Vertreterinnen und Vertreter der Liga-Verbände und des Kreises beim Empfang: (v.l.) Carmen Hobohm (DRK), Christoff Jung (Diakonie), Eva Hofmann (Vorsitzende, Caritas), Tatjana Brüggemann (Paritätische), Marion Götz (Kreisbeigeordnete), Jan Weckler (Landrat), Sven Malsy (Paritätische) und Erika Maltzahn (AWO).Quelle: Caritasverband Gießen
Zur Liga gehören Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie und der Paritätische. Eva Hofmann, Caritasdirektorin beim Caritasverband Gießen e.V., begrüßte als Vorsitzender der Liga Wetterau die Gäste. Unter ihnen waren unter anderem Landrat Jan Weckler, Kreisbeigeordnete Marion Götz, der Bad Nauheimer Bürgermeister Klaus Kreß, der Kreistagsvorsitzende Armin Häuser sowie die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. Mitarbeitende des Inklusionsprojekts Café Jost der Lebenshilfe Gießen sorgten für die Bewirtung.
Einsamkeit habe viele Gesichter und sei wie eine unsichtbare Mauer, sagte Bürgermeister Kreß. "Sie sind das Gegenteil. Sie bringen menschliche Wärme. Sie sind das soziale Immunsystem der Wetterau", sagte er zu den Mitarbeitenden der Liga-Verbände und dankte für "Zeit, Kraft und Herz", die sie investierten.
Auf den engen Zusammenhang von Armut und Einsamkeit und gesundheitliche Folgen wies Kreisbeigeordnete Marion Götz in ihrem Grußwort hin. Eine starke soziale Infrastruktur wirke präventiv, schaffe Sicherheit, stärke die Resilienz in Krisenzeiten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie dankte für die Arbeit der Liga-Verbände: "Ihr Engagement und Ihre Expertise sind für den Wetteraukreis unverzichtbar!"

Quelle: Caritasverband Gießen
"Einsamkeit ist eine der großen sozialen Herausforderungen unserer Zeit", betonte die Liga-Vorsitzende Eva Hofmann. Einsamkeit sei oft unsichtbar, aber keineswegs ein Randphänomen. Rund 19 Prozent der Deutschen fühlen sich manchmal oder häufiger einsam. Die Wohlfahrtsverbände erlebten einsame Menschen in ihrer täglichen Arbeit, sie machten Betroffenen aber auch vielfältige Hilfsangebote wie zum Beispiel Mütterzenten, Seniorenmittagstische, Familien- und Plaudercafés, Kinobesuche, offene Treffpunkte, Besuchsdienste und E-Rikscha-Fahrten. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher in diesen Projekten sei "unbezahlbar und ein Ausdruck einer lebendigen Zivilgesellschaft", sagte Eva Hofmann. Der Kampf gegen die Einsamkeit sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie forderte von der Politik "nachhaltige Finanzierung statt kurzfristiger Projektlogik, Strukturen, die Teilhabe ermöglichen, eine Stadt- und Sozialplanung, die Begegnung mitdenkt und das Ehrenamt stärkt. Vor allem aber brauchen wir ein gemeinsames Verständnis, dass Investitionen in soziale Infrastruktur Investitionen in den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind."
Über das Thema Einsamkeit diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Wetterauer Parteien: (v.l.) Moderator Sven Malsy (Paritätische), Verena Maienschein (Volt), Gabi Faulhaber (Linke), Peter Heidt (FDP), Isil Yönter (Grüne), Christine Jäger (SPD) und Dirk Vogel (CDU). Quelle: Caritasverband Gießen
Ein Film von Caroline Kebekus führte tiefer ins Thema ein. Danach äußerten sich Vertreterinnen und Vertreter Wetterauer Parteien in einer Podiumsdiskussion mit Sven Malsy vom Paritätischen zum Thema. Auch Peter Heydt (FDP), Christine Jäger (SPD), Dirk Vogel (CDU), Isil Yönter (Grüne), Gabi Faulhaber (Linke) und Verena Maienschein (Volt) berichteten, dass sie Einsamkeit vielfach wahrnehmen. Auf die Frage, was sie politisch umsetzen würden, wenn sie, so Malsy, zwei Wünsche frei hätten, kamen sehr unterschiedlich Vorschläge: mehr barrierefreie Zugänge im öffentlichen Raum, mehr Förderung der Vereine und der Jugendarbeit, Förderung generationsübergreifender Projekte, Grünanlagen als Orte der Begegnung, guter Öffentlicher Personennahverkehr, genossenschaftliches Wohnen und vieles mehr. Malsy bedankte sich mit je einer Tafel "Liga-Schokolade" mit der Aufschrift "Gemeinsam, und nicht einsam". Für einen humorvollen und zugleich nachdenkliche Zusammenfassung des Tages sorgte "Wortsurfer" Axel Garbelmann.
Die Gäste blieben nach dem Programm noch zu Austausch und Gespräch zusammen.