Selbst erlebt

Pflege der Eltern

Arbeit, Glück und Leben pur

alte Frau und alter Mann im GesprächDie Pflege der Eltern zu Hause fordert die Familie heraus, schenkt aber intensive Lebenserfahrungen.KNA / Oppitz

"Bis dass ihr sterbt", waren meine Worte, als ich in einem Telefonat mit meiner Mutter über ihr Befinden sprach, sie sich kläglicher anhörte als gewohnt und ich mich sagen hörte: "Macht euch keine Sorgen, ich komme und versorge euch." Was für ein Satz für jemand, der damals am anderen Ende der Welt lebte. Der Liebe wegen war ich in die USA ausgewandert. Ein paar Tage später fand ich mich mit Sack und Pack im Eingangsflur meines Elternhauses in Westfalen wieder. Für die nächsten sechs Jahre sollte mein Leben eine ganz besondere Nuance erhalten.

Am Anfang stand ein Versprechen

Ich hatte mich entschlossen nach Deutschland zurückzukehren, mit meinen Eltern gemeinsam zu leben und mich um sie zu kümmern. Meine Mutter war an Krebs erkrankt, hatte bereits mehrere Operationen hinter sich und niemand wusste, wie sich ihr Gesundheitszustand weiter entwickeln würde. Ich folgte meiner Intuition, ließ meinen Mann zunächst in Kalifornien zurück und begann, mein Versprechen in die Tat umzusetzen.

Alte Muster über Bord werfen

Was von diesem Zeitpunkt an in diesem Haus geschah, war eine große Überraschung, war Experiment und Wunder, war harte Arbeit, Glück, Normalität und Leben pur. Wir begannen neu miteinander zu leben. Als Familie, Vater, Mutter, Tochter - doch diesmal unter anderen Vorzeichen als damals. Wir sollten uns ganz neu aneinander gewöhnen, miteinander ringen, alte Muster erkennen und über Bord werfen, Neues miteinander ausprobieren, unser Zusammenleben immer wieder sortieren.

Einfach nur da sein

Vor allem aber galt es zu klären, wie das mit dem Kümmern gehen könnte. Schließlich war ich ja deshalb hergekommen. Doch ich musste sehr bald erkennen, dass meine Erwartungen diesbezüglich alles andere als zutreffend waren: Meine Mutter blühte auf, sie kochte, wusch und wirtschaftete - sorgte für mich. Das machte mich zusehends verrückt, ließ mich an meine Grenzen stoßen. Eines Tages flog mir die Erkenntnis zu, dass mein Kümmern hier - zumindest in dieser ersten Zeit - ganz einfach darin bestand, dass ich da war.

Plötzlich öffneten sich Türen ganz neu

Dieses Wissen wirkte Wunder: Von jenem Augenblick an lösten sich die inneren Knäuel unseres Miteinanders, wir begannen ehrlich miteinander zu reden, eine Art Familienkonferenz einzurichten, Konflikte zu benennen und zu lösen. Und "meine beiden Altchen" machten mit! Ja mehr noch: sie überraschten mich fortwährend und zwar mit der Bereitschaft, ihre Türen nochmal gänzlich neu zu öffnen. Das war einfach wunderbar.

Den alten Vater neu kennen lernen

Als sich meine Mutter dann - nach mehr als drei Jahren intensivsten Zusammenlebens und langem Krankheitsweg - zum Sterben anschickte, wurde sie mir erneut und in ganz tiefer Weise zur Lehrmeisterin: "Ich weiß, wohin ich gehe. Ins Licht. Ich werde schon erwartet." Und Vater? Er war wie ausgewechselt. Er entfaltete Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften, die mir an ihm zuvor nie begegnet waren. Die frischen Rosen zum Beispiel, die er uns für Mutters Grab kaufen ließ, den zarten goldenen Ehering an seinem Finger, den er früher nie getragen hatte, jetzt aber gelegentlich aufsteckte und dazu sagte: "Ich denke heute so an Lotti." Das Lachen über seine eigenen kleinen Scherze und nicht zuletzt die Dankbarkeit, die er uns entgegenbrachte. Dass dieser Mann, der zeitlebens depressiv und leidend gewesen war, eine Woche vor seinem Tod noch Hand in Hand mit mir saß, über theologische Themen diskutierte und schließlich sagte "Das Leben macht mir doch noch Spaß", ist Wunder und Geschenk zugleich.

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