Mainz. Die Caritas im Bistum Mainz hat am Montag einen Erinnerungsort eröffnet - für alle Menschen, die in Caritas und Kirche Leid erfahren haben. Zentrum des Ensembles auf dem öffentlich zugänglichen Außengelände der Geschäftsstelle in der Bahnstraße 32 in Mainz-Bretzenheim ist eine Skulptur der Künstlerin Stefanie Theberath. Sitzbänke laden Mitarbeitende des Verbandes, Gäste des Hauses der Caritas im Bistum Mainz und Passant: innen zum Innehalten, Verweilen und der Auseinandersetzung mit dem Geschehenen ein. "Dieser Ort ruft zum Erinnern auf und verpflichtet uns zugleich für die Zukunft", so Diözesancaritasdirektorin Regina Freisberg. Die Bevollmächtigte des Generalvikars, Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth sagte, der Erinnerungsort sei eine Einladung an Betroffene: "Ihr seid gemeint. Eure Erfahrung zählt."
Anstoß für den Erinnerungsort waren insbesondere die 2023 veröffentlichte EVV-Studie des Bistums Mainz zur Aufklärung von Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sowie die Studie zur Aufarbeitung der Geschichte der früheren Caritas-Kinderkurheime in Allerheiligen und Bad Nauheim 2024. "Menschen, die in Einrichtungen von Caritas und Kirche Schutz gesucht haben, haben dort Unrecht und Leid erfahren. Das ist Teil unserer Geschichte, der wir uns stellen", sagte Diözesancaritasdirektorin Freisberg. Ihre Vorstandskollegin Nicola Adick ergänzte: "Die an dem Erinnerungsort angebrachten Sätze ‚Wir schauen hin. Wir hören zu. Wir handeln‘ bedeuten einen Auftrag. Wir müssen sie in unserer Arbeit einlösen, etwa in Prävention und Intervention, im Umgang mit Verdachtsfällen und in der Art und Weise, wie wir Betroffenen zuhören." Ordinariatsdirektorin Rieth sagte: "Dieser Ort steht für Achtsamkeit als Haltung: aus dem Wissen und der Kenntnis der Geschichte heraus aufmerksam, zugewandt, verantwortungsvoll zu begegnen - nach innen und außen."
Der Erinnerungsort entstand im Zuge eines umfangreichen Aufarbeitungsprozesses im Caritasverband für die Diözese Mainz und in Abstimmung mit dem Bistum Mainz. Dazu gehörten eine Befragung der Mitarbeitenden, die Planung innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur und auch die Beratung mit dem Betroffenenbeirat des Bistums Mainz.
Die Mainzer Künstlerin Stephanie Theberath gab dem Erinnern eine Form. Die Skulptur zeigt eine Figur, die eine Krone trägt, die jedoch Beschädigungen aufweist. Symbolisiert werden einerseits erlittene Verletzungen und andererseits die Kostbarkeit und auch innere Kraft jedes einzelnen Menschen. Die Außengestaltung des Erinnerungsortes lag bei der Darmstädter Architektin Dagmar Leichtweiß.
Weitere Informationen zum Erinnerungsort: www.caritas-bistum-mainz.de/erinnerungsort
Informationen zur Künstlerin Stefanie Theberath: Biografie | Stefanie Theberath