Frühe Hilfen werden immer wichtiger – besonders für Alleinerziehende
Auch finanziell sind Alleinerziehende benachteiligt. Alleinerziehende beziehen rund fünfmal so häufig und länger Leistungen aus der Grundsicherung wie Paarfamilien. Auch das Geschlecht kann hier eine Rolle spielen: Es gibt vor allem viele Frauen (90 Prozent), die ihre Kinder allein großziehen wollen oder müssen: 2019 waren es über 2,1 Millionen in Deutschland. (Quelle: Armutsrisiko alleinerziehend, BPB 2017)
Alleinerziehende sind von Armut besonders betroffen.KNA
Frauen, die zudem in ihrer vorherigen Partnerschaft hauptsächlich die Erziehungsarbeit übernahmen, haben es aufgrund mangelnder Arbeitsmarktintegration oder Berufserfahrung schwer, einen passenden Job als Alleinernährerin zu finden.
Babylotsinnen unterstützen mit Hilfe zur Selbsthilfe
Obwohl für junge Familien in Problemlagen Hilfs- und Beratungsangebote vorhanden sind, erreichen sie die Menschen oft schlecht. Sie wissen meist nicht, dass Hilfsangebote existieren und auch nicht, an wen sie sich im Bedarfsfall wenden können. Die Caritas geht auf diese Herausforderung ein und bietet bei Bedarf allen Schwangeren und Wöchnerinnen in der Geburtsklinik ein Gespräch über die Zeit nach der Entlassung an.
Eltern sind rund um die Geburt offen für die aktive Ansprache von Babylotsen, wie sich die pädagogisch ausgebildeten Fachkräfte nennen. Sie informieren über die Angebote der Frühen Hilfen vor Ort und vermitteln dorthin, sofern notwendig. Sie beraten zu bestehenden finanziellen Unterstützungen und helfen im Bedarfsfall bei der Antragstellung. Damit soll Herausforderungen begegnet werden, bevor sie zum Problem werden. Seit 2015 fördern der Deutsche Caritasverband und der Katholische Krankenhausverband Deutschlands die Ausweitung des Programms, das vor 14 Jahren von der Stiftung SeeYou initiiert wurde.
Gesundheitsprävention sind, belegt auch eine "Kantar-Studie im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes aus 2021”. 93 Prozent der befragten Mütter, die in Babylotsen-Kliniken entbunden haben, fühlen sich mit ihren Fragen und Anliegen gut aufgehoben. 86 Prozent gaben an, wichtige Infos erhalten zu haben. Am deutlichsten profitieren laut der Studie Erstgebärende von der Unterstützung. Auch das Klinikpersonal bewertet das Programm positiv. 97 Prozent der Mitarbeitenden auf den Geburtsstationen fühlen sich durch die Babylotsinnen entlastet. Das Fazit: Es ist höchste Zeit, das Programm flächendeckend einzusetzen und gesetzlich zu verankern.
Hilfsangebote müssen früh ansetzen
Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands Eva Maria Welskop-Deffaa lobt den präventiven Charakter des Programms: "Sie sind in der Geburtsklinik einfach da, wenn das Baby zur Welt kommt und wenn sich die jungen Eltern in den Unterstützungsstrukturen zurechtfinden müssen. Ohne Einkommen und Belastungssituation detailliert erhoben zu haben, gehen sie auf Mütter zu und öffnen ihnen die Tür in das System Früher Hilfen. Da-Seins-Vorsorge im allerbesten Wortsinn.”
Hilfs- und Beratungsangebote, die früh ansetzen und zudem nicht erst lange gesucht werden müssen, scheinen heute wichtiger denn je. Die Corona-Pandemie verstärkt Gefühle von Einsamkeit, Überforderung und Druck und bei vielen scheint die Hürde, Unterstützung zu suchen, höher als zuvor. Viele merken auch zu spät, dass sie Hilfe brauchen. Ratsuchenden und Hilfebedürftigen gerade in diesen Zeiten mit niedrigschwelliger und schnell erreichbarer Beratung zur Seite zu stehen, ist ein zentrales Anliegen der Caritas.
Frühe Hilfen: Unterstützung für Familien von Anfang an
Die Geburt eines Kindes verändert das Leben grundlegend. Viele Eltern erleben diese Zeit als glücklich und bereichernd. Gleichzeitig können Unsicherheiten, finanzielle Sorgen, Erschöpfung oder fehlende Unterstützung den Familienalltag belasten. Genau hier setzen die Frühen Hilfen an.
Frühe Hilfen unterstützen Schwangere, Eltern und Familien mit Kindern bis drei Jahre. Ihr Ziel ist es, Familien frühzeitig zu stärken, Belastungen zu reduzieren und Kindern gute Entwicklungsbedingungen zu ermöglichen.
Familien frühzeitig stärken
Junge Familien stehen heute vor vielfältigen Herausforderungen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, steigende Lebenshaltungskosten, Wohnraummangel oder fehlende soziale Netzwerke können den Alltag erschweren. Hinzu kommen persönliche Belastungen wie psychische Erkrankungen, Konflikte in der Partnerschaft oder die Sorge, den Anforderungen als Mutter oder Vater nicht gerecht zu werden.
Besonders Alleinerziehende tragen häufig eine hohe Verantwortung. Sie müssen Kinderbetreuung, Haushalt und Erwerbsarbeit allein organisieren und verfügen oft über weniger finanzielle und zeitliche Ressourcen. Doch auch Eltern in Partnerschaften können an ihre Grenzen geraten.
Frühe Hilfen richten sich deshalb nicht nur an Familien in Krisensituationen. Sie stehen grundsätzlich allen Eltern offen, die Unterstützung, Beratung oder Orientierung wünschen.
Was sind Frühe Hilfen?
Frühe Hilfen sind lokale Unterstützungsangebote für werdende Eltern und Familien mit kleinen Kindern. Sie verbinden Gesundheitswesen, Jugendhilfe und soziale Beratung miteinander.
Zu den Angeboten gehören beispielsweise:
- Beratung während der Schwangerschaft
- Familienhebammen und Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen
- Eltern-Kind-Gruppen
- Familienzentren
- Erziehungs- und Familienberatung
- Unterstützung bei finanziellen oder sozialen Fragen
- Vermittlung weiterer Hilfsangebote vor Ort
Die Angebote sind in der Regel freiwillig, vertraulich und kostenlos.
Babylotsinnen weisen den Weg
Viele Familien wissen nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten es in ihrer Region gibt. Deshalb setzen zahlreiche Kliniken auf sogenannte Babylotsinnen und Babylotsen.
Die speziell geschulten Fachkräfte sprechen werdende Eltern oder Familien direkt rund um die Geburt an. Gemeinsam klären sie, welche Unterstützung hilfreich sein könnte, informieren über Angebote vor Ort und vermitteln bei Bedarf an Beratungsstellen, Familienhebammen oder andere Hilfen.
Der große Vorteil: Familien erhalten Informationen und Unterstützung bereits zu einem Zeitpunkt, an dem Fragen und Unsicherheiten häufig besonders groß sind. So können Belastungen früh erkannt und passende Hilfen organisiert werden.
Hilfe, bevor Probleme entstehen
Frühe Hilfen folgen einem einfachen Grundgedanken: Unterstützung soll nicht erst einsetzen, wenn eine Krise entstanden ist. Vielmehr sollen Familien rechtzeitig die Hilfe erhalten, die sie benötigen.
Davon profitieren Eltern und Kinder gleichermaßen. Eltern werden entlastet und gestärkt. Kinder erhalten bessere Chancen auf eine gesunde Entwicklung. Gleichzeitig können langfristig soziale und gesundheitliche Probleme vermieden werden.
Die Caritas unterstützt Familien vor Ort
Die Caritas engagiert sich bundesweit in den Frühen Hilfen. In Beratungsstellen, Familienzentren, Geburtskliniken und vielen weiteren Einrichtungen begleiten Mitarbeitende Familien bei Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre eines Kindes.
Wer Unterstützung sucht, muss nicht warten, bis die Belastung zu groß wird. Oft hilft bereits ein Gespräch, um gemeinsam passende Wege und Angebote zu finden.
