Ein Tisch, viele Gespräche
Mehr als 800 Menschen kamen bei der Tafel der Solidarität der Caritas Hamm zusammen. An den langen Tischreihen auf dem Marktplatz entstanden Gespräche zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenssituationen. (Foto: Caritas Hamm)
Auf dem Marktplatz vor der Pauluskirche entstand am 29. Mai ein Bild des Miteinanders: gedeckte Tische, offene Gespräche und mehr als 800 Menschen, die zur Tafel der Solidarität der Caritas Hamm kamen. Zwölf Jahre nach der Premiere 2014 fand die Veranstaltung bereits zum vierten Mal statt.
Schon kurz nach Beginn blieben Menschen stehen und kamen ins Gespräch. Zwischen Tischen, Essen und spontanen Begegnungen entstand viel Austausch. "Man merkt sehr schnell, dass hier etwas anders ist als im Alltag auf diesem Platz", sagt Elmar Marx, Vorstand der Caritas Hamm. "Menschen setzen sich nebeneinander, die sich sonst nie begegnen würden - und plötzlich wird aus einem Platz ein Gespräch."
2014 hatte die Caritas Hamm das Format erstmals ins Leben gerufen. "Die Idee war damals, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, die sonst oft nebeneinanderher leben", sagt Elmar Marx. "Dass das zwölf Jahre später immer noch funktioniert, hat man an diesem Nachmittag deutlich gespürt."
Neben offenen Begegnungen von Familien, Nachbarschaften, Engagierten gab es moderierte Gesprächsrunden mit externen Gästen aus Stadtgesellschaft, Ordnung und sozialem Umfeld sowie Fachkräften der Caritas Hamm. Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Erfahrungen mit der Situation in der Innenstadt und die Frage, wie diese Wahrnehmungen zusammengeführt werden können. Im Zentrum der Gespräche stand die Frage, wie mit Armut und Obdachlosigkeit in der Innenstadt umgegangen wird. "Wohnungslosigkeit entsteht selten plötzlich", sagt Kristina Köhler, Leitung Wohnungsnotfallhilfe bei der Caritas Hamm. "Sie entwickelt sich über längere Zeit - und wird dann im öffentlichen Raum sichtbar. Genau dort treffen sehr unterschiedliche Lebenslagen unmittelbar aufeinander."
Die stärkste Wirkung des Tages entstand aber doch abseits der Bühne. Beim gemeinsamen Essen entwickelten sich Gespräche ohne Moderation und Vorgaben. Menschen blieben sitzen, hörten zu, erzählten weiter und widersprachen auch. Unterschiedliche Sichtweisen blieben bestehen, kamen aber in direkten Kontakt. "Was hier passiert ist, lässt sich nicht planen", sagt Elmar Marx. "Aber man spürt schnell, dass es etwas verändert - weil Menschen anfangen, wieder miteinander zu reden, wo sonst oft nur nebeneinander gesprochen wird."
Die Caritas Hamm versteht die Tafel der Solidarität als Teil eines Prozesses: gesellschaftliche Themen sichtbar machen, Dialog ermöglichen und Räume für Begegnung schaffen. Die Veranstaltung wurde zugunsten der Initiative "Zeichen der Solidarität" durchgeführt und unterstützt soziale Projekte sowie Menschen in schwierigen Lebenslagen in Hamm. Am Ende blieb ein aufgeräumter Marktplatz zurück - und bei vielen Beteiligten der Eindruck, dass dieser Ort für einige Stunden eine andere Bedeutung bekommen hatte.