Miteinander und füreinander – Fünf Anforderungen an einen starken Sozialstaat aller Generationen
1. Miteinander Vertrauen stärken – für stabile Sozialversicherungen
Der Caritasverband setzt sich für eine Reform der Sozialversicherungen ein, die Vertrauen stärkt und die Zahlungsbereitschaft der Jungen erhält, indem das Regelwerk neuen Arbeitsmarktrealitäten entsprechend und lebensverlaufgerecht ausgestaltet wird.
Jeder Lebenslauf ist geprägt von Phasen der Erwerbsfähigkeit und Phasen, in denen wir in unserer eigenen Existenzsicherung auf Dritte angewiesen sind. Die gesetzliche Sozialversicherung übersetzt dieses Grundprinzip des Menschseins in eine moderne, solidarische Sozialstaatslogik. Gerade in der Renten- und Pflegeversicherung spüren wir, wie diese Mechanik in Zeiten demografischer Verschiebungen unter Druck gerät: Wenn die Babyboomer jetzt und in den kommenden Jahren in Rente gehen und häufiger pflegebedürftig werden, steigt die Belastung der Einzahlenden erheblich. Um das Vertrauen in das System und die Zahlungsfähigkeit der Jungen zu erhalten, müssen die, die verlässlich Beiträge eingezahlt haben, eine entsprechende Leistung erhalten, wenn sie auf sie angewiesen sind - ohne die Beitragszahler:innen von heute und morgen zu überfordern.
2. Miteinander Chancen sichern – für eine starke Familien- und Bildungspolitik
Der Caritasverband setzt sich für eine starke Familien- und Bildungspolitik ein, die das Miteinander beider Bereiche fördert. Eine Kultur der Teilhabe und Solidarität stärkt die Resilienz des Aufwachsens in der analogen und digitalen Welt und lädt zur Mitverantwortung ein.
Unsere Teilhabechancen sind entscheidend von den ersten Lebensjahren abhängig. Bildungs- und Arbeitsmarkterfolge sind noch immer stark durch die Möglichkeiten des Elternhauses geprägt. Eine starke Familien- und Bildungspolitik muss sich deshalb zum Ziel setzen, Familien bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu entlasten und Kinder durch qualitativ hochwertige Bildung und Betreuung in Kita und Schule zu befähigen, ihre Potenziale auf dem eigenen Lebensweg und für das Miteinander zu entfalten. Dazu gehört auch Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagogen in der Nutzung digitaler Tools so zu schulen, dass gemeinsam mit den Heranwachsenden für ihre Bedarfe stärkende Antworten gefunden werden.
3. Miteinander gegen Einsamkeit – für eine neue "Du-wirst-gebraucht-Kultur"
Der Caritasverband setzt sich für eine zugehörigkeitsstärkende "Du-wirst-gebraucht-Kultur" ein, die Menschen in jedem Lebensalter aus der Einsamkeit befreit und dem Druck entgegentritt, sich mit Gedanken an Suizid und Angeboten der Suizidassistenz auseinandersetzen zu müssen. Im Miteinander der Generationen liegt die Superkraft der Gesellschaft.
Alt und Jung leiden gleichermaßen unter diffusen Folgen der Corona-Zeit sowie negativen Folgen einer alle Lebensbereiche umfassenden Digitalisierung. Einsamkeit ist zu einer grassierenden Realität der Vereinzelung geworden, die sich mit gesundheitlichen Folgen und steigenden Zahlen von Suizidversuchen gerade unter jungen und hochaltrigen Menschen verbindet. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, nicht gebraucht zu werden oder sogar zur Last zu fallen, lähmt und verhindert tatkräftiges Engagement, wo es dringend gebraucht würde. Für alle Altersgruppen und die unterschiedlichen Bedarfe gilt es, passende Angebote zur Einbindung zu schaffen.
4. Miteinander Begegnungsräume schaffen – für Sozialräume für alle
Der Caritasverband setzt sich für den Erhalt einer lebensweltgerechten sozialen Infrastruktur ein, die Begegnungen im Sozialraum schafft und nicht zuletzt den Sozialraum Bahnhof als Aufenthaltsraum stärkt. Freiwilliges Engagement aller Generationen stärken wir als Kraftquelle des Miteinanders in Nachbarschaft und Gemeinde.
Innenstädte und Dorfzentren veröden, weil immer mehr Einzelhandelsgeschäfte schließen. Alt und Jung laufen im Alltag aneinander vorbei: Spaltend wirken digitale Räume, in denen der schöne Schein der wenigen den Alltag der vielen umso grauer erscheinen lässt. Öffentlicher Personen(nah)verkehr ist durch Barrieren aller Art – sowohl für Eltern mit Kinderwagen als auch für Senioren mit Rollator – oftmals keine Einladung zur Begegnung mehr. Nicht nur für Menschen, die als Kinder von Eingewanderten in Deutschland geboren und für die, die hier als Migranten alt geworden sind, sind lebendige Begegnungen über Generationen- und Ortsteilgrenzen hinweg wichtiger Teil gelingender Integration. Aus dem Miteinander in Begegnungsräumen kann gesellschaftliche Krisenresilienz erwachsen.
5. Miteinander Schöpfung bewahren – für eine nachhaltige Klimasozialpolitik
Der Caritasverband setzt sich für eine Klimasozialpolitik ein, die heute für morgen von einer Wirtschaftsweise, die auf der Nutzung fossiler Energien beruht, konsequent umsteuert zu einer neuen Form des Wirtschaftens, die Wohlstand der wenigen nicht zulasten der Armen erkauft.
Das Generationenmiteinander muss auch intertemporal und global gedacht werden. Klimawandel bleibt eine Bedrohung der Lebensgrundlagen der nächsten Generationen ebenso wie des guten Lebens vulnerabler Gruppen heute. Alt und Jung sind gleichermaßen durch diese globale Dynamik bedroht. Klimaschutz und Klimafolgenanpassung gehören zu einer umfassenden Klimasozialpolitik, die dafür Sorge trägt, dass diejenigen, die den Klimawandel besonders verursacht haben, auch in besonderer Weise zu seiner Eindämmung beitragen. Dazu braucht es das konzertierte Miteinander auf europäischer Ebene. Der Stromspar-Check des Deutschen Caritasverbandes ist ein beispielhaftes Leuchtturmprojekt, das zeigt, wie eine sozial gerechte Klimapolitik gelingen und wie Energiearmut wirksam vorgebeugt werden kann.
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Fünf Anforderungen an einen starken Sozialstaat
Fünf Anforderungen an einen starken Sozialstaat aller Generationen
Agendapapier des Deutschen Caritasverbandes zur Jahreskampagne 2026
Factsheet Demografie und Rentenversicherung