Hanau/Main-Kinzig-Kreis. Unter dem Motto "Vom Weg" fand kürzlich der Jahresempfang der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst (AGH) im Dechant-Diel-Haus Hanau statt. Dabei zeigte sich, dass dieses Thema von gemeinsamen Wegen über Lebenswege und Umwege bis zu letzten Wegen ausgesprochen vielfältig sein kann.
AGH-Leiterin Annette Böhmer-Seeliger begrüßte die rund 100 Gäste, die mit ihrer Teilnahme ein Zeichen der Wertschätzung und Unterstützung für die Hospizarbeit setzten. Die Gäste erwartete ein kurzweiliger Abend mit anregenden Gedanken rund um das Leben, seine vielfältigen Begegnungen und Erlebnisse sowie persönlichen Einblicken in die Hospizarbeit.
Einen neuen Weg eingeschlagen haben auch Birgit Behrens-Muttke und Sarah Schäfer, die seit Anfang Oktober die neue Spitze des AGH-Vorstands bilden. Erstmals in der 29-jährigen Geschichte des Hospizdienstes stehen zwei Frauen an der Spitze des Vorstands, die beide eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin absolviert haben und weiterhin selbst als solche aktiv sind. "Wir wissen, wie es sich anfühlt, vor einer Haustür zu stehen, zu klingeln und nicht genau zu wissen, was einen dahinter erwartet", berichtet Behrens-Muttke. Für eine Begleitung gebe es keinen festen Gesprächsplan. Manchmal bewirke ein stilles Dableiben mehr als viele gut gemeinte Worte. "Hospizbegleitung bedeutet nicht, anderen Menschen ihren Weg zu erklären, sondern ein Stück mitzugehen", so Schäfer. "Es bedeutet neben einem Menschen zu bleiben, in seinem Tempo, mit seinen Fragen, mit seiner Hoffnung, seiner Angst und manchmal auch mit seinem Schweigen."
Beide dankten den rund 100 ausgebildeten Ehrenamtlichen der AGH, den fünf hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sowie den Netzwerkpartnern, Mitgliedern, Förderern und Spendern für ihre Unterstützung. Im kommenden Jahr feiert die AGH ihr 30-jähriges Bestehen. Auch wenn sich die Gesellschaft nur ungern mit den Themen Sterben, Tod und Trauer auseinandersetze, gehören diese doch zum Leben. Hospizarbeit hole diese Themen behutsam in die Mitte zurück. "Nicht um das Leben dunkler zu machen, sondern um zu zeigen, wie wertvoll es ist."
Auch der Hanauer Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri würdigte in seinem Grußwort das Engagement der Ehrenamtlichen: "Die Hospizarbeit zeigt, wie wundervoll es ist, Zeit zu schenken - den Menschen, die sie benötigen", stellte er fest. "Dafür verdienen Sie den allergrößten Respekt, Dank und Anerkennung von unserer Stadt." Bettina Müller, ehrenamtliches Mitglied des Kreisausschusses des Main-Kinzig-Kreises, hob eine eindrucksvolle Zahl hervor: Rund 65.000 Kilometer haben die Ehrenamtlichen der AGH im vergangenen Jahr für ihre Begleitungen im gesamten Main-Kinzig-Kreis zurückgelegt. "Diese Zahl macht sehr konkret, was ambulante Hospizarbeit in unserem großen Landkreis bedeutet", stellte sie fest. "Wer Menschen begleiten will, muss sich auf den Weg machen: in das Zuhause der Menschen, in eine Pflegeeinrichtung oder dorthin, wo sie ihre letzte Lebensphase verbringen.‘"
Abgerundet wurde der Jahresempfang von Performancekünstler Christoph Gilsbach, der als Heribert der Wanderer mit seinen "Geschichten vom Weg" einen stimmungsvollen Abschluss bildete. Auf humorvolle Weise bezog er dabei auch das Publikum mit ein und zeigte, dass die Definition von Glück ausgesprochen vielfältig sein kann - von Gesundheit bis Sauerkraut.
Die Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst begleitet schwerstkranke und sterbende Menschen am Lebensende. Sie ist in Trägerschaft der Caritas im Bistum Fulda e.V. für die Regionen Hanau und Main-Kinzig tätig. Spendenkonto: Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst, Sparkasse Hanau, IBAN: DE18506500230000040279, Swift-BIC: HELADEF1HAN.