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Junge Leute kämpfen um eine Ausbildung

Junger Mann mit Foto in der HandLukas, 20, macht eine Ausbildung zum Verkäufer. Seine Stärke ist die Beratung, und er möchte später zu Apple: „Gern mal in die USA, ich möchte gerne mal auswandern.“ Nina Flauaus

Die wunderbare Verwandlung vom schüchternen Trommler zu einem vielgefragten Computerexperten. Apple-Fan war Lukas Dehne (Name von der Redaktion geändert) schon immer und sein Wunsch ist es, in einem Apple-Store Kunden zu beraten. Der Weg dahin ist nicht einfach, aber der passionierte Hobbyschlagzeuger ist so zuversichtlich, dass er an seinem freien Tag nach Frankfurt fährt, nur um ein wenig Appleluft zu schnuppern im riesigen Store in der Mainmetropole.

Noch vor drei Jahren traute er sich im Gespräch kaum zu antworten, war ausgesprochen schüchtern und zurückgezogen. Nur hinter seinem Schlagzeug, da blühte er auf. Seine sonst introvertierte Art hat er nunmehr gänzlich abgelegt. Jetzt erzählt er offen und freudig über seine Förderband-Laufbahn: "Meinen Hauptschulabschluss habe ich gleich zweimal gemacht; einmal auf der Förderschule und dann noch mal auf der Freudenbergschule in Weinheim", erinnert er sich an diese chaotische Zeit. Dann stand die Wahl an zwischen Job und Förderband.

Er entschied sich für das Zweite. Hier wird Berufsvorbereitung für junge Menschen angeboten, die sich im schulischen Bereich schwertun. Dazu gehören Unterrichtsstunden in Mathe und Deutsch und immer wieder über Praktika ins Berufsleben zu schnuppern. "So habe ich auch ein Praktikum bei Gravis, der Applevertretung in Mannheim, gemacht", erzählt er und lächelt stolz. Nach einem Jahr beim Förderband war klar: Er wird zunächst eine Ausbildung zum Verkäufer machen.

Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit stehen auch auf dem Programm

Das Förderband ist eine Einrichtung der Jugendberufshilfe im Bund der katholischen Jugend (BDKJ) mit jahrzehntelanger Erfahrung. "Wir bieten hier die Ausbildung im Modell 2 + 1 an, damit die jungen Menschen ein zusätzliches Jahr zum Lernen des schulischen Stoffs haben", erklärt Förderband-Leiterin Barbara Stanger. Außerdem pflegt das Förderband einen intensiven Kontakt zu vielen Betrieben in der Region: "Wir gehen in die Unternehmen und suchen gemeinsam die beste Lösung für alle Beteiligten." Das ist nicht immer einfach, denn viele Jugendliche müssen Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen erst mühsam erlernen. Bei Lukas gab es in dieser Hinsicht wenig Bedarf, er ist fleißig und zielstrebig - er hat eine Idee, und die möchte er verwirklichen. 2013 begann er seine Ausbildung im Sozialkaufhaus "Markthaus", und er wird diesen Sommer fertig sein.

Junge Frau mit Foto eines KreuzfahrtschiffesDana, 17, wird ausgebildet zur Fachpraktikerin Küche. Sie will auf einem Dampfer auch Exotisches kochen. Fernziel: Sterneköchin.Nina Flauaus

"Im Moment büffle ich viel für die Schule, die Zwischenprüfung war nicht so toll", erinnert er sich ungern an die Matheprüfung, bei der er einen Blackout hatte. Doch auch da hat das Förderband eine Hilfe parat. "Wir bieten eigens Seminare gegen Prüfungsangst an", so Barbara Stanger, denn dieses Problem haben viele der Schülerinnen und Schüler.

Neben seiner Beschäftigung im Betrieb und in der Berufsschule kommt Lukas zweimal die Woche zum Förderband und schließt dort seine Wissenslücken. Hier lernt er in kleinen Gruppen (sechs bis sieben Personen) und hat so auch Freundschaften geschlossen. "Wir helfen uns gegenseitig", sagt der Zwanzigjährige, der keine Motivationsprobleme kennt. "Bis jetzt habe ich noch keinen Tiefpunkt gehabt", betont er. Damit stellt er eine seltene Ausnahme dar.

Ehrenamtliche fördern mit

Ehrenamtliche wirken ergänzend, wo das Regelangebot des Förderbands nicht oder noch nicht greift. Sie setzen sich da ein, wo sie ihre Kompetenzen sehen. So engagiert sich derzeit zum Beispiel ein Ehrenamtlicher im Bereich Qualifizierung in Arbeit für eine Gruppe von Mitarbeitern oder eine Seniorin unterrichtet Bäcker-Azubis im ersten Lehrjahr, die aus ihrer Heimat geflohen sind und dringend besser Deutsch lernen müssen.

Außerdem gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis "Senioren helfen Junioren". Die Senioren üben mit der Gruppe junger Mütter und anderen Schülern in der schulischen Berufsvorbereitung Vorstellungsgespräche.

"Nah an den jungen Menschen" ist das Motto

Das Förderband- Team hat immer einen Plan B parat. Es unterstützt, wenn es bei den jungen Menschen nicht mehr vorwärtsgeht, aber auch präventiv, damit es gar nicht erst dazu kommt. Mit engmaschiger Begleitung ist oft geholfen, wenn die Lage aussichtslos scheint, die Motivation fehlt, die Ziele unerreichbar werden. Für jedes Problem, für Schulverweigerer, Schulabbrecher, Schwierigkeiten im Ausbildungsbetrieb, gibt es eine Lösung.

Rundum-Paket Förderband:

  • Die Angebote dienen der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung von Schülern an Förderschulen und in der schulischen Berufsvorbereitung in Mannheim mit jährlich etwa 600 Jugendlichen.
  • Jugendliche werden zur Erleichterung der gesellschaftlichen Integration zudem individuell unterstützt und in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit in Ausbildung vermittelt und während ihrer Lehrzeit bis zum  Abschluss begleitet.
  • Des Weiteren gehören schulnahe Dienstleistungen wie Streitschlichterausbildung in Förderschulen, die Förderband-Privatschule, schulische Berufsvorbereitung, Ausbildungsbegleitung und Reha-Ausbildung zum Angebot.
  • Das Förderband kooperiert mit etwa 200 Betrieben und den zuständigen Kammern für Handwerk und Gewerbe, um die Jugendlichen auf Entwicklungen, Trends in der Wirtschaft und neue Anforderungen, insbesondere in der betrieblichen Ausbildung, gut vorzubereiten.
  • Dazu kommen Angebote wie Teilzeitausbildung für junge Mütter und die Vermittlung von Berufseinsteigern. 

Unsere Fotomodelle sind übrigens alle derzeit Teilnehmer in Maßnahmen des Förderbandes: Sie waren gern bereit, sich porträtieren zu lassen – mit einem selbst gemachten Bild des eigenen Berufstraums. 

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