Gemeinsam lernen, erleben und wachsen: Die Auszubildenden und Freiwilligendienstleistenden des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn erlebten beim sechsten Azubitag in Köln zwei abwechslungsreiche Tage. Begleitet wurden sie unter anderem von Praxisanleitenden, Pflegedienstleitungen und Caritasdirektorin Stefanie Krones.Holger Pöritzsch
Zwei Tage voller neuer Erfahrungen, bewegender Begegnungen und wertvoller Gemeinschaft: Der sechste Azubitag des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn führte die Auszubildenden und Freiwilligendienstleistenden nach Köln. Unter dem Motto "Lernen. Erleben. Wachsen." stand dabei weit mehr als ein gemeinsamer Ausflug auf dem Programm. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit der deutschen Geschichte auseinander, beschäftigten sich mit gesellschaftlicher Verantwortung und erlebten, wie wichtig Zusammenhalt, gegenseitige Wertschätzung und kulturelle Vielfalt sind. Gleichzeitig machte die Veranstaltung deutlich, welchen Stellenwert die Ausbildung und die Förderung junger Menschen beim Caritasverband einnehmen.
Rund 60 Auszubildende zählt der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn derzeit. Der Großteil von ihnen absolviert eine Ausbildung in der Pflege, weitere junge Menschen qualifizieren sich als Koch oder in der Heilerziehungspflege. Eine Besonderheit: Viele der Auszubildenden kommen aus dem Ausland und haben sich bewusst dafür entschieden, ihre berufliche Zukunft in Deutschland und bei der Caritas aufzubauen. Diese internationale Vielfalt und Gemeinschaft prägt längst den Ausbildungsalltag des Verbandes und spielte auch beim diesjährigen Azubitag eine wichtige Rolle.
Geschichte verstehen und Verantwortung übernehmen
Der erste Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen der Erinnerungskultur und der gesellschaftlichen Verantwortung. Gemeinsam mit dem Verein ZWEITZEUGEN e.V. beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, antisemitischen Gesetzen und den Schicksalen von Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden - und wurden auf diese Weise selbst zu Zweitzeugen.
Geschichte, die bewegt: Beim Azubitag des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn in Köln beschäftigten sich die Auszubildenden gemeinsam mit dem Verein ZWEITZEUGEN e.V. mit den Schicksalen von Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden. Die Zitate auf den bunten Karten machten ihre persönlichen Geschichten eindrucksvoll erfahrbar und regten zum Nachdenken an.Holger Pöritzsch
Gerade für die zahlreichen internationalen Auszubildenden war dieser Programmpunkt von besonderer Bedeutung. Viele von ihnen sind in anderen Ländern aufgewachsen und hatten bislang nur wenige Berührungspunkte mit der deutschen Geschichte des Nationalsozialismus. Der Azubitag bot ihnen die Gelegenheit, sich intensiv mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte ihres neuen Heimatlandes auseinanderzusetzen und dessen Bedeutung für die heutige Gesellschaft besser zu verstehen.
Besonders eindrucksvoll war die Beschäftigung mit persönlichen Lebensgeschichten von Menschen, die während der NS-Zeit Verfolgung und Ausgrenzung erfahren mussten. In verschiedenen Arbeitsphasen und beim sogenannten "Gallery Walk" hatten die Auszubildenden Gelegenheit, sich mit den Erfahrungen der Betroffenen auseinanderzusetzen, ihre Eindrücke zu reflektieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Ein Rundgang zu Gedenkorten in Köln vertiefte das Erlebte. Dabei wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit keineswegs nur eine historische Aufgabe ist. Vielmehr geht es darum, aus der Geschichte zu lernen, Ausgrenzung und Diskriminierung zu erkennen und sich im Alltag für Menschenwürde, Respekt und ein friedliches Miteinander einzusetzen.
Gerade in einer so internationalen Gruppe erhielt diese Botschaft eine besondere Bedeutung. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion lernen und arbeiten beim Caritasverband gemeinsam. Die Auseinandersetzung mit den Folgen von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit schuf damit auch eine Verbindung zum eigenen beruflichen Alltag. Denn die Werte, für die die Caritas steht, müssen nicht nur vermittelt, sondern im täglichen Umgang miteinander gelebt werden.
Köln entdecken und Gemeinschaft stärken
Nach einem intensiven ersten Tag durfte auch das gemeinsame Erleben nicht zu kurz kommen. Bei einem geselligen Abendessen bot sich reichlich Gelegenheit, die Eindrücke des Tages auszutauschen und sich abseits des Arbeitsalltags besser kennenzulernen.
Am zweiten Tag stand die Domstadt selbst im Mittelpunkt. Bei Stadtführungen in mehreren Gruppen erkundeten die Teilnehmenden Köln und erfuhren viel Wissenswertes über die Geschichte und Besonderheiten der Rheinmetropole. Ein gemeinsamer Besuch des Kölner Doms einschließlich einer Domführung bildete einen weiteren Höhepunkt, bevor die Gruppe mit zahlreichen neuen Eindrücken die Heimreise antrat.
Neben den Auszubildenden aus Pflege und Behindertenhilfe sowie den jungen Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) waren auch Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter, Pflegedienstleitungen sowie Caritasdirektorin Stefanie Krones mit von der Partie. Der gemeinsame Austausch über Berufsgruppen, Einrichtungen und Hierarchieebenen hinweg war dabei ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung.
Ausbildung bei der Caritas: Berufliche Perspektiven und gelebte Integration
Mit dem Azubitag unterstreicht der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn, dass die Ausbildung junger Menschen weit über die Vermittlung von Fachwissen hinausgeht. Wer sich für eine Ausbildung bei der Caritas entscheidet, erlernt nicht nur einen zukunftsorientierten Beruf mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten, sondern wird Teil einer Gemeinschaft, in der Menschlichkeit, Solidarität und gegenseitige Unterstützung eine zentrale Rolle spielen.
Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Ausbildung internationaler Nachwuchskräfte zu. Der Caritasverband verfügt über mehrjährige Erfahrung darin, junge Menschen aus dem Ausland für eine Pflegeausbildung in Deutschland zu gewinnen, sie während ihrer Ausbildung zu begleiten und ihnen langfristige berufliche Perspektiven zu eröffnen. Inzwischen ist die internationale Nachwuchsgewinnung zu einem wichtigen Baustein der Fachkräftesicherung geworden.
Dabei geht es um weit mehr als die Besetzung offener Ausbildungsplätze. Wer aus einem anderen Land nach Deutschland kommt, muss sich nicht nur in einem neuen Beruf zurechtfinden, sondern häufig auch eine neue Sprache erlernen, kulturelle Unterschiede überwinden und ein soziales Umfeld aufbauen. Der Caritasverband setzt deshalb auf eine intensive persönliche Begleitung, sprachliche Förderung und Unterstützung bei alltäglichen Herausforderungen.
Wie erfolgreich dieser Weg sein kann, zeigen zahlreiche junge Menschen, die ihre Pflegeausbildung bei der Caritas abgeschlossen haben und inzwischen als examinierte Fachkräfte Verantwortung in den Einrichtungen und Diensten des Verbandes übernehmen.
Angesichts des steigenden Bedarfs an qualifizierten Fachkräften, insbesondere in der Pflege und der Behindertenhilfe, ist die Ausbildung für den Caritasverband eine wichtige Investition in die Zukunft. Dabei geht es nicht allein darum, Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. Ebenso wichtig ist es, jungen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft persönliche und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, willkommen und Teil einer starken Gemeinschaft zu sein.
Ein starkes Zeichen der Wertschätzung
Dass der mittlerweile sechste Azubitag erneut zu einem vollen Erfolg wurde, war auch der sorgfältigen Vorbereitung und engagierten Begleitung zu verdanken. Ein besonderer Dank gilt Personalreferentin Anna König und Ausbildungsleiterin Nadine Heil, die für die Organisation und Durchführung der beiden erlebnisreichen Tage verantwortlich zeichneten.
Am Ende waren es nicht nur die interessanten Programmpunkte, die den Azubitag auszeichneten. Es waren vor allem die Begegnungen, die gemeinsamen Gespräche und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein - unabhängig von Herkunft, Sprache oder kulturellem Hintergrund. Der sechste Azubitag zeigte damit einmal mehr: Ausbildung bei der Caritas bedeutet nicht nur, einen Beruf zu erlernen, sondern auch, gemeinsam zu wachsen, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft mitzugestalten.
- Wer sich für eine Ausbildung oder einen beruflichen Einstieg beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn interessiert, findet hier Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten.