
Eine Mutter hat sich mit ihrem Sohn überworfen. Sie haben schon lange Probleme miteinander gehabt. Haben sich schwergetan, einander zu verstehen, ihre gegensätzlichen Meinungen auszuhalten und ihre unterschiedlichen Auffassungen zu akzeptieren. Und so ist es eines Tages dazu gekommen, dass sie sich nichts mehr zu sagen hatten. Sie haben einander aufgegeben. Ihre Beziehung war zerbrochen.
Niemand wünscht sich eine solche oder ähnliche Erfahrung in seinem Leben. Und doch ist es so, dass sich innerhalb von Familien, unter Freunden und auch zwischen den Generationen immer wieder unschöne Gräben auftun können. Dort hineinzustolpern, kann schnell einmal passieren. Denn Stolperfallen gibt es genug.
Wie gut, dass wir es selbst in der Hand haben, ob wir hineintappen oder nicht! Wir haben es in der Hand, zu vermitteln, Dialog zu fördern, Hoffnung auf Versöhnung wachzuhalten und Vertrauen zu schaffen! Es liegt allein an uns, dem Verbindenden in unseren Familien, in unseren Freundschaften und zwischen den Generationen den Vorrang geben. Das erfordert den Mut und die Stärke von Nächstenliebe und Barmherzigkeit.
Die diesjährige Caritaskampagne lädt uns ein, die Kraft der Nächstenliebe noch mehr in uns und für andere wirken zu lassen. Um so Menschen miteinander zu verbinden. Wer seinem Mitmenschen zugewandt ist, vermag die Hand in der Geste der Versöhnung über einen Graben hinweg zu reichen.
Einer, der wohl immer wieder herausgefordert war, für Zusammenhalt und für Verständigung unter den Menschen seines Reiches zu sorgen, war König Salomo. Von ihm erzählt das Alte Testament. Ihm schien bewusst zu sein, dass er diese große Aufgabe nur dann bewältigen kann, wenn er es versteht, aufmerksam zuzuhören. Und so bat er Gott um ein "hörendes Herz" (1 Kön 3,9). Eine weise Bitte eines weisen Herrschers.
Wir tun gut daran, bei Gott auch um ein "hörendes Herz" zu bitten. Gerade dann, wenn ein unbedachtes Wort uns bereits auf der Zunge liegt und dieses eine zwischenmenschliche Beziehung empfindlich stören würde. Zuhören ist ein Akt der Nächstenliebe. Aus beteiligtem Zuhören entsteht Verständigung, aus Verständigung erwächst Verbindung.