Hintere Reihe (v. l. n. r.): Heidi Brem, Gerald Schröder, Maximilian Bäumler, Raimund Kreutzer, Michaela Meindl. Vordere Reihe (v. l. n. r.): Pfarrvikar Binoy Xavier, die vier Auszubildenden des Assisi Institute of Foreign Languages in Kerala, Stadtpfarrer Carl-Christian Snethlage.
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Um dem zunehmenden Fachkräftemangel in der Pflege aktiv zu begegnen, geht das Caritas-Berufsbildungszentrum Zwiesel gemeinsam mit dem Diözesan-Caritasverband Passau und dem Kreiscaritasverband Regen neue Wege in der Fachkräftegewinnung im Pflegebereich.
Die Initiative geht auf Zwiesels Pfarrvikar Binoy Xavier zurück, der im vergangenen Jahr auf Schulleiter Raimund Kreutzer zuging. Gemeinsam entwickelten sie die Idee einer Kooperation mit dem Assisi Institute of Foreign Languages (AIFL) im indischen Bundesstaat Kerala. Das Institut bereitet junge Erwachsene gezielt auf eine Ausbildung und eine berufliche Zukunft in Deutschland vor.
Inzwischen haben sich die vier jungen Frauen aus Kerala dank des großen persönlichen Engagements von Pfarrvikar Binoy Xavier sehr gut eingelebt. Für sie bedeutet die Ausbildung in Deutschland eine große persönliche Chance und den Einstieg in einen langfristigen Berufsweg im Pflegebereich.
Die beteiligten Einrichtungen ziehen eine durchweg positive Bilanz. Gerald Schröder, Einrichtungsleiter des Caritas Altenheims St. Helena in Zwiesel, betont: "Die Auszubildenden bringen eine hohe Motivation und Offenheit mit. Sie sind eine echte Bereicherung für unsere Einrichtungen, und wir können uns gut vorstellen, die Zusammenarbeit weiter auszubauen."
Maximilian Bäumler, Einrichtungsleiter des Caritas Wohn- und Pflegezentrums St. Elisabeth in Regen , hebt einen anderen Aspekt hervor: "Für uns ist dieser Weg der Fachkräftegewinnung besonders überzeugend, weil er langfristig angelegt ist. Die jungen Menschen kommen mit klaren Erwartungen und einer realistischen Perspektive nach Deutschland. Das schafft Verlässlichkeit - für die Auszubildenden ebenso wie für unsere Einrichtung."
Schulleiter Raimund Kreutzer zeigt sich sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Projekts: "Dank der guten schulischen Vorbereitung in Indien, der hohen Integrationsbereitschaft der Auszubildenden und eines gemeinsamen Werteverständnisses ist diese Kooperation ein großer Erfolg. Wir freuen uns sehr auf weitere Schülerinnen und Schüler aus Kerala und auf den Ausbau dieser Partnerschaft."
Michaela Meindl, Abteilungsleiterin Bildung im Diözesan-Caritasverband Passau, ergänzt: "Gerade bei einem so komplexen Vorhaben ist eine enge und reibungslose Zusammenarbeit aller beteiligten Caritas-Einrichtungen entscheidend. Ich freue mich sehr darüber, wie konstruktiv und lösungsorientiert Schule, Verband und Praxiseinrichtungen hier zusammenarbeiten. Dieses Miteinander ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg des Projekts."
Perspektivisch ist geplant, die Zusammenarbeit mit dem Assisi-Institut weiter auszubauen und auch künftig regelmäßig Auszubildende über diese Partnerschaft für die Pflegeausbildung in der Region zu gewinnen. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie kirchliche Bildungsarbeit, internationale Partnerschaft und praktische Pflegeausbildung ohne Gewinnerzielungsabsicht erfolgreich miteinander verbunden werden können.
Das Besondere an dieser Zusammenarbeit: Die Schülerinnen und Schüler erwerben am Assisi-Institut nicht nur fundierte Deutschkenntnisse, sondern werden bereits pflegerisch geschult und intensiv auf die Anforderungen einer Ausbildung in Deutschland vorbereitet. Das Institut verfügt über hochqualifizierte Lehrkräfte, darunter auch ehrenamtliche Unterstützer aus Deutschland, und arbeitet eng mit kirchlichen Einrichtungen, Bildungsträgern und Prüfungszentren in Deutschland zusammen. Träger des Instituts sind die Kapuziner des Assisi Ashrams in Bharananganam, einem bekannten Wallfahrtsort im Süden Indiens.
Als betriebliche Partner für die praktische Ausbildung konnten das Caritas Altenheim St. Helena in Zwiesel sowie das Caritas Wohn- und Pflegezentrum St. Elisabeth in Regen gewonnen werden. Nachdem sich die Kapuziner, die das Institut in Kerala betreiben, im Sommer persönlich bei Schulleiter Raimund Kreutzer sowie bei den Einrichtungsleitungen Maximilian Bäumler und Gerald Schröder vorgestellt hatten, fiel rasch der Entschluss, vier potenzielle Auszubildende nach Deutschland zu holen.
Ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Vermittlungsmodellen: Für die Vermittlung der Auszubildenden floss kein Geld. "Diese Kooperation zeigt eindrucksvoll, wie tragfähig kirchliche Netzwerke sein können", betont Heidi Brem, Abteilungsleiterin Altenhilfe im Diözesanen Caritasverband. "Besonders wertvoll ist dabei die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen unserer Abteilung und dem Caritas-Berufsbildungszentrum in Zwiesel. Wenn Schule, Verband und Einrichtungen an einem Strang ziehen, entstehen faire, transparente und nachhaltige Wege der Fachkräftegewinnung - ganz ohne kommerzielle Vermittlungsstrukturen."
Ganz ohne Herausforderungen verlief der Weg dennoch nicht. Insbesondere die Wohnungssuche stellte die Beteiligten vor Schwierigkeiten. Stadtpfarrer Carl-Christian Snethlage nutzte hier als stellvertretender Vorsitzender des Mädchenwerks Zwiesel e. V., der seit der Übergabe der Schulträgerschaft als Förderverein des Caritas-Berufsbildungszentrums engagiert ist, sein Netzwerk und konnte zwei passende Unterkünfte organisieren.
Auch die behördlichen Anforderungen im Rahmen der Visaverfahren erforderten Geduld und intensive Abstimmung. Michaela Meindl erklärt dazu: "Die Verfahren sind komplex und zeitaufwendig. Entscheidend ist eine enge Begleitung der Auszubildenden und eine gute Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen, so konnten auch diese Hürden erfolgreich überwunden werden."