Das fordert die Caritas

Migration und Integration

Arbeitsmigration im Interesse aller fördern

Situation und Bewertung

Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, wirbt Deutschland wieder vermehrt um ausländische Arbeitnehmer(innen). Fragwürdig sind jedoch Anwerbeaktionen für Berufe, bei denen in den Ausreiseländern selbst ein Mangel besteht. Die Abwanderung von Arbeitskräften kann den Arbeitsmarkt des Herkunftslandes jedoch auch entlasten. Temporäre Migration ermöglicht zudem Wissenstransfer in die Herkunftsstaaten. Abhängig von der Situation kann Migration auch zur Stabilisierung von Herkunftsländern beitragen.

Innerhalb der EU gilt das Freizügigkeitsrecht. Jede/r kann dort leben und arbeiten, wo er oder sie es möchte. Die Möglichkeiten der legalen Einreise und Arbeit für Nicht-EU-Bürger(innen) sind sehr beschränkt. Trotzdem gelangt eine unbekannte Zahl nach Deutschland, beispielweise als Tourist(inn)en oder auf illegalen Wegen, und bleibt dann hier. Sie können nur illegal arbeiten. Der illegale Aufenthaltsstatus bedeutet für die betroffenen Arbeitsmigrant(inn)en das Gefühl der vollständigen Entrechtung. Sie arbeiten und leben unter der permanenten Gefahr, in Abschiebehaft genommen zu werden. Die beste Form, gegen Schwarzarbeit vorzugehen, ist, legale Arbeit zuzulassen. Darauf muss die Politik (auch ausländerrechtlich) reagieren.

Unsere Forderungen

  • Zuwanderung darf nicht auf Fachkräfte reduziert werden. Abhängig vom Bedarf muss Zuwanderung für alle Berufssparten möglich sein. Die Freizügigkeit von EU-Bürger(inne)n aus wirtschaftlich armen Ländern darf nicht in Frage gestellt werden.
  • Zuwanderungsregeln sollen einfach und transparent gestaltet werden. Es darf keinen Ausschluss bestimmter Gruppen, Religionen oder Herkunftsregionen geben.
  • Auch bei befristeten Aufenthalten darf es keinen Ausschluss der Familienzusammenführung geben. Die Frage, wo und wie das Familienleben von Migrant(inn)en gestaltet wird, muss selbstbestimmt möglich sein.
  • Die Diskriminierung und alltägliche Ausgrenzung von Roma soll in den Herkunftsstaaten und in Deutschland bekämpft werden.
  • Es braucht vermehrt Kooperationen mit den Herkunftsländern der Arbeitsmigrant(inn)en auf politischer und kirchlicher Ebene, um die Transparenz zu erhöhen und Nachteile der Arbeitsmigration zu bewältigen.
  • Bei der Beschäftigung von mittel- und osteuropäischen Haushaltshilfen muss gewährleistet sein, dass die Haushaltshilfen entsprechend einem Tarif bezahlt werden und sozial- und krankenversichert sind. Zudem muss sichergestellt werden, dass die arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten werden und damit auch Mindestruhezeiten und ein freier Tag/Woche gewährleistet sind.
  • Die Qualität der Pflege sollte durch die Zusammenarbeit mit ambulanten Pflege-diensten gesichert werden.
  • Die Möglichkeiten, gegen Ausbeutung und illegale Beschäftigungen vorzugehen, sollen konsequent genutzt und ausgebaut werden, damit solche Arbeitsverhältnisse für Arbeitgeber(innen) unattraktiv werden.
  • Konsument(inn)en sollen über die Zusammenhänge aufgeklärt werden, damit sie bereit sind, ggf. höhere Preise für gerechte Löhne zu akzeptieren.
  • Menschen, die Opfer von Arbeitsausbeutung oder von Zwangsprostitution geworden sind, müssen angemessene psychosoziale Begleitung erhalten. Sie sollen, sozialrechtlich abgesichert, Zeit erhalten, sich zu stabilisieren und neu zu orientieren, und Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte bekommen. Sie sollen zusätzlich ein befristetes Aufenthaltsrecht erhalten.

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Caritas-Kampagne 2014 - Sozial- und gesellschaftspolitische Positionierung

Das Positionspapier des Deutschen Caritasverbandes zur Kampagne "Weit weg ist näher, als du denkst" enthält Situationsbeschreibungen, Bewertungen und Forderungen zu diesen Themen: Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Entwicklungsländer, Rohstoffe und Wiederverwertung, Flucht und Vertreibung sowie Migration und Integration.

19.05.2015 | 15:45  
Tobias Rohlederer schreibt

Tolle Kampagne und wichtige Forderungen! Schöne Sache!

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18.01.2014 | 23:34  
lady-gaga schreibt

Forderungen, die die Allgemeinheit natürlich bezahlen soll. Mit Geld und Wohnraum, der mir nicht gehört kann ich auch großzügige Wohltaten begehen. Wer allen Menschen hier Zugang gewähren will, der soll sie bei sich zu Hause aufnehmen und fuer alle Folgen und Kosten gerade stehen.

19.01.2014 | 21:18
Britta antwortet  

... und Forderungen von denen die Allgemeinheit oder du persönlich profitieren. Vielleicht bist du mal noch froh, dass sich eine Pflegerin aus Osteuropa um deine kranke Mutter kümmert, weil es nicht genug "Deutsche" gibt, die diese wichtige Aufgabe übernehmen wollen.

21.01.2014 | 17:51
Stephan Borggreve antwortet  

Wer sich unserer Geburtetstatistik anschaut und vergleicht mit unseren beitragsorientierten Sozialsystemen (Rente, Gesundheit usw.) wird schnell feststellen, das Zuwanderung für uns alle sehr posoitiv ist. Wir müssen aber nereit für diese Aufnahme sein und Integration nicht nir fordern sondern auch leben....

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18.01.2014 | 19:56  
was soll das? schreibt

Schon irre, was hier alles gefordert wird. Hätte gedacht, das was gegen Christenverfolgung weltweit gefordert wird, oder auch hier in Deutschland. Gerade in NRW werden Bildstöcke, Kirchen etc. geschändet. Warum werden größtenteils nur Moslems und nicht verfolgte Christen ins Land geholt?

21.01.2014 | 17:48
Stephan Borggreve antwortet  

Weil wir niemanden ins Land holen, sondern diese Menschen zu uns kommen. Die Zahl der Nichtchristen dürfte dabei wesentlich höher sein, als die der Christen. Die Forderungen sind überhaupt nicht irre, sondern sind Teil unseres eigenen christlichen Menschenbildes und unseres jesualen Selbstverständnisses. Wir sollten doch wirklich froh sein, das wir die Gnade der Geburt in unserem Land erhalten haben und nicht auf der Suche nach Arbeit emmigrieren müssen. Wir Deutschen sind recht selbstgefällig und bequem geworden könnte man bei solchen Kommentaren meinen.

03.11.2015 | 09:37
Aria Millefiori antwortet  

Da muss ich Ihnen Recht geben. Wir Deutschen sind wirklich selbstgefällig und bequem geworden. Allerdings liegt es auch an uns, ob wir nun dankbar dafür sind oder uns noch selbstgefälliger verhalten. Man sollte nicht immer nur Taten anderer kritisieren, sondern auch mal etwas selberunternehmen. Selbst eine kleine Spende könnte helfen.

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