„Gut, dass Sie da sind“
DCV/Anika Wegner
"Niemand redet gern über Geld – und schon gar nicht über Schulden", sagt Yuliia Bacical. Die 32-jährige Caritas-Mitarbeiterin stammt aus der Ukraine, dort hat sie Philosophie studiert. Bei der Caritas-Schuldnerberatung in Trier betreute sie einige Zeit die Ehrenamtlichen. Einer von ihnen ist der 68-jährige Siegfried Bielau, ein erfahrener Justizbeamter. "Er ist die Ruhe selbst und sagt immer als Erstes zu den Klienten: Gut, dass Sie da sind, gemeinsam werden wir eine Lösung finden", erzählt Yuliia begeistert. "Ohne Leute wie ihn würde unsere Beratungsstelle nicht funktionieren", erklärt die Caritas-Mitarbeiterin. Doch trotz dieser ehrenamtlichen Unterstützung gibt es lange Wartelisten – bis zu einem Jahr. In die Beratung kommen viele junge Menschen, die durch Werbeslogans wie "buy now, pay later" in die Schuldenfalle geraten sind. Aber auch, und das macht dem Rentner Bielau große Sorgen, immer mehr ältere, die mit ihrer kleinen Rente nicht auskommen. Bielau ahnt, wie schwer es ist, die Scham zu überwinden und sich Hilfe zu holen. Deshalb macht der ehemalige Justizrechtsrat ihnen allen Mut und zollt ihnen Respekt: "Verschuldung ist wie eine Sucht, da schafft man es nicht alleine raus." Um finanzielle Schieflagen von vornherein zu vermeiden, geht einer von Bielaus Kollegen regelmäßig in Schulen. Aber nicht nur fehlendes Wissen, sondern auch Schicksalsschläge wie Scheidung, Arbeitslosigkeit oder eine chronische Erkrankung sind Ursachen dafür, dass Menschen den Halt verlieren und Kredite nicht mehr bedienen können. Deshalb warnt Yuliia vor Überheblichkeit, denn: "Verschuldet zu sein, kann uns allen passieren."