Freiburg/Berlin, 12.10.2026. Armut schränkt die Bildungs- und Teilhabechancen junger Menschen ein. Fehlende Bildungschancen erhöhen wiederum das Risiko, dauerhaft in Armut zu leben. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist eine gemeinsame Aufgabe von Bildungs- und Sozialpolitik. Mit seiner Position "Armut verhindert Bildung - Bildung schützt vor Armut" legt der Bundesverband Caritas Kinder- und Jugendhilfe e. V. (BVkE) einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Bildungsgerechtigkeit vor. Der Verband fordert Bund, Länder und Kommunen auf, den Bildungserfolg konsequent von der sozialen Herkunft zu entkoppeln.
Wie dringend Handlungsbedarf besteht, verdeutlichen die im Positionspapier angeführten Zahlen: Im Jahr 2024 verließen mehr als 62.000 junge Menschen die Schule ohne Ersten Schulabschluss. Das sind etwa acht Prozent des gesamten Jahrgangs. Ein fehlender Abschluss erschwert den Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung und erhöht das Risiko sozialer Ausgrenzung.
Armut ist kein individuelles Versagen. Fehlende finanzielle Mittel, beengte Wohnverhältnisse und eingeschränkte Möglichkeiten zur kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe beeinträchtigen das Lernen bereits früh. Treffen diese Belastungen auf Lehrkräftemangel, fehlende Schulsozialarbeit und unzureichende individuelle Förderung, verstärken sich Bildungsungleichheiten.
Von bekannten Erkenntnissen zu verbindlichem Handeln
Die Ursachen und wirksame Ansätze zum Abbau von Bildungsbenachteiligung sind seit Jahren bekannt. Der BVkE fordert deshalb eine langfristig angelegte, abgestimmte Gesamtstrategie. Bildungswesen, Kinder- und Jugendhilfe sowie Ausbildungs- und Arbeitsförderung müssen ihre Angebote verbindlich verzahnen und Übergänge gemeinsam gestalten. Einzelne Programme können diese gemeinsame Verantwortung nicht ersetzen.
Eine zentrale Rolle kommt der Kinder- und Jugendhilfe zu. Sie eröffnet eigene Bildungsräume, stärkt soziale und personale Kompetenzen und begleitet junge Menschen in belasteten Lebenslagen. Als gleichwertige Bildungspartnerin der Schule braucht sie klare Zuständigkeiten, verbindliche Kooperationsvereinbarungen und eine verlässliche Finanzierung.
Früh fördern, individuelle Teilhabe sichern, Übergänge begleiten Der Zehn-Punkte-Plan des BVkE fordert insbesondere:
- Kinderarmut wirksam bekämpfen
- Bildungsgerechtigkeit braucht politische Priorität
- Bildungsbenachteiligung gemeinsam überwinden
- Kinder- und Jugendhilfe als Bildungsakteurin stärken
- Qualität der frühkindlichen Bildung stärken
- Schule inklusiv weiterentwickeln und individuelles Lernen ermöglichen
- Schulische Teilhabe individuell ermöglichen
- Schulsozialarbeit bundesweit flächendeckend verankern
- Chancen der Ganztagsförderung nutzen. Qualität entwickeln
- Übergänge in Ausbildung und Beruf erfolgreich gestalten
Familien benötigen verlässliche Unterstützung und gesicherte Voraussetzungen für ein gelingendes Aufwachsen. Dafür sind qualifizierte Fachkräfte, verbindliche Qualitätsstandards und eine dauerhaft gesicherte Finanzierung erforderlich. Darüber hinaus dürfen passgenaue Assistenzleistungen nicht durch pauschale Verweise auf Infrastrukturangebote relativiert werden. Gleichzeitig muss der Zugang unabhängig von Wohnort und Schulform gewährleistet sein. Junge Menschen brauchen eine bedarfsgerechte Unterstützung, die Zuständigkeitsgrenzen überwindet.
Investitionen in Bildung und eine leistungsfähige Kinder- und Jugendhilfe sind zugleich Investitionen in Armutsprävention und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der BVkE appelliert an die politisch Verantwortlichen, Bildungsgerechtigkeit zum verbindlichen Maßstab ihres Handelns zu machen und allen jungen Menschen faire Zukunftsperspektiven zu eröffnen.