Sozialcourage

Flüchtlinge in Ausbildung

„Der Kai, der ist mein Freund“

Krankenpfleger mit alter Frau im RollstuhlMarion Müller-Ranetsberger

Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern ist er sehr beliebt. "Er ist äußerst fleißig und vor allem muss man ihm nicht viel sagen. Er sieht sofort, was getan werden muss, und packt an", sagt Anca Trattnig, Wohnbereichsleitung im Caritas-Altenheim Marienstift in Dachau bei München. Gemeint ist Kai Bah, Flüchtling aus Sierra Leone, der dort seit einem halben Jahr als Praktikant im täglichen Einsatz ist. Der junge Mann mit den großen braunen Augen reagiert zurückhaltend auf die freundlichen Komplimente. "Als mein Vater sehr krank war, habe ich gemerkt, dass ich älteren Menschen sehr gerne helfe", sagt er bescheiden.

Ein neues Leben beginnen

Seit zwei Jahren besucht Kai Bah an der Berufsschule Dachau einen Integrationskurs. An diesem Freitagvormittag wartet eine gute Nachricht auf ihn: Er hat die B 1-Sprachprüfung bestanden und kann demnächst eine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger und damit ein neues Leben beginnen. Der 22-Jährige wohnt in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im Landkreis. Die Lebensumstände dort sind für ihn nicht ganz einfach. "Die Container sind sehr schlecht isoliert, und ich habe immer Probleme mit meinen Nachbarn, weil sie laut sind und die ganze Nacht fernsehschauen, während ich arbeiten muss und Ruhe brauche", erzählt der junge Mann. Ein Lichtblick: Sobald er die Ausbildung beginnt, kann er im Marienstift ein Zimmer beziehen, "zumindest bis er Fuß gefasst hat", erklärt Trattnig.

Er sei eine große Hilfe und zeige viel Einfühlungsvermögen. "Pünktlich um acht Uhr morgens kommt er, geht mit den Bewohnern im Garten spazieren, spielt mit ihnen Karten, oder sie malen gemeinsam." Man merke stets, wenn ihn etwas bedrücke und die Kolleginnen und Kollegen seien gerne seine Ansprechpartner. Der junge Asylbewerber ist vor drei Jahren alleine nach Deutschland gekommen. Über seine Fluchtgründe dürfe er leider nichts erzählen. Das habe ihm sein Anwalt geraten. Alle sechs Monate muss er beim Landratsamt vorsprechen. "Erst, wenn ich in Ausbildung bin, darf ich bleiben", erklärt der 22-Jährige. Er fühlt sich sehr wohl in München. Nur die Ungewissheit war bisher zermürbend und seine Unterbringung belastet ihn.

Auf den Bolzplatz zum Fußballspielen

Der Flüchtling aus Westafrika ist ein großer Fußballfan und spielt selbst jeden Mittwoch auf einem großen Bolzplatz bei Dachau in einem multikulturellen Team. Doch ansonsten ist er ziemlich einsam in München, ohne Familie und ohne Freundin. "Ich vermisse meine Mutter und meine Heimat schon sehr." Was er sich für seine Zukunft wünscht? "Ausbildung, Arbeit und eine Familie. Alles ganz einfach und ganz bodenständig", sagt Bah und schiebt Anna Linzmaier, die seit elf Jahren im Marienstift lebt, in den Speisesaal. Mit einem breiten und zufriedenen Lächeln im Gesicht sagt die 82-jährige Dame: "Ich habe hier nette Leute um mich rum, was will ich mehr. Und der Kai, der ist mein Freund."

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