behörden wie mit Füßen getreten."

Besonders gut getan habe bei den Coaching-Treffen die Offenheit untereinander, berichtet Anne Bartholome, CKD-Leiterin der Region Bigge-Medebach, von einem Kurs in Brilon. Die Teilnehmer hätten neue Perspektiven für ihre Arbeit entwickelt und gelernt, Grenzen zu ziehen. Wie "Balsam für die Seele" seien die Treffen gewesen, schwärmt Dorothee Schulte. Und schlägt vor, das Coaching mittelfristig auch für andere Ehrenamtsbereiche zu öffnen. Schließlich sei auch das Engagement in einer Kleiderkammer "kein Zuckerschlecken".

 

 

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