Vorsicht bei Digitalisierungsschub
Einhellig bestätigen Umfragen und politische Kommentare, dass Corona einen ungeahnten Digitalisierungsschub ausgelöst und digitalen Handlungsbedarf nachdrücklich sichtbar gemacht hat. Mehr Laptops für Schüler aus benachteiligten Familien, mehr Online-Beratung für Rat- und Hilfesuchende: Auch im Corona-Alltag der Caritas spielen Fragen digitaler Beschleunigung eine signifikante Rolle. #sozialbrauchtdigital gilt 2020 mehr denn je. Und doch gilt auch das Gegenteil: Gerade weil sich digitale Nutzungen intensivieren, bleibt Vorsicht geboten. Nicht Künstliche Intelligenz hat uns in der Abwehr der Infektion geholfen, sondern tätiges Handeln von Menschen. Solidarität, nicht digitale Wunder. Die Corona-Warn-App kann über Infektionswahrscheinlichkeiten vielleicht beschleunigt informieren, mehr aber auch nicht. Dabei bergen in der Pandemie eingeführte digitale Überwachungsinstrumente die Gefahr, nach der Krise zu bleiben. Die überstürzte Einführung technologischer Lösungen für komplexe soziale Probleme kann digitale Kontrolle ohne Not veralltäglichen - auch ohne das Problem gelöst zu haben. Über Chancen und Grenzen digitaler Instrumente muss offen und breit diskutiert werden. Einem überfälligen Digitalisierungsschub dürfen Grundrechte und Demokratie keinesfalls zum Opfer fallen.