Im Portrait

Matthias Schnegg

„Damit Liebe gefördert wird“

Der katholische Pfarrer Matthias Schnegg hat mit dem Erbe seiner Verwandten eine Stiftung in Köln gegründet.

Matthias SchneggPfarrer Matthias Schnegg setzt ein
nachhaltiges Zeichen der Solidarität.

Viele Gremiensitzungen, Verantwortung für viele Tausend Gläubige, leitender Pfarrer in einem Seelsorgebereich der Kölner Innenstadt, selbst Pfarrer zweier romanischer Kirchen Kölns … – mehr als genug zu tun für einen sechzigjährigen Menschen, möchte man meinen. Und doch hilft Matthias Schnegg ein- bis zweimal im Monat im Notel aus. Das Notel ist eine Anlaufstation für wohnungslose Drogenabhängige, für teils noch sehr junge Menschen, die keine Perspektive mehr haben. Getragen wird die Einrichtung mit zwölf Notschlafplätzen von der Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist (Spiritaner) in Dormagen.

Begegnung mit wohnungslosen Drogenabhängigen

Während seines ehrenamtlichen Dienstes in der Schlafstelle ist der katholische Priester unter anderem für die Schmutzwäsche zuständig und macht den Abwasch. Beim Spülen unterhält er sich oft mit den Menschen, die im Notel für nur einige Stunden untergebracht sind und hier Hilfe, ein warmes Essen und saubere Kleidung bekommen. Im Notel hat Pfarrer Schnegg 2006 auch Klaus S. kennengelernt. „Klaus benahm sich anders als die anderen, er kam augenscheinlich aus besserem Hause, geriet dann auf die schiefe Bahn. Wie viele der wohnungslosen Drogenabhängigen wird er sich Geld für den Drogenkonsum auch durch kriminelle Handlungen und Prostitution beschafft haben.“ Wenn Matthias Schnegg davon erzählt, spürt der Zuhörer, dass die Begegnung noch sehr präsent ist. Klaus S. war einer der ersten Extremfälle, an die er sich erinnert. Die Geschichte des 23-Jährigen endet nüchtern und traurig. „Klaus wurde inhaftiert, kam in eine Justizvollzugsanstalt und erhängte sich dort.“ Das Gefühl, das für Schnegg geblieben ist: „Auch so ist ‚Mensch’!“

Die Vision einer solidarischen Gesellschaft

Ein Jahr später entschließt sich der katholische Pfarrer mit dem Erbe seiner Verwandten eine Stiftung zu gründen: die „Agape-Stiftung Matthias Schnegg“. Sie wird verwaltet unter dem Dach der CaritasStiftung im Erzbistum Köln. Seine sechs Geschwister haben, so Schnegg, mit dem ererbten Geld die eigene Familie unterstützt, ein Haus gebaut und den Kindern ein Studium ermöglicht. Er selbst habe keine Kinder und könne das Geld deshalb anders einsetzen. „Ich will damit einen sinnvollen Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft leisten“, sagt er. Jesus von Nazareth ist für ihn ein ‚Wanderradikaler’, ohne Erwerb, ohne festen Wohnsitz, ohne Familie. Der Einsatz für suchterkrankte Wohnungslose kommt seiner Meinung nach dem, was Jesus gewollt hat, besonders nahe. Sie gehören vermutlich zur direkten Gefolgschaft des Jesus von Nazareth. Er erinnert sich sinngemäß an ein Wort von Vinzenz von Paul: Die Armen müsse man nicht suchen, die werden einem vor die Tür gelegt. Ihm habe man augenscheinlich die Wohnungslosen vor die Tür gelegt. Mit seiner Stiftung stellt der katholische Priester sicher, dass die Hilfe für die Menschen am Rande der Gesellschaft auch in Zukunft abgesichert ist.

Hoffnung ist kein akademischer Begriff

Matthias Schnegg glaubt an den Menschen, auch wenn die Chance, wieder in die Gesellschaft zurückzufinden, verschwindend gering ist. Hoffnung ist für ihn alles andere als ein akademischer Begriff. In der Präambel seiner Stiftung schreibt der Stifter: „Den Menschen auf der Straße und denen, die ihnen persönlich und/oder institutionell Hilfe geben aus geistlicher, evangeliumsgetragener Motivation, möchte die Stiftung Unterstützung sein, damit Liebe – ‚Agape’ als gelebter Evangeliumsauftrag gefördert ist.“

Alfred Hovestädt