Die Träger der katholischen Altenhilfe in Württemberg appellieren an die künftige Landesregierung, die Pflege im Koalitionsvertrag entschlossen zu stärken. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um die Versorgung von Menschen, die auf Unterstützung in Pflegeheimen oder durch Sozialstationen angewiesen sind, verlässlich zu sichern und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Dafür brauche es vor allem mehr Vertrauen in die Kompetenzen des gut ausgebildeten Pflegepersonals sowie in die gemeinnützigen Anbieter von Pflege - und zugleich den Mut, bürokratische Vorschriften zu reduzieren. "Wir hatten noch nie so viel Personal in der Pflege wie aktuell. Engpässe entstehen auch, weil unsere Fachkräfte nicht flexibel genug mit den zu betreuenden Menschen arbeiten können", sagten die Sprecher des württembergweiten "Netzwerk Alter und Pflege" Pia Theresia Franke (Vorständin Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung) und Boris Strehle (Leiter der Altenhilfe, Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn) bei der jährlichen Netzwerkversammlung. Angesichts des steigenden Kostendrucks sei es an der Zeit, Pflegekräfte stärker als Teil der Lösung zu begreifen und ihre Kompetenzen konsequent zu nutzen.
Derzeit könnten vorhandene Ressourcen in der Pflege nicht optimal eingesetzt werden, betonten die Sprecher*in. "Pflegefachpersonen sind hochqualifiziert und können in klar definierten Bereichen mehr Verantwortung übernehmen." Die Diagnose bleibe in ärztlicher Verantwortung, aber die Pflegefachpersonen könnten die Leistungen stärker eigenverantwortlich durchführen.
Für eine moderne und zukunftsfähige Pflege müsse diese stärker an aktuellen Erkenntnissen aus Forschung oder Psychologie ausgerichtet werden, betonten die Sprecher*in. "Zur Teilhabe gehört heute beispielsweise einfach auch der Zugang zum Internet. Und wir wissen immer mehr über Prävention und Krankheitsbilder wie etwa Demenz. Solche Entwicklungen müssen wir in unsere Arbeit einbeziehen." Die Landesregierung sollte Programme und Förderstrukturen ausbauen, die den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Pflegepraxis sichern, insbesondere in den Bereichen Demenz und Prävention von Einsamkeit.
Pflege dürfe sich dabei nicht auf die reine Versorgung beschränken, sondern müsse auch Bildung sowie soziale Teilhabe älterer Menschen in den Blick nehmen. Persönlichkeitsentwicklung ende nicht im Alter, sondern trage dazu bei, das Leben auch mit Einschränkungen als lebenswert zu erfahren. "Unser Anspruch ist es, das Zutrauen in die Menschen zu stärken und Lebensqualität und Selbstbestimmung zu sichern."
Im Rahmen der Netzwerkversammlung wurde daher die Bedeutung einer klaren Koordinationsrolle der Landesregierung für den weiteren Austausch hervorgehoben. Es sei eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, sich respektvoll um Menschen im Alter zu kümmern. Vor diesem Hintergrund bietet das Netzwerk Alter und Pflege der neuen Landesregierung eine enge Zusammenarbeit an, um gemeinsam tragfähige und nachhaltige Lösungen im Sinne der Daseinsvorsorge zu entwickeln. "Wir wollen Versorgungssicherheit aktiv gestalten", so Strehle und Franke. "Wir tragen Verantwortung für die Menschen, die auf diese Angebote angewiesen sind, und müssen Pflege, Betreuung und Bildung kontinuierlich weiterentwickeln."
Die Impulse für den Koalitionsvertrag der Caritas BW finden Sie hier:
Im "Netzwerk Alter und Pflege" haben sich 63 katholische Träger der stationären und ambulanten Altenhilfe in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammengeschlossen. Sie vertreten 259 Einrichtungen und Dienste. Die rund 13.000 Mitarbeitenden unterstützen und begleiten Menschen in unterschiedlichen Bedarfslagen auf hohem professionellen Niveau und nach anerkannten Standards - bei tariflicher Bezahlung. In Kooperation mit Akteuren aus Kirche, Politik, Kommunen und Praxis setzen sich die katholischen Träger dafür ein, durch Pflege und Betreuung die Lebensqualität der Menschen bestmöglich zu fördern.
Hier finden Sie Bilder der Sprecher des Netzwerk Alter und Pflege zum Download:
Pia Theresia Franke: https://cms.carinet.de/cms/contents/caritas-rottenburg-s/medien/bilder/menschen/franke/franke_2.jpg
Boris Strehle: http://www.caritas-rottenburg-stuttgart.de/cms/contents/caritas-rottenburg-s/medien/bilder/bilder-pressemeldung/strehle/strehle.jpg