Unser Selbstverständnis

Solidaritätsstifter in Caritas, Kirche und Gesellschaft

Noch im Jahr 2005 hatte Bundespräsident Horst Köhler angemahnt: "Es muss uns zu denken geben, dass die Deutschen so wenig über die Arbeit von Stiftungen wissen. Zu wenig meine ich. Es ist wünschenswert, dass der Gründung von Stiftungen möglichst wenig im Wege steht und sie gefördert werden." Mittlerweile ist einiges in Bewegung gekommen. Die Zahl derer, die gezielt und nachhaltig helfen wollen, nimmt stetig zu. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Stifter, vor allem mit einer vereinfachten und verbesserten Steuerabzugsfähigkeit, scheint zu greifen. Auch das Angebot einer Übernahme von Stiftungsverwaltung hilft manchem, aktiv zu werden.

Ein kirchliches Dach für das Lebenswerk

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung sind 70 Prozent der Stifter religiös motiviert. In der katholischen Kirche haben Stiftungen eine lange Tradition. Viele Menschen gründen daher ihre persönliche Stiftung auch unter dem Dach der Caritas. Zurzeit sind es mehr als 160. Begleitet und verwaltet werden sie von rund 20 Gemeinschaftsstiftungen der Bundes- und Diözesanebene.

Förderung des zivilgesellschaftlichen Engagements

Auf Augenhöhe mit den boomenden Bürgerstiftungen haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, das zivilgesellschaftliche Engagement zu fördern. Diese Gemeinschafts- und Dachstiftungen begreifen sich als Solidaritätsstifter in Caritas, Kirche und Gesellschaft. Sie sind Ausdruck einer neuen Stiftungsbewegung im kirchlichen Bereich, weil sie die Möglichkeit der Zustiftung, der Einrichtung von Stiftungsfonds und von Stiftungsdarlehen eröffnen. Vor allem den treuhänderisch verwalteten Stiftungen bieten sie gewissermaßen ein "Zuhause" oder ein "Dach" für eine weitreichende Perspektive des persönlichen Lebenswerks. Sie minimieren dabei den Verwaltungsaufwand und bieten Vorteile bei der Vermögensanlage. Menschen erhalten so die Möglichkeit, ihr Vermögen den Aufgaben der Caritas in sehr unterschiedlichen Bereichen zu widmen. Von einer Dachstiftung treuhänderisch verwaltete Stiftungen unterscheiden sich nach außen nicht von selbstständigen und rechtsfähigen Stiftungen.

Stiftungen kompensieren keine finanziellen Engpässe

Ein zentraler Grundsatz der Philosophie der Caritas-Stiftungen besteht darin, dass Stiftungen keine Lückenbüßer sind, um finanzielle Engpässe zu kompensieren. Der Wille des Stifters steht im Vordergrund. Er entscheidet über den Zweck und den Aufbau seines Werkes. Das Spektrum ist so breit wie die karitativen Aufgaben. Es reicht von der Schwangerenhilfe bis hin zur Sterbebegleitung, von der Hilfe vor der eigenen Haustür bis zur Umsetzung von Projekten in der Dritten Welt. Aber immer geht es um die Verwirklichung von Sinn und Zukunft über den eigenen Tod hinaus.

Was für private Stifter gilt, kann auch ein Modell für die Caritasverbände vor Ort sein. Wenn Verbände oder Kirchengemeinden sich über eigene Stiftungen alternative Finanzquellen erschließen wollen, so ist es zumeist ratsam, dies unter dem Dach der diözesanen Stiftung zu tun. Sie profitieren von günstigeren Anlagekonditionen, Kostenvorteilen und der Nähe zu anderen Treuhandstiftungen und deren Fördertöpfen.

Aus christlicher Überzeugung bleibende Werte für die Zukunft schaffen

Stifter engagieren sich mit ihrem Vermögen in Kirche und ihrer Caritas, wenn sie ihre individuellen Anliegen und Visionen verwirklichen können. Es handelt sich um Menschen, die mit ihrem Lebenswerk die Arbeit der Caritas vor Ort, in den Diözesen, auf Bundesebene und in den Fachverbänden dauerhaft unterstützen. Stifter in der Caritas schaffen aus christlicher Überzeugung bleibende Werte für die Zukunft. In der Gemeinschaftsstiftung sind sie miteinander verbunden und Teil der kirchlichen Stiftungslandschaft.

Professionelle Strukturen sorgen für verlässliche Qualität

Seit einiger Zeit nimmt der Deutsche Caritasverband als Spitzenverband den Bereich der fördernden Stiftungen stärker in den Blick und entwickelt dafür Arbeitsstrukturen. Vor diesem Hintergrund wurde auf Bundesebene ein Arbeitskreis "Caritas-Stiftungen" ins Leben gerufen. Diesem gehören die Gemeinschafts- oder Dachstiftungen der Diözesan-Caritasverbände, des Bundesverbandes und der Bundesfachverbände an. Der Arbeitskreis will den Austausch zwischen den Caritas-Stiftungen fördern, gemeinsam Projekte umsetzen und sich einsetzen für die Verbesserung der Rahmenbedingungen, um Caritasanliegen in die Stiftungslandschaft zu tragen und dem Stiftungsgedanken Vorschub zu leisten.

Verantwortung für die Zukunft der Welt

Die gemeinsamen Grundlagen der Caritas-Stiftungen wurden in einem Positionspapier festgeschrieben. "Verantwortung ist der Schlüsselbegriff für die Zukunft der Welt", so hat es der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Anan einmal auf den Punkt gebracht. Stiftungen sind ein besonderer Ausdruck dieser Verantwortung, weil sie auf Nachhaltigkeit und Kontinuität ausgelegt sind. Die Caritas-Stiftungen in Deutschland stellen sich der damit verbundenen Herausforderung aus christlicher Verantwortung.