Der Bischof und das tägliche Brot
Der Besuch des Erzbischofs in der Stadtteilküche Sieker startete mit echtem Handwerk: beim Brotbacken.(Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn)
Der Lehmofen ist mehrere hundert Grad heiß. Mit geübten Handgriffen formt Sabiha Ölge den Teig, presst den Fladen an die Lahmwand des Tandoor-Ofens. Ein kurzer Moment, dann löst sich das Brot, aufgegangen, duftend. Daneben steht ein Mann, der diesen Handgriff nicht jeden Tag übt: Udo Markus Bentz, Erzbischof von Paderborn, krempelt die Ärmel hoch und macht mit.
Erzbischof Bentz ist gemeinsam mit Diözesan-Caritasdirektor Ralf Nolte in die Stadtteilküche Sieker in Bielefeld gekommen, um die Caritas-Armutsaktion "Brot teilen, Sorgen teilen - Sozialberatung gibt Hoffnung" zu unterstützen. Die Küche, betrieben vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), ist mehr als ein Ort für Mahlzeiten. Sie ist Treffpunkt, Beratungsstelle, Anker im Quartier. Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Generationen kommen hier zusammen - viele von ihnen mit Sorgen, manche mit leeren Taschen, fast alle mit Gesprächsbedarf.
"Verschiedene Kulturen und Generationen kommen hier zusammen und finden ein Stück gemeinsame Heimat", sagt der Erzbischof später. Und genau das ist an diesem Tag spürbar. Beim gemeinsamen Essen der Brotfladen und heißer Suppe setzen sich Bentz und Nolte zu den Menschen, hören zu, fragen nach. Lange Reden gibt es nicht. Stattdessen Gespräche über das Leben, über knappe Budgets, über Wege durch den Behördendschungel.
Rund um den Backofen arbeiten Stadtteilmütter aus dem Viertel, Frauen, die vermitteln, übersetzen, Vertrauen schaffen. "Sie sind ganz wichtige Ansprechpartner für die Menschen hier, weil sie ihre Sprache sprechen und das kulturelle Verständnis haben", betont Barbara Erdmeier, Vorsitzende des SkF-Vorstands. Die Stadtteilküche sei bewusst niedrigschwellig angelegt: Sozialberatung, Schuldnerberatung, Schwangerschaftsberatung - alles unter einem Dach, unkompliziert erreichbar.
Mit dem Aktionstag wolle man die Bedeutung der sozialen Angebote betonen, sagt Birgit Pachur vom Caritasverband für das Erzbistum Paderborn. Und man wolle darauf hinweisen, dass die Beratungsangebote unterfinanziert sind, betont Barbara Erdmeier. Denn die Allgemeine Sozialberatung ist gefragt wie nie - und zugleich finanziell unter Druck. Beim Austausch mit Verantwortlichen aus Kirche, Politik und Verwaltung wird deutlich: Wer früh berät, verhindert oft größere soziale Krisen.
Am Ende des Tages überreicht der Erzbischof mehr als 100 "Glücklich/t"-Taschen, gefüllt mit Lebensmitteln. Dankbar werden sie angenommen. "Unsere Mitmachaktion ‚Glüchlich/t sein‘ steht für das, was auch der heilige Martin getan hat: ohne viele Worte handeln und eine große Wirkung erzielen", sagt Erzbischof Bentz.