EINFACH SEIN
seit 1979 war Gertrud Pfaff einmal wöchentlich für Menschen da. Für Menschen, die aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen sind, sich schwach fühlen und vielleicht von niemandem sonst besucht werden. Einfach so. Aus Begeisterung und Nächstenliebe. Nun gibt die Grüne Dame den Stab an ihre Nachfolgerin Eva Fleischer weiter. "Ich bin voller Wehmut", sagt Pfaff, "aber man muss auch loslassen können". "Am Anfang", erinnert sie sich, "haben wir uns gefreut, wenn wir für jemanden etwas einkaufen konnten. Dann hatte man das Gefühl, etwas zu tun. Aber wir haben gelernt: Im Kern geht es immer darum, einfach da zu sein und zuzuhören. Das ist das Allerwichtigste." Nach zehn Jahren im Dienst der Christlichen Krankenhaushilfe im Wormser Krankenhaus Hochstift übernahm Gertrud Pfaff zusätzlich ab 1989 die Verantwortung für die Grünen Damen. Sie war Delegierte in der Vertreterversammlung des Caritasverbands Worms und nahm regelmäßig an Bundesleiterinnen-Tagungen teil. Wichtig waren ihr auch die Impulse, die sie bei Studientagen und Leiterinnentreffen des Diözesancaritasverbands Mainz für ihre Arbeit mitnehmen konnte. Zum Abschied erhielt Gertrud Pfaff von der Wormser Caritasdirektorin Margret Mayer eine Ehrenplakette des Caritasverbands Worms sowie eine Ehrung des Diözesancaritasverbands.
ZEIT HABEN - MENSCHLICHE NÄHE GEBEN
Das Krankenhaus solle menschlicher werden. Das war das Anliegen ihrer Vorgängerin Ursula Groß-Albenhausen, die 1979 für das Hochstift-Krankenhaus die Initiative ergriff und hier eine Gruppe Grüner Damen für ihre Idee begeisterte. Die Pionierinnen begegneten damals einiger Skepsis. Heute sind die Damen in den grünen Kitteln aus kaum einem deutschen Krankenhaus wegzudenken. Angesichts der immensen Arbeitsbelastung von Pflegekräften und Ärzten können sie das geben, was sich viele Patienten wünschen: Zeit, menschliche Nähe, ein offenes Ohr. Gertrud Pfaff: "Ratschläge oder vermeintlich tröstende Worte - das brauchen die Leute am wenigsten." Sie erinnert sich an den Rat eines Referenten: "Sie haben nur einen Mund, aber zwei Ohren. Also hören sie zu."
Schmerzen, Leid, Einsamkeit, Angst - all dem begegnen die Grünen Damen in ihrem Dienst ständig. Ist das nicht schwer zu ertragen - zumal, wenn man wie Gertrud Pfaff auch selbst schwere Schicksalsschläge erfährt? "Natürlich", sagt sie, "es gab Momente, da dachte ich, ich kann das nicht
mehr. Aber insgesamt habe ich viel mehr bekommen, als ich geben konnte. Die Arbeit im Hochstift-Krankenhaus hat mich geprägt und erfüllt. Ich bin voller Dankbarkeit und möchte keinen Tag missen!"
"WIR FÜHLEN UNS REICH BESCHENKT"
Irmgard Offen, Leiterin der Grünen Damen im Klinikum Worms, sieht das genauso. "Keine von uns fühlt sich belastet. Alle fühlen sich beschenkt. Mich hat die Arbeit reifen lassen." Dazu trägt in beiden Häusern auch bei, dass die Grünen Damen eine Gemeinschaft sind. Freundschaften sind über Jahre gewachsen, die Frauen treffen sich regelmäßig zum Austausch und zu Fortbildungen. Was beschenkt und begeistert die beiden so bei ihrem Dienst? Irmgard Offen sagt es so: "Wir sind in unserer Arbeit ganz nah bei den Menschen - in Trauer, Not und Freude. Zu Hause denke ich oft: Wie gut, dass ich heute zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ich konnte mit jemandem lachen." Und wie ist das mit der menschlichen Nähe und Begegnung, wenn man keine gemeinsame Sprache spricht? Fortbildungen helfen den Grünen Damen, Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund besser zu verstehen. Irmgard Offen erinnert sich an eine für sie bewegende Erfahrung: "Ich kam in ein Zimmer, in dem auch eine ältere türkische Dame lag. Um sie herum waren lauter Männer. Als sie mich sah, schickte sie die Männer aus dem Zimmer und winkte mich zu sich. Sie sprach kein Deutsch, ich kein Türkisch - aber sie zeigte mir ihre Freude und bedeutete mir, mich zu setzen. Aus ihrem Nachttisch holte sie einen Koran, schlug ihn auf und betete. Da betete ich das Vaterunser und den Psalm 23. Jede betete für sich und gleichzeitig beteten wir gemeinsam. Und zum Abschied umarmten wir uns."