Berlin, 5.
September 2008. An der Realität vorbei gehen nach Auffassung des Deutschen
Caritasverbandes die Vorschläge von Wirtschaftswissenschaftlern, die
Hartz-IV-Sätze abzusenken. „Wer solche Berechnungen anstellt, kennt den Alltag
von Menschen nicht, die Hartz IV bekommen“, erklärt der Präsident des Deutschen
Caritasverbandes, Peter Neher.
Die Erfahrungen in den Beratungsstellen, aber auch in den Kleiderkammern und
Tafeln der Caritas zeigten, dass es für die Bezieher von Hartz IV schon jetzt
nicht einfach sei, bis zum Monatsende mit dem Geld auszukommen. Selbst bei
sparsamem Wirtschaften reiche das Geld oft nicht. Kämen dann zusätzliche
Anforderungen, wie beispielsweise die Anschaffung von Schulmaterial zu Beginn
eines Schuljahres, sei dies für viele Familien ein fast unlösbares Problem. Die
Caritas fordert seit langem eine Erhöhung der Regelsätze, die sich am
tatsächlichen soziokulturellen Bedarf ausrichten. „Zum Leben gehört mehr als
Nahrung. Menschen müssen am kulturellen und sozialen Leben in der Gesellschaft
teilhaben können“, macht Neher deutlich.
Neher warnt vor einer Neid-Debatte, in der der Eindruck erweckt werde,
Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen seien, würden es sich
leicht machen. „Wenn zehn Prozent der Bevölkerung auf staatliche Unterstützung
angewiesen sind, zeigt dies einen Mangel an Qualifizierung und an einfachen
Arbeitsplätzen und keinen Mangel an Bereitschaft, unabhängig vom Staat zu
sein“, mahnt Neher. Es müsse darüber nachgedacht werden, wie es besser gelingen
kann, diesen Menschen eine Perspektive zu geben.
Pressemitteilung
Regelsätze dürfen nicht abgesenkt werden
Erschienen am:
05.09.2008
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