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Sozialtarif

Standards für Mindestvergütung

Wegen des Lohnkostenwettbewerbs und den Refinanzierungsbedingungen in der Sozialwirtschaft wird in der politischen Diskussion von verschiedenen Seiten ein einheitlicher und allgemeinverbindlicher Entgelttarif im gesamten Sozialbereich vorgeschlagen. Auch der Deutsche Caritasverband (DCV) beteiligt sich an einer Initiative für allgemeinverbindliche Vergütungsstandards in der Sozialwirtschaft.  

Der DCV begrüßt einen Wettbewerb unterschiedlicher Anbieter und Träger sozialer Dienste. Die freigemeinnützigen, die privaten und die öffentlichen Anbieter sollen ihren Wettbewerb jedoch vorwiegend über die Qualität ihrer Angebote erbringen. Ein Lohndumping in den unteren Lohngruppen, das auch durch eine restriktive Refinanzierung seitens der öffentlichen Hand verursacht wird, ist zu vermeiden.

Der Caritas ist bewusst, dass sich die Entgeltentwicklung im Sozialbereich an der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung orientieren muss. Es wird weder die Rückkehr zum Selbstkostendeckungsprinzip angestrebt, noch eine planwirtschaftliche Regulierung befürwortet. Jedoch ist bei der Festlegung von Entgelten zu berücksichtigen, dass der Wettbewerb auch heute schon aufgrund einer starken Stellung der Leistungs- und Kostenträger überdurchschnittlich reguliert ist.

Voraussetzung eines Entgelttarifs für den Sozialbereich ist, dass nichtkirchliche Akteure das kircheneigene Arbeitsrecht akzeptieren. Der DCV wird am "Dritten Weg" festhalten und deshalb keine Tarifverträge mit Gewerkschaften abschließen. Darüber hinaus muss der DCV mit seiner Arbeitsrechtlichen Kommission an der Gestaltung eines Entgelttarifs für den Sozialbereich gleichberechtigt mitwirken. Hinzu kommt, dass sich die Beteiligten mindestens auf Eckpunkte für die Entgelte der Mitarbeitenden verständigen müssen, vor allem für die unteren Lohngruppen. Nicht zuletzt aber braucht es die Bereitschaft der Politik, diese Entgelttarife für die Refinanzierung der Einrichtungen und Dienste wirksam werden zu lassen.

04.02.2013 | 19:34  
Erich Sczepanski schreibt

dass "die Politik" den politisch gewollten Preiswettbwerb, der über die Einkommen der Beschäftigten ausgetragen wird, beendet - ist wohl vergebliche Hoffnung. Das geht nur über die bestehenden gesetzlichen Regelungen - und da sehe ich nur noch § 5 TVG. Dessen Anwendung setzt voraus, dass mindestens 50 % der Beschäftigten einer Branche in den Geltungsbereich EINES TarifVERTRAGES fallen. Selbst zwei im Vergütungsbereich identische Tarifverträge reichen nicht. Die einfachste Regelung ist ein Anwendungstarifvertrag wie bei der Diakonie Himmelsthür. Daran sind dann alle Anbieter der Region gebunden, auch die aus dem europäischen Ausland oder die "schwarzen Schafe". Und dieser allgemein verbindliche Tarifvertrag stellt dann auch die Grundlage für eine bessere Refinanzierung dar. Nur auf bessere Refinanzierungen zu setzen bringt den "schwarzen Schafen" nur mehr Gewinne. Das kann nicht unser Ziel sein. Wer aber die Lösung "allgemein verbindlicher TarifVERTRAG" ablehnt, der lässt den Preiswettbewerb weiter zu - und der muss erklären, warum er die damit verbundenen prekären Löhne billigend in Kauf nimmt.

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30.01.2013 | 16:26  
Klara Andris schreibt

Gegen einen einheitlichen Sozialtarif ist nichts einzuwenden. Doch muss eines bedacht werden: können wir dann auch dem Wettbewerb begegnen, der über die Ländergrenzen hianusgeht? Mit einem Mindestlohn können wir dem Lohndumping versuchen, Einhalt zu gebieten. Aber schaffen wir es auch, die Abwanderung unsere Fachkräfte ins Ausland zu stoppen? Hier muss den Einrichtungen zumindest ein Verhandlungsspielraum eröffnet werden.

31.08.2016 | 09:03
Kritsch antwortet  

Die Caritas warnt vor Lohndumping, das ist ja schön. Selbst nehmen die gierig vom JobCenter 1 Euro Jobler, statt diese ordentlich zu bezahlen, damit diese von ihrem Lohn auch Leben können. Welche Heuchelei!

31.08.2016 | 10:27
Caritas Deutschland antwortet  

Die 1-Euro-Jobs sind ausdrücklich zusätzlich geschaffene Arbeitsgelegenheiten, um Langzeit Arbeitslose die Möglichkeit zu eröffnen, sich wieder an den ersten Arbeitsmarkt anzugliedern. Kein 1-Euro-Jobler sitzt auf einer regulären Planstelle., da dies vom Gesetzgeber ausdrücklich ausgeschlossen wird. Viele dieser Menschen in den 1-Euro-Jobs haben ein Problem, das sie aus dem ersten Arbeitsmarkt herauskatapultiert hat und es bedarf zumeist auch einigen Betreuungsaufwand, um sie entsprechend in ihrem 1-Euro-Job zu begleiten. So kenne ich persönlich eine Sozialarbeiterin, die immer wieder morgens ihren 1-Euro-Jobler zu Hause aus dem Bett holen muss, weil er sich schwer tut, sich an eine Zeitstruktur anzupassen.Der würde im ersten Arbeitsmarkt gleich beim zweiten Mal fehlen einfach rausfliegen und wieder nur zu Hause hocken und weiter trinken. Wollen Sie das?

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