Bischof Meier: "Eine Zukunft ohne Gerechtigkeit und Solidarität ist grau"
Augsburg, 26.09.2026 (pca). Die beiden Kirchen verfolgen die soziale Entwicklung in Deutschland mit großer Sorge. Wie eng ihr Schulterschluss dabei mit ihren Wohlfahrtsverbänden, der Caritas und der Diakonie, ist, zeigte sich jetzt bei der ökumenischen Andacht anlässlich der bundesweiten Eröffnung der Caritas-Aktionstage in Augsburg. Bei einem symbolischen Thesenanschlag meldeten der katholische Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier und sein evangelischer Amtskollege, Regionalbischof Klaus Stiegler, gemeinsam mit der Caritas und Diakonie ihren "Einspruch" gegen Sozialkürzungen an.
Der Caritasverband für die Diözese Augsburg hat in einem Grundsatzpapier insgesamt neun Forderungen für einen solidarischen Staat aufgestellt und sie mit der Diakonie abgestimmt. Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller und der theologische Vorstand der Diakonie Augsburg warben für eine breite Unterstützung. Denn ihren Worten nach, bringen die Augsburger Thesen für einen solidarischen Staat genau das zum Ausdruck, "worauf es nun bei den Planungen für eine Reform des Sozialstaates ankommt", wie die beiden Spitzen der Augsburger Wohlfahrtsverbände, Müller und Graßmann, beim "Thesenanschlag" in der Augsburger Annastraße sagten.
Die Thesen bilden Leitlinien zur Orientierung für eine gute Sozialpolitik. Für den öffentlichen Thesenanschlag - de facto entrollten die beiden Bischöfe einen großen Banner an einem Eisentor der Annakirche zur Annastraße - konzentrierten sich Caritas und Diakonie auf fünf Kernthesen. Armut dürfe kein Ausschlusskriterium sein. Deutlich ist im weiteren Text die christliche Soziallehre herauszulesen, die Reiche und Vermögende an ihre soziale Verantwortung erinnert: "Solidarität gilt auch von oben nach unten". Unausgesprochen kritisieren sie damit Caritas und Diakonie konzentrieren sie die Kampagne gegen Bürgergeldempfänger in der Vergangenheit.
Beide Kirchen bauen auf die Familien. Sie fordern, "Kinder und Familien verlässlich zu unterstützen". Dabei erinnern sie daran, dass diese Hilfen für den Staat letztlich billiger sei als Einsparungen. Auch für die Pflege gelte der grundsätzlich christliche Ansatz, dass sie niemanden arm machen dürfe.
Das christliche Menschenbild zeigt sich auch in These vier: "Migration ist eine Chance, kein Problem. Gute Migrationspolitik eröffnet Wege zu Integration." Die beiden Kirchen wie auch Caritas und Diakonie sehen darin keine weltfremde Haltung. Sie verweisen vielmehr auf den positiven Effekt für die Volkswirtschaft.
Auch Teilhabe, die jedem Menschen zustehe, auch jenen mit Teilhabebeeinträchtigungen, stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt und überwinde Barrieren bei aller Unterschiedlichkeit der Menschen.
"Die Augsburger Thesen für einen solidarischen Staat stehe für Werte, die nicht nur mit der Demokratie vereinbar sind, sondern sie zugleich fördern und vertiefen: die Achtung der Menschenwürde, Inklusion, die Sorge für die Schwachen und soziale Gerechtigkeit", sagte der Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier in seiner Ansprache anlässlich des Augsburger Thesenanschlags und fragte weiter: "Wie kann jemand ein Feind der Demokratie sein und zugleich die menschliche Person achten? Wie kann jemand eine unmenschliche Abschottung propagieren und zugleich behaupten, dem Willen Christi zu folgen? Wie kann jemand die Schwachen noch schwächer machen wollen und ernsthaft glauben, auf diese Weise in die Zukunft der Gesellschaft zu investieren?"
Bischof Meier wünscht sich für die Augsburger Thesen für einen solidarischen Staat Erfolg. "Denn eine Zukunft ohne Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Solidarität ist grau; sie wäre nicht auszuhalten. Eine solche Zukunft dürfen wir den Kindern der Welt nicht überlassen."