Integration braucht einen Ort der Ruhe und Kreativität
Fabian Kutz
Hauptgründe für den fehlenden Anschluss der Kinder sind mangelnde Sprachkenntnisse und Berührungsängste auf beiden Seiten. Eine psychosoziale Benachteiligung gibt es aber auch bei Kindern ohne Migrationshintergrund oder Asylbewerberstatus. Auf beiden Seiten gibt es zudem häufig Probleme, die Regeln einer fremden Kultur zu erkennen und einzuhalten.
Gemeinschaft und Respekt
Wir hatten die Idee, die Pfarrei als Heimat mit wohliger Atmosphäre und Platz für die Kinder anzubieten. Die Pfarrei soll Anlaufstelle sein, um miteinander vor Ort in Kontakt zu kommen, gerade auch als Ausgleich bei beengten Wohnverhältnissen zuhause. Die Kinder entwickeln hier ein Gemeinschaftsgefühl, denn alle Nationen sind gleich. Sie lernen Regeln einzuhalten, zum Beispiel die Hausordnung. So lernen sie auch Respekt vor anderen und deren Eigentum. Auch die nicht deutschsprechenden Mütter der Kinder können in die Pfarrei kommen – ganz zwanglos und ohne ein bürokratischer Bittsteller zu sein. Sie haben hier einen geschützten Raum, in dem sie den Mut entwickeln können, Deutsch zu sprechen.
Ängste nehmen
Die Kinder haben mit dem Hausaufgabenraum einen Ort, in dem sie sich willkommen fühlen. Hier können sie Spaß haben und müssen nicht nur Leistungen erbringen. Sie akzeptieren inzwischen die Hausordnung sowie Gruppenregeln und achten das Gemeinschaftseigentum: Alles gehört allen, so gibt es weniger Konflikte zwischen den Nationalitäten. Christen und Nichtchristen begegnen hier einander immer mal wieder. Noch gibt es oft Ängste bei vielen Bedürftigen, Hilfe und Gemeinschaft anzunehmen oder beispielsweise als Moslem in christliche Räume zu gehen. In diesen Fällen ist es wichtig, persönlichen Kontakt aufzubauen. Neutraubling ist zwar eine Stadt, das Konzept kann jedoch auch auf dem Land angeboten werden.
Das Projekt Schritt für Schritt
Schritt 1: Konzept schreiben und Bedingungen klären
Stellen Sie eine genaue Konzeption und Klarheit über die Zielgruppe auf, finden Sie Räume und einen Träger, entwickeln Sie das methodische Vorgehen.
Schritt 2: Vorsichtiger Kontaktaufbau
Suchen Sie ein Team und Ansprechpartner aus der Schule und im Ort. Gehen Sie auf die Zielgruppe bei allen Gelegenheiten zu, zum Beispiel auf dem Spielplatz, Supermarkt, usw. Denn die Zielgruppe meldet sich nicht einfach so, oft gibt es Berührungsängste. Von daher ist es wichtig, erst einmal miteinander gut in Kontakt zu kommen, bevor Sie über das Projekt sprechen. Beobachten Sie, wo die Bedürfnisse der Zielgruppe liegen, stellen Sie dann Verbindungen mit den Ansprechpartnern und dem Team her.
Schritt 3: Reflexion
Hinterfragen Sie das pädagogische Konzept immer wieder auf Aktualität. So können Sie das Angebot für die Zielgruppe immer wieder optimal zuschneidern. Verfolgen Sie auch die Gegebenheiten vor Ort aus der Presse und in der Kommunalpolitik. Suchen Sie auch immer wieder Gespräche mit den Lehrkräften und individualisieren Sie die Hilfe auf jedes einzelne Kind.