Austausch in Gemeinschaft Gleichbetroffener sind die regelmäßigen Treffen in den Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes. Foto: Caritas/Peter Esser
"Hoffnung verändert Leben". Unter diesem Motto steht die Frühjahrssammlung des Caritasverbandes für die Diözese Eichstätt. Vielen suchtkranken Menschen im Bistum und darüber hinaus haben Selbsthilfegruppen des Caritas-Fachverbandes Kreuzbund Hoffnung gegeben. Drei Beispiele sind der Vorsitzende des Kreuzbund Diözesanverbandes Eichstätt, Jürgen Liévre, und Klaus Müller sowie Peter Schmidt - die in Wirklichkeit anders heißen. Alle drei haben aufgrund ihrer Suchterkrankung ein schweres Leben gehabt, das sich dank ihres wöchentlichen Besuchs einer Kreuzbund-Selbsthilfegruppe in Ingolstadt jeden Mittwochabend aber zum Besseren verändert hat.
In die Alkoholabhängigkeit hineingeschlittert
Der 73-jährige Jürgen Liévre aus Ingolstadt hatte sich bereits Ende der Sechzigerjahre, als er in den USA lebte, mit illegalen Drogen herumgeschlagen. Er war vor allem lange kokainsüchtig. "Irgendwann ging das nicht mehr, weil ich nicht mehr genug Geld dafür hatte. Ich hatte monatlich zwischen 10.000 und 15.000 Mark für das Zeug ausgegeben." Als er aufhörte, Kokain zu konsumieren, fiel er allerdings "in ein Loch" und begann, Wodka zu trinken. "Ich schlitterte immer mehr in eine Alkoholabhängigkeit hinein", erzählt Liévre. Zwei Ehen gingen in die Brüche. Seine Kinder und später Enkel wandten sich von ihm ab. Rund zehn Mal war er auf verschiedenen Entgiftungsstationen, was allerdings nichts dauerhaft an seiner Krankheit änderte.
Letztlich half ihm sein Hausarzt, der eine Entwöhnung für den alkoholkranken Mann in die Wege leitete. 15 Wochen war er dafür im Klinikum Ingolstadt, anschließend kam er in eine Nachsorge bei der Caritas-Suchtambulanz Ingolstadt. "Dort haben mir die Gruppenstunde jede Woche und alle vier Wochen das Einzelgespräch mit einem persönlichen Therapeuten geholfen", berichtet Liévre. Schon während des Klinikaufenthaltes lernte er den Kreuzbund kennen, der sich dort regelmäßig vorstellt, schloss sich einer Selbsthilfegruppe an und ist seitdem abstinent. Seit dem Jahr 2014 geht er regelmäßig in eine Gruppe, die an jedem Mittwochabend in einem Raum der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt zusammenkommt. "Diese hat mir sehr geholfen. Seitdem bin ich nicht mehr rückfällig geworden", erklärt er und ergänzt: "Geholfen hat mir vor allem der Austausch mit Mitbetroffenen nach dem Motto ‚Geteiltes Leid ist halbes Leid‘. Das Reden mit den anderen hat regelrecht eine befreiende Wirkung." Auch habe er dort hilfreiche praktische Tipps bekommen: zum Beispiel viel Wasser zu trinken und sich viel zu bewegen.
Klaus Müller (68) aus Ingolstadt wuchs in einer Familie mit einer Gastronomie auf. "Ich hatte schon mit 14 meinen ersten Rausch. Ich trank Alkohol so wie andere Cola tranken", erzählt er. Dass er alkoholabhängig ist, wurde ihm hingegen erst klar, als er etwa 40 Jahre alt war. Seinerzeit wurde ihm wegen Alkohol am Steuer der Führerschein entzogen. Er wusste, dass er etwas tun musste, ansonsten wäre sein beruflicher Weg im öffentlichen Dienst gefährdet gewesen. Seinerzeit wohnte er in München. Sein damaliger Personalchef empfahl ihm, in eine Selbsthilfegruppe des Kreuzbundes zu gehen, was er dann auch tat. "Hier konnte ich über Probleme reden, die ein Außenstehender nicht versteht", erklärt er, wie er dort neue Hoffnung für sein Leben gewann. Er blieb denn auch zehn Jahre trocken. Doch dann griff er wieder einmal zu einer Flasche Bier. "Ich habe die Wirkung unterschätzt", sagt er heute. 2020 wurde ihm wieder der Führerschein abgenommen.
Daraufhin ging er in die Selbsthilfegruppe des Kreuzbundes, die sich am Mittwochabend in der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt trifft. Und in dieser ist er bis heute geblieben. "Ich denke, jetzt habe ich den Schalter endgültig umgedreht", machen ihm die Treffen dort Hoffnung. Er hat eine neue Lebensgefährtin gefunden, nachdem seine Ehe wegen des Alkohols kaputt gegangen war. "Und ich habe jetzt richtige Freunde, auch hier beim Kreuzbund. Früher waren es keine Freunde, sondern ‚Saufkumpanen‘", so Klaus Müller.
Peter Schmidt, auch 68 Jahre alt, fing bereits mit 14 Jahren an, Alkohol zu trinken. Als er bei der Bundeswehr war und dann als Verwaltungsbeamter arbeitete, trank er nach eigenen Angaben zehn bis zwölf Flaschen Bier am Tag. Im Jahr 2005 wurde er mit 1,63 Promille am Steuer erwischt. Auch seine Ehe ging in die Brüche. Er schaffte es, mit dem Trinken aufzuhören. Als er 2012 eine Depression erlitt, griff er aber wieder zur Flasche und dieses Mal zu Schnaps. Schließlich entschied er selbst, damit wieder aufzuhören und zwar durch einen "kalten Entzug", also durch das sofortige eigenständige Absetzen von Alkohol ohne medizinische Hilfe. Dieser ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden, kann zum Beispiel Krampfanfälle auslösen. "Doch ich wollte das selbst schaffen", meint er. Er hatte Glück, dass ihm nichts passierte, doch 2023 wurde er rückfällig aufgrund von Beziehungsproblemen. "Ich trank oft eine Flasche Schnaps am Tag", erinnert er sich. Er ging im Februar 2025 auf eine Entgiftungsstation, "seitdem trinke ich nichts mehr".
"Hier fühle ich mich sehr gut aufgehoben"
Seit einem Jahr kommt Peter Schmidt regelmäßig in die Kreuzbund-Selbsthilfegruppe am Mittwochabend in der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt. "Hier fühle ich mich sehr gut aufgehoben. Ohne die Gruppe hätte ich es nicht geschafft, trocken zu bleiben. Sie hat mir Hoffnung und Halt gegeben", sagt er. Jürgen Lièvre bestätigt ihm: "Du hast dich hier sehr gut entwickelt." Und der Vorsitzende des Kreuzbund Diözesanverbandes fügt hinzu: "Wir sind hier eine Gemeinschaft, in der wir uns nicht verurteilen, sondern gegenseitig verstehen und Hoffnung geben, damit sich unser Leben dauerhaft zum Guten ändert."
Kontakt:
Kreuzbund Diözesanverband Eichstätt, Roseneckstraße 3, 85049 Ingolstadt, Telefon: 0841 88665970, E-Mail: info@kreuzbund-eichstaett.de, Internet: www.kreuzbund-eichstaett.de