Das Christophorus Jugendwerk in Oberrimsingen empfängt zum Ende des Schuljahres auf dem Campus Dr. Oliver Müller, Vorstand für Internationales, Migration und Katastrophenhilfe im Deutschen Caritasverband. In dieser Funktion verantwortet er die internationale Arbeit des Verbandes wie auch jene im Bereich Migration, Flucht und Integration. Zugleich leitet er Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes für humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe. Schwerpunkt des Gespräches sind die Versorgung und Bildung von jungen Geflüchteten. Thomas Köck, BVkE-Vorstand, ist Gastgeber und informiert über die Bildungsarbeit auf dem Campus.
Campus Christophorus Jugendwerk gGmbH
Die Campus Christophorus Jugendwerk gGmbH in Oberrimsingen begleitet Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit individuellen und passgenauen Hilfsangeboten auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben. Im Mittelpunkt stehen die Förderung persönlicher Ressourcen, Teilhabe und nachhaltige Entwicklungsperspektiven. Innovative Konzepte verbinden pädagogische, therapeutische und schulische Angebote zu einer ganzheitlichen Unterstützung. Die enge Vernetzung im Sozialraum sowie flexible Hilfeformen ermöglichen bedarfsgerechte Lösungen. So entstehen Lebens- und Lernorte, die Entwicklung fördern und Zukunftschancen eröffnen. Eine Zielgruppe sind junge Geflüchtete, die dort bei ihrem Schul- und Berufsabschluss begleitet werden.
Forschungsprojekt "Nachhaltig geflüchtete junge Menschen versorgen"
Dass bedarfsgerechte Einzelfallhilfen der Kinder- und Jugendhilfe für junge Geflüchtete wirken, konnte bereits das gemeinsamen Forschungsprojekt des Bundesverbandes Caritas Kinder- und Jugendhilfe (BVkE) und des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) "UMF in der Jugendhilfe: Wirkungen und deren Hintergründe" (2014-2017) zeigen. Neben positiven Effekten, z.B. auf soziale Integration, sozial-kommunikative Kompetenzen und Selbstständigkeit, wurden zentrale Wirkfaktoren identifiziert. Hierzu zählen insbesondere ein umfassendes Clearing, die Beteiligung der jungen Menschen, tragfähige Beziehungen und eine bedarfsgerechte Hilfedauer - auch über die Volljährigkeit hinaus. An diesen Erkenntnissen knüpft das aktuelle Forschungsprojekt "Nachhaltig geflüchtete junge Menschen versorgen" (2025-2027) an, das gemeinsam von BVkE, IKJ und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführt wird. Neben der Wirksamkeit von Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe für junge Geflüchtete untersucht das Projekt auch deren Nachhaltigkeit. Im Fokus stehen die längerfristigen Effekte auf die Entwicklung der jungen Menschen und ihre gesellschaftliche Integration. Bildungs-, Ausbildungs- und Teilhabechancen für junge Menschen verbessern!
Verantwortung für alle jungen Menschen
In Deutschland leben 14,3 Millionen Kinder und Jugendliche. In einer alternden Gesellschaft stellen sie eine Minderheit dar, die auf den Schutz und die Verantwortung der Gesellschaft angewiesen ist. Dennoch haben ihre Belange politisch keine Priorität. Hilfesysteme, die ein gesundes Aufwachsen sichern und Teilhabe ermöglichen, geraten pauschal unter Rechtfertigungsdruck und werden als "ineffiziente Kostentreiber" dargestellt. Finanzielle Motive dominieren die Debatten, während fachliche Erkenntnisse in den Hintergrund treten. Diese Entwicklung gefährdet nicht nur individuelle Lebensverläufe, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Thomas Köck stellt abschließend fest: "Insbesondere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen bessere Bildungs-, Ausbildungs- und Teilhabechancen erhalten, da Armut in jungen Jahren häufig lebenslange Benachteiligungen nach sich zieht".