„Wissen ist Macht – Nichtwissen macht auch nichts“?!
KI generiert / PMGi
In einer Welt voller Krisen und globaler Verflechtungen können wir uns auf Nichtwissen" kaum noch berufen. Wir sind herausgefordert, zu verstehen, einzuordnen und mitzudenken. Zugleich boomt Wissen: Quizshows, Faktenformate und jederzeit abrufbare Informationen prägen den Alltag. Wissen scheint allgegenwärtig – und messbar. In diesem Umfeld wirkt "Glauben heißt nicht wissen" wie Abwertung. Glaube erscheint als Defizit, als bloßes Nichtwissen.
Eigentlich paradox. Glaube und Wissen waren historisch eng miteinander verbunden: Die Kirche war über Jahrhunderte ein zentraler Ort von Bildung – mit Klöstern, Schulen und den ersten Universitäten. Auch der Begriff "Bildung" wurzelt in der "Bebilderung": Kirchen machten mit Fresken, Malereien und Statuen biblische Geschichten sichtbar und vermittelten religiöses Wissen anschaulich.
Religiös und gut gebildet Studien zeigen, dass religiöse Menschen häufig gut gebildet sind. Wissen und Glauben schließen einander also keineswegs aus. Doch wir stehen heute vor einem neuen Umbruch: Künstliche Intelligenz verändert den Umgang mit Wissen grundlegend. Sie sammelt, ordnet und generiert Informationen in einem Ausmaß, das menschliche Fähigkeiten übersteigt. Wissen wird in Sekunden verfügbar und oft als eindeutig dargestellt. Universalgelehrte wie im Mittelalter sind endgültig Vergangenheit. Was bleibt dann von menschlichem Wissen und guter Bildung?
Vielleicht das, was sich nicht objektiv "wissen" lässt: ethische Urteilskraft, soziale Verantwortung und sinngebende Deutung. Hier können Bildung, Glaube und Wissen eine Allianz eingehen.
Die christliche Tradition spricht hier von "Herzensbildung". Sie zielt auf verantwortungsvollen Umgang mit "Wissen ist Macht – Nichtwissen macht auch nichts"?! Der Zusatz "Nichtwissen macht auch nichts!" wirkt zunächst entlastend und sogar humorvoll. Doch er ist zweischneidig, denn Nichtwissen bleibt nicht folgenlos – es hat Konsequenzen.
Wissen, Macht und Nichtwissen. Haltung und Aufmerksamkeit, Mitgefühl und ethisches Handeln, Gewissheit und Zweifel gehören zu ihren Lerninhalten. Ebenso das Offenhalten der Fragen nach Woher, Wohin, Warum und Wozu. Es geht nicht zuerst um Information, sondern um Sensibilität und ein "waches Herz".
Glaube ersetzt Wissen nicht, sondern ergänzt es, wo es an Grenzen stößt. Nichtwissen ist weder folgenlos noch bloßes Defizit. Es kann Raum schaffen– für Vertrauen, Hoffnung, Sinn und die Zuversicht, dass unser Leben und die Welt nicht ins Leere laufen. Bildung bedeutet mehr als Faktenwissen: Sie umfasst das Wissen, dass jeder Mensch einen unveräußerlichen Wert besitzt – unabhängig von Leistung, Status oder Urteil anderer. Der Mensch als "Ab-Bild(ung)" Gottes!
In diesem Sinne behält der eingangs zitierte Spruch seine Bedeutung: Dieses Wissen ist Macht. Und das Nichtwissen macht nicht nichts – es hat Konsequenzen, denn es eröffnet neue Horizonte.