Bei der Preisverleihung an Merkel entfaltet die Caritas die Wirkung ihrer Arbeit
Augsburg, 26.09.2026 (pca). "Das ganze schöne richtige Leben", heißt es in einem Leid der deutschen Liedermacherin und Psychologin Sarah Straub. Dass es nicht einheitlich ist, viele Facetten enthält, auch große Belastungen und Beeinträchtigungen mit sich bringt und doch schön und gut sein, eben richtig ist, insbesondere wenn man zusammenhält und gemeinsam füreinander eintritt, das ist der Caritas stets ein Anliegen. Dies den Menschen nahe zu bringen, die die Caritas und ihr Wirken weniger kennen, das ist dem Caritasverband für die Diözese Augsburg nun in besonderer Weise gelungen.
Beim Festakt zur Ehrung der Bundeskanzlerin a. D.Dr. Angela Merkel mit dem Elisabeth-Preis der Caritas
Vor dem Festakt empfing der Augsburger Oberbürgermeister Dr. Florian Freund (re.) zusammen mit der Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa (2.v.re.), dem Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier (3.v.re.), dem Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller (2.v.li.) und der Kabarettistin Sarah Bosetti (1.v.li.) Bundeskanzlerin a. D. Dr. Angela Merkel im Fürstenzimmer des Augsburger Rathauses.Annette Zoepf
im Goldenen Saal der Stadt Augsburg am Freitagabend entfaltete der katholische Wohlfahrtsverband mit einem abwechslungsreichen Programm die Wirkung seiner achtsamen und geduldigen sowie am Menschen orientierten Arbeit. "Mit dem Elisabeth-Peis wollen wir ein Zeichen setzen, dass Menschlichkeit und gegenseitiger Respekt nicht aus der Mode kommen dürfen. Der Preis ehrt ihre Haltung, keine Ämter", unterstrich der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller in seiner Ansprache.
Mit der Wahl von Dr. Angela Merkel zur diesjährigen Preisträgerin des Elisabethpreises wollte die Caritas das auf den Punkt bringen, worauf es für ein ‚ganzes schönes richtiges Leben‘ ankommt: "Verantwortung für andere zu übernehmen." Die Caritas trage ihren Anteil dazu bei, weil, so die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes Eva Maria Welskop-Deffaa beim Festakt, "uns eine kraftvolle Liebe zu den Menschen verbindet".
Über 400 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft hatten die Einladung zu dem Festakt angenommen, die Sarah Straub und das Gesangsduo Tom & Flo musikalisch umrahmten. Sie wollten die Frau erleben, die, wie es der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor bei der Ehrung zum Ausdruck brachte, für ein "authentisches Zeugnis" ihrer Sorge für Menschen stehe und Verantwortung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft übernommen habe. Der hohe Zuspruch für den Gast und die Caritas ließ erkennen, wie sehr eine Gesellschaft und eine Politik vermisst wird, die eine klare Orientierung aufzeigt, Unterschiedlichkeiten verbindet und in der niemand vergessen wird.
Angesichts einer Katastrophe Menschlichkeit gezeigt
Alle stimmten der Laudatorin der Preisträgerin Merkel, der Kabarettistin Sarah Bosetti, zu, als sie sagte, dass die ehemalige Kanzlerin den "Elisabethpreis genau für das erhalte, für das sie von vielen am meisten gehasst wird, nämlich dass sie angesichts einer Katastrophe Menschlichkeit zeigen wollte". Unverständlich für Bosetti sei, dass man heute immer weniger Unterschiede aushalte, obwohl wir doch alle Menschen sind, die die gleichen Bedürfnisse haben. Unterschiede auszuhalten und Menschen zu verbinden, das habe Merkel in besonderer Weise ausgezeichnet.
Merkel: "Wir sind besser, wenn wir zusammenhalten"
Für Merkel selbst sind Unterschiede alles andere als ein Nachteil, auch wenn sie gestand, dass es nicht einfach ist, alle gerecht unter einen Hut zu bringen, wenn das überhaupt möglich sei. "Die Unterschiede machen uns aber so reich", sagte sie in ihrer Dankesrede. Und gleichzeitig appellierte sie, sich nicht in Unterschieden zu verlieren. So erinnerte sie an den Gründer der Caritas in Deutschland, der die vielen sozialen Vereine und Verbände 1897 in der Caritas zusammenführt. Merkel: "Wir sind besser, wenn wir zusammenhalten." Die Freiheit, die Gott dem Menschen schenke, heiße eben nicht "Freiheit von Verantwortung", "sondern sich frei zu fühlen, Verantwortung für andere zu übernehmen".
Acht Mutmacher-Geschichten erzählen vom Wandel zu Guten
Wie das Leben in vielfältiger Weise zum Guten gewandelt werden kann, wenn man Verantwortung übernimmt, das zeigte die Caritas in acht "Mutmacher-Geschichten". Sie sollten den Gästen zeigen, wie sehr die Caritas mitten in der Gesellschaft Gutes bewirkt, wie Diözesan-Caritasdirektor Müller es unterstrich.
"Es gelingt, wenn man es wagt, denn dann funktioniert es auch", sagte die Mutter des Frühchens "Elja" im Film, die mit nur 490 Gramm im Josefinum der Katholischen Jugendfürsorge Augsburg 2014 auf die Welt gekommen war. Heute ist das Mädchen dank langjähriger medizinischer Begleitung eine fröhliche Schülerin. Eine Geschichte, die auch dem Augsburger Oberbürgermeister Dr. Florian Freund selbst Mut macht, wie er es in seiner Begrüßung betonte.
Wo man nicht allein gelassen wird
Das Leben gelingt auch, wenn man einen Ort wie die Beratungsstellen des Sozialdienstes Katholischer Frauen hat, wo man verstanden wird und so einen "Lichtblick" für überlastete alleinerziehende Mütter bietet. Orte, die, wie es der Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier in seiner Laudatio sagte, wo man nicht allein gelassen wird und jemanden hat, der einem zur Seite steht, wo man praktische Hilfe erfährt und Orientierung, Zuversicht und neue Perspektiven für das Leben gewinnt.
Mut machte der Stromspar-Check des SKM - Katholischer Verband für soziale Dienste bereits über 4.000 haushalten in und um Augsburg. Das betonte Sunni Strewes vom Stromspar-Check. "Ihr braucht keine Angst haben, kommt zu uns, wir hören zu und helfen euch." Ein Vater, dessen Familie ein Jahr lang ohne Strom lebte, weil er meinte, alles allein schultern zu müssen, gab aus seiner Erfahrung heraus den für ihn wichtigsten Tipp für andere: "Geht zur Beratung."
"Wieviel wir bewegen können, wenn wir uns gegenseitig empowern"
Social Media bergen Gefahren in sich, sie bieten aber auch Chancen. Die "Barrierebrecher", das Social Media Team des Dominikus-Ringeisen-Werks erzählten in ihrem Film davon, wie ideenreich sie Social Media dafür nutzen, über ihr Leben als Menschen mit Behinderungen zu erzählen und dadurch auch Respekt und Anerkennung zu gewinnen. Johannes Halbig von der Band "Die Killerpilze" erkennt in der Kunst- und Kulturkneipe Chili von Beschäftigen und Mitarbeitenden der Regens-Wagner-Stiftungen eine Mutmacher-Geschichte, "die zeigt, wieviel wir bewegen können, wenn wir uns gegenseitig empowern".
"Er steht für den Mut, neue Wege zu gehen"
Menschen mit Teilhabebeeinträchtigungen welcher Art auch immer brauchen Menschen ohne Beeinträchtigungen, die selbst sich offen für neue Wege zeigen. Dominik Lobmayr nutzte die Unterstützung der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH - Bereich Behindertenhilfe, um auf dem "ersten" Arbeitsmarkt eine Ausbildung zu machen. Er traf auf David Frey, Senior Manager Logistics Augsburg von DSV Transport & Logistics. Er zeigte sich zutiefst beeindruckt von Lobmayr. "Er steht für den Mut, neue Wege zu gehen." Und empfahl den Gästen, "ebenfalls mutig zu sein und derartige Erfolgsgeschichten möglich zu machen."
Mut entsteht auch, wo man verstanden wird. Das gilt in besonderer Weise bei Menschen mit einer Autismusspektrumsstörung. Dank der Beratung und Begleitung beim Kompetenzzentrum Autismus der Caritas in Augsburg entdeckte Sanne "Kreaktiv" ihre sprachliche und malerische Begabung und lädt mit ihrer Kunst, andere Menschen ein, genauer hinzusehen und zuzuhören. Barbara Holzmann, die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin von Schwaben, bedankte sich für das "Geschenk" der Autistin Sanne Kreaktiv, an ihrer Sicht andere teilhaben zu lassen.
"Ich will einfach zurückgeben, was ich bekommen habe."
Die achte Geschichte wurde von Adalbel Wahad erzählt. Ein Syrer, der wegen des Bürgerkriegs aus seinem Heimatland floh. Er rief die schrecklichen Bilder des Krieges in Erinnerung und der keineswegs ungefährlichen Flucht durch Europa. Die Caritas in Donauwörth hat ihn beraten. Heute spricht er perfekt Deutsch, arbeitet und bringt sich ehrenamtlich als Dolmetscher ein: "Ich will einfach zurückgeben, was ich bekommen habe."