Armut ist oft weniger sichtbar, als viele Menschen vermuten. Mit der Fotoausstellung "Armut hat viele Gesichter" möchte die Schuldnerberatung der Caritas Kelheim den Blick auf Menschen richten, deren schwierige Lebenssituation auf den ersten Blick häufig nicht erkennbar ist.
Die Ausstellung zeigt eindrucksvolle Fotografien des ungarischen Fotografen Zoltan Rozsnyai, der in seinen Bildern Menschen, Momente und Lebenswirklichkeiten mit großer Sensibilität einfängt. Seine Fotografien laden dazu ein, genauer hinzusehen und sich mit den Geschichten hinter den Bildern auseinanderzusetzen.
"Armut kann grundsätzlich jeden treffen", betont die Schuldnerberatung der Caritas Kelheim. Betroffen sind ältere und jüngere Menschen ebenso wie Menschen, die berufstätig sind und nach außen hin ein scheinbar ganz normales Leben führen. Dabei geht es nicht ausschließlich um finanzielle Armut. Wenn das Geld für soziale Aktivitäten fehlt, entstehen oft weitere Belastungen: Ein gemeinsames Essen mit Freunden, ein Cafébesuch, Kinobesuche, Sport oder andere Freizeitaktivitäten werden für viele Menschen unbezahlbar. Nicht selten folgen soziale Isolation und Einsamkeit. Hinzu kommt häufig die Scham, über die eigene Situation zu sprechen.
Für die Schuldnerberatung besteht ein direkter Bezug zum Thema der Ausstellung. In der täglichen Arbeit begegnen die Beraterinnen und Berater Menschen, die durch ganz unterschiedliche Lebensereignisse in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Zu den häufigsten Ursachen gehören Arbeitslosigkeit, Erkrankungen oder Unfälle sowie Trennung und Scheidung. Oft sind es unvorhersehbare Schicksalsschläge, die Menschen in eine finanzielle Notlage bringen.
Mit der Ausstellung möchte die Caritas Kelheim deshalb den Zusammenhang zwischen Überschuldung, Armut und sozialer Ausgrenzung sichtbar machen. Gleichzeitig soll sie dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Verständnis für Menschen in schwierigen Lebenslagen zu fördern.
Die Werke von Zoltan Rozsnyai eignen sich hierfür in besonderer Weise. Der 1955 im ungarischen Dunaújváros geborene Fotograf beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit der Fotografie. Bereits im Alter von zehn Jahren hielt er seine erste Kamera in den Händen. Sieben Jahre lang arbeitete er später als Fotoreporter für die Tageszeitung "Dunaújvárosi Hírlap" und dokumentierte Menschen und gesellschaftliche Entwicklungen aus nächster Nähe. Seine Arbeiten wurden sowohl in Ungarn als auch international ausgestellt, darunter auch mehrfach in Bayern. Für seine Fotografien erhielt er zudem verschiedene Auszeichnungen, unter anderem beim renommierten Wettbewerb des Kunstmagazins "Művész Ma".
Besonders die ausdrucksstarken Porträts der Ausstellung ziehen die Besucherinnen und Besucher in ihren Bann. Sie erzählen von Würde, Herausforderungen und Hoffnungen und eröffnen einen Blick hinter die sichtbare Oberfläche. Die Bilder laden dazu ein, einen Moment innezuhalten und sich zu fragen, welche Lebensgeschichte hinter dem jeweiligen Gesicht steckt.
Passend dazu steht über der Ausstellung ein Satz, der die Wirkung der Fotografien treffend beschreibt:
"Sehen beginnt dort, wo Worte aufhören."
Die Ausstellung macht deutlich: Armut hat viele Gesichter. Wer genauer hinsieht, erkennt, dass hinter jedem Gesicht eine individuelle Geschichte steht und dass Mitgefühl, Verständnis und Unterstützung wichtiger denn je sind.
Daten zur Ausstellung:
Eröffnung: 22. Oktober 2026 um 17:00 Uhr
Caritas Sozialzentrum Kelheim
Pfarrhofgasse 1 in Kelheim
Ausstellungsdauer: 22.10. bis 17.12.26
geöffnet von Montag - Donnerstag von 10:00 - 16:00 Uhr
Die Ausstellung ist in den neuen barrierefreien Räumlichkeiten der Caritas Kelheim im Erdgeschoss.