Foodsharing-Botschafterin Martina Lindner (links) und Caritas-Kreisstellenleiterin Alexandra Trögl Eichner – hier beim „Fairteiler“ in der Kreisstelle – sind mit dem Ergebnis ihres Kooperationsprojektes nach einem Jahr zufrieden. Foto: Caritas / Peter Esser
"Wir haben das gute Gefühl, zwei sinnvolle Dinge auf einmal zu tun: erstens Lebensmittel zu retten und zweitens damit sozial bedürftigen Menschen zu helfen." Alexandra Trögl Eichner, Leiterin der Caritas-Kreisstelle Weißenburg, zieht ein positives Fazit des Kooperationsprojektes "Fairteiler" in Weißenburg, das sie seit genau einem Jahr mit der Foodsharing-Gruppe im Bezirk Weißenburg-Gunzenhausen betreibt. Deren Botschafterin Martina Lindner sieht das genauso: "Wir konnten durch diese Aktion schätzungsweise zweieinhalb bis drei Tonnen Lebensmittel retten, etwa 50 Kilo pro Woche, die Menschen zugutegekommen sind, die sie wirklich benötigen."
Jeden Dienstag und Donnerstag Foodsaving und Abgabe an bedürftige Menschen
Jeden Dienstag und jeden Donnerstag seit Juli vergangenen Jahres holen ehrenamtliche "Foodsaver" Waren in einem größeren und einem kleineren Betrieb in Weißenburg ab, die deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für sie auf die Seite gestellt haben: Produkte, die dort nicht mehr verkauft -, die aber noch verzehrt werden können. Diese bringen die Foodsaver zum "Fairteiler" in der Caritas-Kreisstelle und sortieren sie in einem Kühlschrank und einem Regal ein: vor allem Obst und Gemüse sowie Backwaren. Vor der Kreisstelle warten dann nach Mitteilung von Alexandra Trögl Eichner bereits rund 20 Personen, um diese abzuholen. "Es sind vor allem sozial bedürftige Familien, ältere Menschen mit kleiner Rente, Asylbewerber und Klientinnen und Klienten unserer Dienste Allgemeine Sozialberatung und Rechtliche Betreuung", informiert die Caritas-Kreisstellenleiterin.
In Konkurrenz zur ortsansässigen Tafel tritt man mit dem Projekt nach Überzeugung von Alexandra Trögl Eichner und Martina Lindner nicht: "Für die Tafel werden die Produkte montags und mittwochs abgeholt", so die Foodsharing-Botschafterin. Und die Kreisstellenleiterin ergänzt: "Für die Rentner, die zu uns kommen, wäre der Weg zur Tafel im Industriegebiet zu weit." Außerdem könnten in der Kreisstelle auch nicht bedürftige Menschen die Lebensmittel abholen, um diese zu retten, "doch tatsächlich sind es zu 90 Prozent Leute, die sie wirklich für ihren Lebensunterhalt benötigen", erklärt Trögl Eichner. Waren, die sich für den menschlichen Verzehr nicht mehr eignen wie etwa Salate, die bereits zum Teil braun sind, "holen einige Leute zur Tierfütterung ab. Manches muss natürlich aber auch entsorgt werden", so die Kreisstellenleiterin.
Ehrenamtliche Person zur Koordinierung der Abgabe in Kreisstelle gesucht
Martina Lindner ist begeistert von dem "Win-win-Projekt" von Foodsharing und Caritas und freut sich darüber, dass die "Foodsaver" von den Caritas-Mitarbeitenden in der Kreisstelle stets "herzlich willkommen sind" und ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ein Problem ist laut Alexandra Trögl Eichner allerdings, dass bei den Abholerinnen und Abholern das Prinzip "Wer zuerst kommt, malt zuerst" gelte. Einige bekämen so viel, andere nur wenig. Die Kreisstellenleiterin wünscht sich daher eine ehrenamtliche Person, die dienstags und donnerstags um 14.30 Uhr in die Kreisstelle kommen kann, um die Abholaktion der "hereinstürmenden Klientinnen und Klienten" etwas zu koordinieren und die Waren möglichst gleichmäßig zu verteilen, "damit der Fairteiler auch wirklich ein fairer Verteiler wird". Außerdem sollte der und die Ehrenamtliche, so Alexandra Trögl Eichner, "mit einem kurzen Blick auf den Kühlschrank und die Regale übrig gebliebene Lebensmittel aussortieren und den Fairteiler sauber und hygienisch halten".
Die Kreisstellenleiterin freut sich, dass auch immer wieder Bürgerinnen und Bürger Lebensmittel zu den Öffnungszeiten der Stelle für den "Fairteiler" abgeben. "Schön wäre es natürlich, wenn wir neben Obst, Gemüse und Brot auch noch etwas mehr Wurst und Käse sowie Quark und Jogurt bekommen könnten", erklärt Alexandra Trögl Eichner. Sie freut sich, dass die "Abgeber" bei ihrem Besuch in der Kreisstelle auch immer wieder einmal deren Dienste mit Interesse zur Kenntnis nehmen, die sie noch nicht kannten, "zum Beispiel unser Angebot Essen auf Rädern". Die Kreisstellenleiterin weist darauf hin, dass es im Raum des Fairteilers auch ein Regal gibt, in das nicht mehr gebrauchte Bücher gestellt werden können "und aus dem man sich aber auch kostenlos bedienen kann".
Noch mehr Betriebe erwünscht, die sich an Aktion beteiligen
Martina Lindner würde sich freuen, wenn sich weitere größere und kleinere Betriebe an der Aktion Foodsharing beteiligen. Interessierte können an gunzenhausen@foodsharing.network schreiben oder Martina Lindner unter 0171 8065574 anrufen. Leute, die sich vorstellen können, in der Kreisstelle bei der Koordinierung der Abgabe von Lebensmitteln an sozial bedürftige Menschen ehrenamtlich mitzuarbeiten, können bei der Caritas Weißenburg unter 09141 87339-30 anrufen oder eine E-Mail an kreisstelle@caritas-weissenburg.de schreiben.