Arbeitsmigranten fair begegnen
Unsere Anregungen für eine Willkommenskultur gegenüber Migrant(inn)en:
Informiere dich
Wer kocht, spült, putzt oder erntet zu welchem Lohn und zu welchen Bedingungen? Traust du dich? Es geht nicht darum, Zollfahnder auf der Suche nach Schwarzarbeitern zu spielen, sondern irreguläre Arbeitsverhältnisse in Frage zu stellen.
- Zahle lieber etwas mehr für das Menü, das Hotelzimmer oder den Spargel.
Wer länger in Deutschland leben oder arbeiten möchte, benötigt eine Aufenthalts- oder eine Niederlassungserlaubnis, die nicht ohne weiteres zu bekommen ist.
EU-Bürger(inne)n ist das aufgrund der Freizügigkeitsrechte automatisch erlaubt – sofern sie für ihren Lebensunterhalt (überwiegend) selbst aufkommen.
- Aktuelle Informationen zum Thema Aufenthalts- und Arbeitsrecht gibt es auf den Seiten des Deutschen Caritasverbandes.
- Umfassende, grafisch aufbereitete Fakten zum Thema „Migration“ kannst du hier checken: www.e-politik.de/wissenswerte/migration
Schätzungen gehen von 450.000 Menschen in aufenthaltsrechtlicher Illegalität aus, von denen viele Opfer von Dumping-Löhnen oder gar Zwangsprostituion werden. Was tut die Politik, um diese rechtlosen Menschen vor Ausbeutung zu schützen?
- Hier findest du mühelos die Kontaktdaten unserer Abgeordneten: www.abgeordnetenwatch.de
Verhalte dich fair
Stellst du eine ausländische Arbeitskraft als Saisonarbeiter(in) oder im Haushalt an, etwa zur Unterstützung der Pflege eines Angehörigen, zahle ihnen einen gerechten Lohn.
- Informationen dazu gibt es in einem Leitfaden des Deutschen Caritasverbandes
Was passiert, wenn eine nicht sozialversicherte Arbeitskraft krank wird oder sich verletzt? Ein angemessener Lohn allein hilft hier nicht. Wer seine Angestellten nicht versichert, handelt fahrlässig. Außerdem müssen branchenübliche und gesetzlich vorgeschriebene Arbeitsbedingungen eingehalten werden.
- Informationen dazu gibt es in einem Leitfaden des Deutschen Caritasverbandes
In Kooperation mit der Caritas Polen gibt es das deutsche Projekt caritas24 zur Vermittlung von Haushaltshilfen in Privathaushalte. Ansonsten frag bei deiner Kommune nach. Meist sind es die Arbeitsagenturen, die legal ausländische Arbeitskräfte vermitteln.
Einseitiges „duzen“ ist zum Beispiel ein Anzeichen, dass hier nicht Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Haus- und Pflegearbeit leidet allgemein unter einer viel zu geringen Wertschätzung, weil diese Tätigkeiten vermeintlich jeder leisten kann.
- Lass keine Geringschätzung zu – weder bei dir, noch bei anderen.
Viele Arbeitsmigrant(inn)en vermissen ihre zurückgelassene Heimat, vor allem wenn dort Teile der Familie leben. Ermögliche ihnen, den Kontakt zu ihren Angehörigen rege aufrecht zu erhalten:
- Zugang zu kostenloser Internettelefonie, Tipps für günstige Reisemöglichkeiten, Ansparung von Urlaubstagen oder Überstunden für längere Besuche.
Selbst wenn ihnen der legale Weg, in Deutschland zu arbeiten und zu leben, verwehrt bleibt, sehen sich viele aufgrund der Lage in ihrer Heimat dazu gezwungen, zuzuwandern.
- Interessiere dich für die Bedürfnisse der Zuwanderer – das schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre.
Engagiere dich
Fordere verständliche rechtliche Regeln, die niemanden diskriminieren; erteile den auf Hochqualifizierte ausgerichteten Nützlichkeitserwägungen mancher Politiker und Funktionäre eine Absage; empöre dich über verwehrte Familienzusammenführungen – durch Unterschriftenaktionen, Demonstrationen oder direkt: Jeder kann seine Bitten und Beschwerden an den Deutschen Bundestag richten: epetitionen.bundestag.de
…für die Rechte illegaler oder unterbezahlter Arbeitsmigrant(inn)en – in Leserbriefen, sozialen Netzwerken, Gemeinderatssitzungen, Parteiversammlungen oder am Stammtisch.
Migrant(inn)en müssen oft noch die deutsche Sprache lernen, sich mit den neuen Gegebenheiten zurecht finden, brauchen Unterstützung bei Bewerbungen. Kinder und Jugendliche benötigen Hausaufgabenhilfe.
- Nutze die Ehrenamtsbörse der Caritas oder suche dir geeignete Ansprechpartner hier.
- Viele Einsatzmöglichkeiten findest du auch über Zeitspenden bei www.betterplace.org.
Der Abfluss von Arbeitskräften ins Ausland kann Lücken im heimischen Arbeitsmarkt hinterlassen. Oder Angehörige bleiben alleine zurück, Kinder werden zu „Sozialwaisen“. Hier sind die Herkunftsstaaten gefragt. Einstweilen können Hilfswerke mit Kooperationen, Kinder- und Jugendprojekten oder Migrationsberatungen vor Ort Probleme lindern. Zum Beispiel in der Ukraine.