Ehrenamtsratgeber

Was, wo und wie

Tipps für freiwillige Flüchtlingshelfer(innen)

Ausländisches Kind in der Schule mit deutschem BegleiterDas Engagement vieler Freiwilliger ist wichtig für die Integration von Flüchtlingen.Deutscher Caritasverband / Harald Oppitz

Um in Deutschland Fuß fassen zu können, brauchen die Menschen, die ihre Heimat auf der Suche nach einer neuen Perspektive und einem sicheren Ort verlassen haben, Unterstützung und Hilfe. Die bietet die Caritas an vielen Orten in unterschiedlichen Einrichtungen und Diensten für Flüchtlinge und Migranten. Viele Freiwillige unterstützen dieses Angebot durch ihren Einsatz. Sie setzen damit ein Zeichen der Menschlichkeit und sind der Motor für eine gelingende Integration. 

Wenn Sie auch dabei sein wollen, sind Sie herzlich willkommen.  

Wo kann ich mich für Flüchtlinge engagieren?

Selbstcheck: Will ich mich freiwillig für Flüchtlinge einsetzen?

Die Flüchtlinge und die hauptberuflichen Mitarbeiter(innen) der Caritas freuen sich, wenn Sie sich ehrenamtlich einbringen wollen. Entscheidend sind Ihre Haltung, Motivation und Offenheit. Dennoch sollten Sie sich vorab mit diesen Fragen auseinandersetzen:

  • Wie gut kennen Sie Ihre Vorurteile? Sind Sie bereit, sich damit auseinanderzusetzen? Welche Gefühle löst zum Beispiel eine Verschleierung bei Ihnen aus oder Erziehungsmethoden, die von Ihren Überzeugungen abweichen?
  • Können und wollen Sie sich auf die Situation in den Unterkünften einlassen?
  • Für Flüchtlinge ist es wichtig, so angenommen zu werden, wie sie sind – mit all ihren kulturellen und persönlichen Eigenschaften. Können Sie respektvoll auf sie zugehen, dabei Ihre Lebensart aufzeigen, ohne die andere abzuwerten?
  • Der Schutz jedes Einzelnen ist der Caritas wichtig. Um Missbrauch oder grenzüberschreitende Handlungen zu vermeiden, werden Ehrenamtliche aufgefordert eine Selbstverpflichtungserklärung zu unterzeichnen und ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. Sind Sie dazu bereit?
  • In der Arbeit mit Flüchtlingen werden Ihnen Not, Elend und Traumatisierungen begegnen. Können Sie gut für sich sorgen und nach Ihrem Einsatz abschalten? Spüren Sie, wann es Ihnen zu viel wird und können Sie sich professionelle Unterstützung holen?

Wo sind Grenzen der ehrenamtlichen Arbeit für Flüchtlinge?

Immer wieder überschätzen hoch motivierte Helferinnen und Helfer ihre körperlichen, psychischen und zeitlichen Ressourcen. Rechnen Sie damit, dass es Situationen in der Unterstützung von Flüchtlingen geben kann, die Sie als Freiwillige(n) überfordern. Dies kann zum Beispiel in der Begleitung des Asylverfahrens, im Umgang mit Behörden, bei sozialrechtlichen Ansprüchen, bei Traumatisierung, Schul- und Schuldenproblemen oder Suchtverhalten der Fall sein. Vielleicht sind es auch Verhaltensweisen der Flüchtlinge, die Sie nicht nachvollziehen und akzeptieren wollen.

In solchen Fällen können Sie hauptberufliche Mitarbeiter(innen) der Caritas und anderer Wohlfahrtsverbände unterstützen, begleiten und – wenn nötig – auch zu anderen Einrichtungen und Diensten vermitteln. Fragen Sie nach!

Welche Hilfe und Unterstützung brauchen Flüchtlinge?

Um in Deutschland nicht nur anzukommen, sondern auch Fuß fassen zu können, brauchen die Menschen, die ihre Heimat auf der Suche nach einer neuen Perspektive und einem sicheren Ort verlassen haben, Unterstützung und Hilfe. Welche sinnvoll sind, lesen Sie hier:    

Begegnungen

Für Schutzsuchende ist Deutschland ein fremdes Land. Sie kennen weder die Kultur noch die ungeschriebenen Regeln des Zusammenlebens. Sie wissen nicht, wie unser gemeinschaftliches Leben organisiert ist. Durch persönliche Begegnungen kann sich das mit der Zeit verändern.

Wie das gehen kann? Sie können neu angekommenen Flüchtlingen beispielsweise bei einem gemeinsamen Rundgang die örtlichen Gegebenheiten und die Infrastruktur zeigen. Laden Sie sie in Gruppen, Vereine und zu Festen ein. Kochen Sie gemeinsam, begleiten Sie Flüchtlinge beim Einkaufen, machen Sie gemeinsam Musik oder Sport.

(Alltags-)Begleitung

Schriftwechsel und Kommunikation mit Behörden sind für Schutzsuchende oft weder inhaltlich noch sprachlich zu verstehen. Deshalb kann es für Asylbewerber eine große Hilfe sein, wenn sie jemand bei Behördenangelegenheiten, Arztbesuchen oder im Alltag begleitet. Dabei ist oft auch die Unterstützung von länger im Land lebenden Menschen mit Migrationsgeschichte gefragt, die als Dolmetscher tätig werden können.

Auch der Lebensrhythmus, die Vorstellung von Kindererziehung, Geschlechterrollen und andere Elemente der Alltagskultur können sich von den unsrigen unterscheiden. Dies und die beengte Wohnsituation führen dazu, dass es immer wieder zu Schwierigkeiten und Konflikten kommt. Ehrenamtliche, die mit Respekt zu Kulturdolmetscher(inne)n werden und Flüchtlingen die Regeln unseres Zusammenlebens erklären, sind sehr wichtig.

Alle Beteiligten müssen sich dabei ihrer Rolle klar sein: Begleiten und sprachlich aushelfen können alle – rechtlich verbindlich beraten nur ausgewiesene Expertinnen und Experten.

Freizeitgestaltung

Viele Flüchtlinge leiden darunter, keiner Beschäftigung oder Arbeit nachgehen zu können. Langeweile und unsichere Perspektiven machen sie oft mutlos, manchmal auch aggressiv. Hier können Ehrenamtliche helfen, wenn sie Freizeitmöglichkeiten wie die Teilnahme am Sport in örtlichen Vereinen, Ausflüge oder kulturelle Aktivitäten organisieren.

Patenschaften

In vielen Helferkreisen haben sich Patenmodelle bewährt. Eine Person aus der Pfarrei oder dem Helferkreis ist dauerhaft ansprechbar für jeweils eine(n) Schutzsuchende(n), eine Familie und in Einzelfällen auch für mehrere Schutzsuchende. Entscheidend ist dabei, dass es gelingt, gegenseitig Vertrauen aufzubauen.

Hilfen für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche haben oft Probleme, den Anforderungen in der Schule gerecht zu werden. Durch Bürgerkrieg und Flucht haben sie manchmal jahrelang keine Schule besucht oder sind Analphabeten, wie zum Beispiel Mädchen aus Somalia oder Afghanistan, denen ein Schulbesuch verwehrt wurde. Durch Hausaufgabenhilfe können Kinder und Jugendliche besser mitkommen und lernen so die deutsche Sprache. Dabei können Patinnen und Paten hilfreich sein und als Ansprechpersonen für Lehrer(innen) zur Verfügung stehen, beziehungsweise zwischen Schule und Eltern vermitteln.

Besonders Kinder leiden oft unter dem mangelnden Platz. Auch hier können sich Ehrenamtliche einbringen, mit den Kindern spielen, basteln und Ausflüge unternehmen.

Beim Aufbau von Paten-Beziehungen und anderen Tandems mit Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, Richtlinien zum Anvertrautenschutz zu beachten. Die Caritasverbände der Diözesen haben dafür Ansprechpartner.

Wohnung, Kleidung, Dinge des Alltags

Sowohl in Gemeinschaftsunterkünften als auch in dezentralen Wohnungen ist die Hilfe der Ehrenamtlichen für die Schutzsuchenden gefragt. Viele Flüchtlinge mussten ihr Hab und Gut auf der Flucht zurücklassen und kommen in Deutschland nur mit einer Plastiktüte an. Solange sie in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnen, stehen Asylbewerber(inne)n elementare Haushalts- und Einrichtungsgegenstände wie Bett, Schrank oder Töpfe zur Verfügung. Beim Auszug aus Unterkünften in Privatwohnungen fehlt es Flüchtlingen meist an Einrichtungsgegenständen. Ehrenamtliche können klären, was benötigt wird und bei der Anschaffung helfen.

Weitere Alltagsdinge wie Kleider landen als Spenden bei den Gemeinden oder Unterstützerkreisen. Diese prüfen, was tatsächlich benötigt wird und in welchem Zustand sich die Gegenstände befinden. An vielen Orten werden zum Beispiel alte Fahrräder gesammelt und mit den Flüchtlingen zusammen repariert. Darüber hinaus braucht es Menschen, die Waschmaschine, Kühlschrank, Mikrowelle, Mülltrennung, Ruhezeiten und andere Dinge erklären. Denn viele Flüchtlinge kennen diese Dinge nicht oder können sie nicht bedienen. 

Die meisten Flüchtlinge haben ein Mobiltelefon oder Smartphone. Oft sind diese Geräte die einzige Möglichkeit, telefonisch oder über das Internet und soziale Netzwerke Kontakt zu Angehörigen zu halten, die in der alten Heimat geblieben oder selbst auf der Flucht sind.

Religion

In schweren Zeiten kann der Glaube eine wichtige Stütze sein. Flüchtlinge, die dies wünschen, sollten daher von Ehrenamtlichen darin unterstützt werden, ihre Religion auszuüben. Dazu können etwa Räume von Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt werden. Damit auch in diesem Bereich das Zusammenleben klappt, braucht es Respekt, Toleranz und die Bereitschaft zum Austausch – auf beiden Seiten.

Cover Ratgeber Flüchtlinge DürenRatgeber für die Arbeit mit Flüchtlingen gibt es inzwischen von vielen Caritasverbänden mit regional ausgerichteten Infos.Caritasverband für die Region Düren-Jülich e.V.

Wo gibt es weitergehende Informationen? 

Viele Caritasverbände unterstützen mit Ratgebern das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge und erklären darin auch regionale Besonderheiten:

  • Flüchtlingshilfe im Kreis Düren
    Mit vielen Infos zur Lebenssituation der Schutzsuchenden, zur deutschen Asylpolitik und Tipps für die ehrenamtliche Arbeit mit und für Flüchtlinge bietet der Caritasverband für die Region Düren-Jülich einen Ratgeber, der sich für Einsteiger ins Ehrenamt eignet – natürlich angereichert mit vielen regionalen Adressen in NRW. (unten zum Download).
  • Flüchtlinge und Asylbewerber begleiten und unterstützen
    Von Caritasverband und Erzdiözese München stammt dieser regional ausgerichtete Ratgeber. Viele Beispiele und Fakten sind auch bundesweit interessant (unten zum Download).
  • Weitere Handreichungen für die ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen finden Sie bei den Caritasverbänden vor Ort, fragen Sie nach (Liste der Diözesanverbände).
  • Informationen zur Flüchtlings- und Migrationsarbeit in Deutschland, Link-Listen und Adressen, wie die der Flüchtlingsräte der Bundesländer, finden Sie auf den Seiten der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl und beim Informationsverbund Asyl und Migration

Motivation gesucht?

Wir zeigen Ihnen, wie sich die Viernheimer für Flüchtlinge engagieren. Mehr zum Projekt erfahren Sie im Magazin Sozialcourage.

Download

Flüchtlingshilfe im Kreis Düren

Ein Ratgeber für Menschen, die Flüchtlingen ehrenamtlich zur Seite stehen möchten, herausgegeben vom Caritasverband für die Region Düren-Jülich e.V. (Stand: März 2016, 60 Seiten).

Flüchtlinge und Asylbewerber begleiten und unterstützen

Informationen, Fakten und Hilfsmöglichkeiten für Pfarrgemeinden, Ehrenamtliche und Helferkreise, hrsg. von der Erzdiözese München und Freising und dem Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e. V. (Stand: März 2016, 36 Seiten)

youngcaritas Aktionsheft "Flüchtlinge Willkommen"

Das Aktionsheft gibt Einblicke in die Situation junger Flüchtlinge in Deutschland. Es enthält viele Vorschläge für Solidariätsaktionen mit jungen Flüchtlingen und Tipps für den Schulunterricht.

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