Freiburg/Berlin, 9. September 2026. Während der Bundestag über die Höhe der Etats für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe berät, fordert Caritas international, das Hilfswerk der deutschen Caritas, einen grundlegenden Kurswechsel bei der Art, wie Deutschland internationale Zusammenarbeit finanziert.
"Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie viel geben wir aus? Sondern: Wie geben wir es aus?", sagt Patrick Kuebart, Leiter Internationale Programme und Katastrophenhilfe bei Caritas international. "Wir finanzieren Hilfen in Krisen, die zehn Jahre dauern, mit Förderlogiken, die oft nach zwölf Monaten neu beginnen. Das ist teuer, langsam und ineffizient."
Caritas international fordert deshalb, dass bis spätestens 2028 mindestens 50 Prozent der dafür geeigneten Mittel in humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit mehrjährig und flexibel vergeben werden. Organisationen und ihre lokalen Partner sollen innerhalb vereinbarter Ziele auf veränderte Bedingungen reagieren können, ohne für jede Anpassung neue Anträge und Genehmigungen zu benötigen.
Für diese Reform wäre zunächst kein zusätzlicher Euro im Bundeshaushalt nötig.
Der Effekt wäre dennoch erheblich: weniger Zeit für Anträge und Verwendungsnachweise, mehr Planungssicherheit für lokale Partner, schnellere Reaktionen auf Krisen und weniger abrupte Projektabbrüche. Vor allem könnten lokale Organisationen vor Ort Personal, Infrastruktur und Partnerschaften langfristiger aufbauen, anstatt sie im Rhythmus jährlicher Haushaltsentscheidungen auf- und wieder abzubauen.
"Deutschland kann sich keine Entwicklungspolitik leisten, bei der Organisationen und ihre lokalen Partner mehr Zeit mit Förderanträgen als mit Wirkung verbringen", so Kuebart. "Wer in Zeiten knapper Haushalte Effizienz fordert, muss auch bereit sein, die eigene Förderbürokratie infrage zu stellen."
Die Haushaltsberatungen 2027 sollten deshalb nicht nur darüber entscheiden, welche Zahl am Ende unter den Einzelplänen des Entwicklungs- und des Außenministeriums steht. Der Bundestag sollte die Bundesregierung zugleich verpflichten, einen verbindlichen Fahrplan für mehrjährige und flexible Finanzierung, insbesondere für Organisationen mit lokalen Partnern, vorzulegen.
"Eine Milliarde, die planbar und flexibel eingesetzt werden kann, kann mehr bewirken als eine Milliarde in hundert starren Fördertöpfen. Haushaltskonsolidierung darf deshalb nicht nur heißen, weniger auszugeben. Sie muss auch heißen, klüger auszugeben," so Kuebart.
Caritas international ist das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes. Dieser gehört zum weltweiten Netzwerk der Caritas mit 162 nationalen Mitgliedsverbänden.