Frankfurt am Main, 11. September 2026. Frauen sind auf der Straße besonderen Gefahren ausgesetzt. Während das Leben auf der Straße für alle Betroffenen von Unsicherheit, Armut und sozialer Ausgrenzung geprägt ist, kann es für Frauen bedeuten: Gewalt, sexuelle Übergriffe, Ausbeutung und Abhängigkeit. Zum "Tag der wohnungslosen Menschen" am 11. September macht der Caritasverband Frankfurt e.V. deshalb auf die besondere Situation von Frauen ohne sicheren Wohnraum aufmerksam.
"Wer nachts keinen Ort zum Schlafen hat, braucht mehr als ein Dach über dem Kopf. Gerade Frauen benötigen Orte, an denen sie sicher sind und sich geschützt fühlen. Sie brauchen Räume, an denen ihre Erfahrungen - die oft von Gewalt geprägt sind - ernst genommen werden und an denen sie ohne Angst Hilfe annehmen können", betont Marius Falkenhahn, Leiter der Caritas-Tagesaufenthalte für Menschen in Wohnungsnot.
Mit dem Lisbethtreff in Sachsenhausen hat die Caritas in Frankfurt einen Ort, der sich gezielt an wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen richtet. Hier wird das Angebot in Zukunft erweitert, um mehr Unterstützung zu bieten: mit einem sicheren Rückzugsort, erweiterten Beratungsangeboten und individueller Begleitung.
Konkrete Angebote zum Schutz vor Gewalt
Bereits geplant sind zudem Aktionen wie ein Deeskalations- und Gewaltpräventionstraining und die engere Zusammenarbeit mit der Polizei vor Ort. Eine Schutzfrau ist in regelmäßigen Abständen im Lisbethtreff und steht als Ansprechpartnerin zur Verfügung.
Auch gesundheitliche und soziale Belastungen können sich bei wohnungslosen Frauen gegenseitig verstärken. Schwangerschaften, die Versorgung von Kindern, Gewalterfahrungen, psychische Belastungen oder Abhängigkeitserkrankungen stellen die Betroffenen und die unterstützenden Einrichtungen vor be-sondere Herausforderungen. Hinzu kommt, dass Frauen häufig lange versuchen, ihre Wohnungslosigkeit zu verbergen - mit der Folge, dass sie Unterstützung oft erst sehr spät erreicht.
Wohnungslosigkeit ist jedoch nicht allein ein individuelles Problem, sondern hat strukturelle Ursachen. Fehlender bezahlbarer Wohnraum und steigende Lebenshaltungskosten können dazu führen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren.
"Es ist kein persönliches Versagen, wohnungslos zu werden", betont Ralph Rußmann, Abteilungsleiter Soziale Stadt. "Hinter jeder Wohnungslosigkeit stehen oft komplexe Lebenslagen - Armut, Trennung, Gewalt oder der Verlust sozialer Sicherheiten. Bei Frauen kommen häufig spezifische Erfahrungen hinzu und sie sind in einer besonderen Gefährdungslage. Deshalb braucht es neben individueller Unterstützung auch eine Stadtgesellschaft, die hinschaut und Verantwortung übernimmt."