Schwerpunkt

Energiearmut

Zu wenig Geld für Strom

Diese Zahlen ergeben sich aus der Studie zum Stromkonsum, die der Deutsche Caritasverband, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Stromspar-Check PLUS im Jahr 2015 erstellt haben:

Infografik: Hartz-IV-Empfänger von Energiearmut bedrohtBerechnungen des Deutschen Caritasverbandes zeigen, dass der Regelbedarf für Strom im Arbeitslosengeld II um 20 Prozent erhöht werden muss, damit die tatsächlichen Stromkosten abgedeckt sind. Klicken Sie auf die Grafik, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Abhängig von der Größe eines Haushalts fehlen monatlich fünf bis elf Euro im Budget für Strom, die nicht durch den Regelbedarf abgedeckt sind. Noch stärker zeigt sich die finanzielle Lücke bei Haushalten, die ihr warmes Wasser mit einem Boiler erzeugen. Hier fehlen im Schnitt zusätzlich neun bis 19 Euro monatlich gegenüber den zugrunde gelegten Pauschalen für Warmwasser.

"Es kann nicht sein, dass Alleinstehende und  Familien, die von Arbeitslosengeld II leben müssen, ihre Stromkosten dadurch finanzieren, dass sie an der Kleidung oder am Essen sparen. Und im schlimmsten Fall sogar "im Dunkeln" sitzen, wenn ihnen der Strom abgestellt wird", macht Caritas-Präsident Peter Neher deutlich.

Um Energiearmut zu vermeiden, fordert der Deutsche Caritasverband:

Stromanteil im Regelbedarf auf Basis des tatsächlichen Strombedarfs berechnen

Das Strombudget im Regelbedarf des Arbeitslosengeldes II muss sich am tatsächlichen Bedarf der ALG II- und Sozialhilfe-Empfänger ausrichten. Die Bezieher von Niedrigeinkommen sind bei Strom die falsche Vergleichsgruppe.

Mehrbedarfe für dezentrale Warmwasserbereitung anpassen

Wer Warmwasser dezentral, zum Beispiel in einem Boiler in der Wohnung, bereitet, bekommt einen sogenannten Mehrbedarf, um die zusätzlichen Stromkosten zu decken. Dieser ist deutlich zu niedrig und muss deswegen erhöht werden.

Energiesparberatungen kostenlos anbieten

Um mehr Energieeffizienz und Energieeinsparungen zu erreichen, und auch Menschen ohne oder mit geringem Erwerbseinkommen ihren Beitrag zum Umweltschutz zu ermöglichen, sind kostenlose Energiesparberatungen für Grundsicherungs- und Wohngeldempfänger unabdinglich. Mit Hilfen bei der Anschaffung energiesparender Geräte könnte der Stromverbrauch dieser Gruppe auch wirksam gesenkt werden.

Stromsperren für schutzbedürftige Personen vermeiden

Menschen dürfen nicht im Dunkeln sitzen, sie müssen kochen und ihre Wäsche waschen können. Stromsperren sind zu vermeiden. Die Caritas fordert, dass bei schutzbedürftigen Personen wie alten und kranken Menschen, Schwangeren oder Kindern der Strom nicht abgeschaltet wird. Statt Stromsperren sind Prepaid-Stromzähler zu installieren. Zudem sollte das Jobcenter im Einzelfall die Stromschulden nicht nur darlehensweise, sondern wieder durch einen Zuschuss begleichen können.

Klartext

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