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Nothilfe für syrische Flüchtlinge

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Hoffnungslosigkeit, Frustration und mangelnde Perspektiven bestimmen den Alltag vieler syrischer Flüchtlinge in Jordanien. Über 90 Prozent von ihnen leben in Armut, auch weil viele Familien aufgrund fehlender Arbeitserlaubnisse über kein regelmäßiges Einkommen verfügen. Viele der Syrer/innen leben bereits mehrere Jahre als Flüchtlinge in Jordanien, ihre Bedürfnisse haben sich seit Beginn der Krise wenig verändert. Noch immer sind die Meisten von Nahrungsmittel- und Mietbeihilfen abhängig, um überleben zu können. Eltern können es sich oft nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Viele der Mädchen und Jungen verbringen den ganzen Tag zu Hause und wachsen ohne soziale Kontakte auf. Zudem benötigen sowohl erwachsene Flüchtlinge als auch Kinder zunehmend psycho-soziale Unterstützung. Die Kriegserfahrung gefolgt von einem Leben als Flüchtling in Armut bringen die Betroffenen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Nothilfe auch im sechsten Jahr des Syrienkrieges

syrische Flüchtlingsfamilie in ihrer Wohnung in JordanienAbdulkhaliq Sobhi Alabid floh im April 2014 mit seiner Frau Najah und den fünf Kindern aus Homs nach Jordanien. Foto: Caritas international / Jennifer Ciochon

Mit Hilfe des Auswärtigen Amtes unterstützt Caritas international deshalb ein umfassendes Nothilfeprojekt zur Deckung der Grundbedürfnisse syrischer Flüchtlinge, die außerhalb der offiziellen Flüchtlingslager leben, sowie besonders bedürftiger Jordanier. Über 4500 Familien erhalten Nahrungsmittelhilfen in Form von Gutscheinen, Hygieneartikel, Mietbeihilfen, Winterhilfen in der kalten Jahreszeit sowie psychosoziale Betreuung in den Sozialzentren der Caritas Jordanien. Menschen mit Behinderung, Kranke, Alleinerziehende, ältere Menschen und kinderreiche Familien oder Waisen werden priorisiert. Abdulkhaliq Sobhi Alabid, der im April 2014 mit seiner Frau Najah und fünf Kindern aus Homs nach Jordanien floh, ist froh, dass die Caritas ihn mit Mietbeihilfen, Gutscheinen für Lebensmittel und Hygieneartikel unterstützt. Auch er kämpft damit, dass er in Jordanien nicht offiziell arbeiten kann, um seine Familie ernähren zu können. In seiner Heimatstadt Homs arbeitete er in einem Süßwarengeschäft. "Wir sind dankbar für die Unterstützung der Caritas. Zusätzlich zu der Hilfe, die wir regelmäßig erhalten, nehmen wir auch die medizinischen Angebote im Sozialzentrum in Madaba in Anspruch," erzählt Alabid.

Würde und Selbstbestimmung durch Bargeldhilfen

Frau erhält geldkarte für Bargeldhilfen im Caritas Sozialzentrum Irbid in JordanienEine Frau erhält im Caritas Sozialzentrum Irbid in Jordanien eine Geldkarte für Bargeldhilfen.Foto: Caritas international / Jennifer Ciochon

Seit einigen Jahren unterstützt Caritas international Flüchtlinge zudem mit Bargeldhilfen über ein Geldkartensystem. Viele der syrischen Flüchtlingsfamilien waren bis zu diesem Zeitpunkt jahrelang von Hilfsgütern abhängig und können über diese neue Art der Unterstützung ihre Ohnmacht und Passivität überwinden. Dieser Ansatz stärkt die Würde und Handlungsfähigkeit der Menschen, indem sie wieder aktiv über ihre eigenen Bedürfnisse entscheiden können. Auch wenn diese in der Regel für alle gleich aussehen: der höchste Bedarf besteht bei Nahrung, medizinischer Versorgung und Miete. Begleitet werden die Bargeldhilfeempfänger durch Informationsveranstaltungen, persönliche Beratung in den Caritas Sozialzentren und regelmäßige Telefonanrufe. "Die Caritas Jordanien legt großen Wert darauf Menschen, die Bargeldhilfen erhalten, umfassend über diese Art der Unterstützung aufzuklären. Die Familien erhalten beispielweise Informationen und Unterstützung im Bereich finanzielle Haushaltsplanung," sagt Beliza Espinoza, Caritas international Mitarbeiterin in Jordanien. Auch eine detaillierte Dokumentation und Auswertung der Hilfsmaßnahmen ist wichtig, um die Effektivität der Unterstützung zu gewährleisten.

August 2016